Jubel der Torjägerin: Annika Wohner (M.) aus Poing nach einem Treffer für den FCB II gegen Saarbrücken.
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Jubel der Torjägerin: Annika Wohner (M.) aus Poing nach einem Treffer für den FCB II gegen Saarbrücken.

Annika Wohner aus Poing stoppt Karriere und geht in die USA

FC Bayern-Torjägerin sucht neues Abenteuer

  • VonOlaf Heid
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Die Poinger Fußballerin Annika Wohner spielt mit dem FC Bayern II in der 2. Bundesliga Süd. Doch jetzt legt sie ihre Karriere in Deutschland vorerst auf Eis.

Poing – Wenn heute Annika Wohner am Münchner Flughafen im Erdinger Moos steht und auf ihren Flieger gen Washington wartet, lässt die junge Fußballerin aus Poing ihre Vereinskarriere vorerst ruhen. Und das, obwohl die 18-Jährige in der 2. Bundesliga Süd mit Topleistungen und vor allem Toren durchaus auf sich aufmerksam gemacht hat. Als aktuelle Vizemeisterin mit dem FC Bayern München II und sechstbeste Schützin der Liga (sieben Treffer!) beginnt für Wohner ein anderes Abenteuer. Es ist eines jenseits des großen Teichs, in den Vereinigten Staaten.

FC Bayern II: Torjägerin wird auch in North Carolina weiterhin auf dem Platz stehen

Die Poinger Fußballerin hat ein Vollstipendium an der North Carolina State University (NC) erhalten. Normal könnte und will sie dort in Raleigh, der Hauptstadt des US-Staates, für drei bis vier Jahre bleiben, um Biologie zu studieren und mit dem Bachelor in Humanbiologie abzuschließen. Dank ihres Fußballtalents und Könnens muss sie dafür nichts bezahlen – nur kicken. „Es wird mir alles bezahlt“, sagt sie voller Stolz.

Natürlich kommt „ihr“ Sport überhaupt nicht zu kurz, sondern ist der Grund, warum sie dorthin fliegt. „Ich spiele für die Uni, nicht für einen Verein“, sagt Wohner, die sich vorab mittels Internet, Videos und einer Spezialagentur sehr viel über die Abläufe und Ligen informiert und mit einigen Bildungseinrichtungen sowie einer zukünftigen Teamkollegin intensiv Kontakt gehabt hat. Die Wahl fiel schwer, aber letztlich für eine Uni, die Bedarf auf ihrer offensiven Mittelfeld-Position reklamiert hat.

Studium und Fußball lassen sich in den USA bestens kombinieren

„Das System dort ist super“, so die 18-Jährige. Studium und Sport können sich aus ihrer Sicht bestens kombinieren lassen. In Deutschland sei dies kaum möglich. Beim Gang in die 1. Liga hätte sie – vor allem beim FCB – niemals genügend Praxis erhalten, um sich zu entwickeln. Die Ersatzbank zu drücken, das wäre für die junge Dame keine Alternative gewesen. „Da musst du Profi sein und nichts anders. In den Staaten wird man auch im akademischen Teil stark unterstützt. Ich kriege zum Beispiel jeden Tag Nachhilfe, um mit der Sprache und den Fächern voranzukommen.“ Und als Sportlerin sei man in den USA eben „sehr hoch angesehen“.

Natürlich sei sie damit erst einmal weit weg von Zuhause. „Das Heimweh wird kommen“, sagt die junge Dame, und schiebt lachend hinterher: „Ich wäre aber sowieso von Daheim ausgezogen.“ Sie steht auf eigenen Füßen und weiß, was sie will. Sportlich wäre für Annika Wohner – trotz aller Fortschritte in der FCB-Zweiten – in der ersten Garnitur der Roten kein Platz gewesen. „Es ist unmöglich in die Mannschaft reinzukommen“, sieht sie die große Konkurrenz im Kader des Deutschen Meisters und Champions-League-Teilnehmers als unüberwindbar an. Darum habe sie das Ziel, in der 1. Bundesliga zu spielen, vorerst vertagt.

Ich bin ja flexibel einsetzbar, kann Sechser oder Achter spielen. Das ist ein Vorteil für mich.

Annika Wohner, FC Bayern München II

Es ist aber keine Flucht Wohners, sondern ein wohl überlegter Schritt. Sie wollte immer studieren und sich nicht auf den Sport alleine verlassen. Danach würde sie gerne in der 1. Liga oder in einer vergleichbaren in Europa wieder einsteigen. Den Sprung nach Amerika empfinde sie daher als die „beste Lösung“, um Beruf und Leidenschaft am besten miteinander zu verweben. Sie freut sich auf das Abenteuer an der NC State. Sie wird dort in der ACC, das ist die höchste College-Liga im dortigen Fußball, spielen und für Auswärtsbegegnungen mehrere Stunden im Flieger sitzen.

Ihre Teamkolleginnen bei den Roten und auch Trainerin Nathalie Bischof (einst auch beim TSV Poing), haben Verständnis für den Wechsel, der die 18-Jährige weiter entwickeln wird. Sie möchte lernen, Erfahrung sammeln, beruflich wie sportlich, betont Wohner. Angst vor dem Unbekannten hat sie keine. Im Fußball sowieso nicht. „Ich bin ja flexibel einsetzbar, kann Sechser oder Achter spielen. Das ist ein Vorteil für mich.“

Annika Wohner spielte früher beim TSV Poing

Seit ihrem vierten Lebensjahr liebt Annika Wohner diesen Sport, kickte von Anfang an auch immer bei den Buben mit. Gestört hat sie das nicht wirklich, eher härter gemacht und besser. Ihre Wurzeln liegen in Poing. Hier besuchte sie 2008 in der Volksschule die Klasse 1d, beim Heimatverein TSV war sie da schon im Nachwuchs am Wuseln. Sie sammelte schnell Erfolge ein, war Kapitänin in der F-Jugend, landete bei den Hallenkreismeisterschaften der E-Junioren im Allstars-Team, oder lief bei der Leichtathletik-Gemeinschaft Sempt fleißig mit und startete mehrmals beim Landkreissportfest.

Doch nicht Bestzeiten jagte sie, sondern am liebsten dem runden Leder hinterher. Vom TSV Poing ging es für kurze Zeit zum SC Baldham Vaterstetten, danach zur SpVgg Altenerding und SpVgg Landshut. Im Sommer 2019 folgte, direkt nach dem Abitur am Erdinger Korbinian-Aigner-Gymnasium (Notenschnitt 1,9), der nächste logische Schritt auf der Karriereleiter der Poingerin. Sie schrieb sich an der TU München fürs Studium der Sportwissenschaften ein und wechselte zu den Damen ll des FCB.

Vorbereitung für FC Bayern-Frauen war wichtiger als Urlaub

Zusätzlich war Wohner in der Bayernauswahl U18 aktiv und gehört durchlaufend den Kadern der Juniorinnen-Nationalmannschaften an. Zuletzt und immer noch dem der U 19. Der SC Baldham-Vaterstetten und ihr Heimatverein TSV Poing erhielten heuer dafür vom DFB gar eine Ausbildungsentschädigung.

Annika Wohner hat viel dem Fußball geopfert, war immer ambitioniert. Vor zwei Jahren verzichtete sie nach dem Abitur sogar auf Urlaub, um sich der Vorbereitung bei den FCB-Frauen zu stellen und ihre Karriere zu forcieren. „Das war nicht schlimm, das habe ich gerne gemacht. Ich habe ja immer noch viel Spaß am Fußball“, betont Wohner. Auch lästige Fitnesseinheiten hat sie locker weggesteckt. „Wenn du nicht fit bist, kannst du nach 20 Minuten nicht mehr spielen.“ Sie liebt eben Herausforderungen. Ein Grund, warum sie heute gerne ins Flugzeug gen North Carolina steigt.

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