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Mehrkampf-DM: Sempt-Juniorin triumphiert mit vier Punkten Vorsprung

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Von: Olaf Heid

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Deutsche Hallen-Mehrkampfmeisterschaften
Der weite Satz, der die Waage bei der Fünfkampf-DM zu ihren Gunsten kippte. Die Semptlerin landete bei 5,74 Meter. © Ralf Görlitz

Den Tag nach den Deutschen Hallenmeisterschaften der Mehrkämpfer in Leverkusen nutzte Maresa Hense zum Entspannen mit der Familie. Und zum Verarbeiten der aufregenden Stunden bei den Titelkämpfen, an deren Ende der bislang größte Erfolg in der Karriere der 16-jährigen Leichtathletin aus Markt Schwaben lag.

VON OLAF HEID

Markt Schwaben – Die junge Dame von der LG Sempt wurde in der Altersklasse der weiblichen U18 überraschend und erstmals Deutsche Fünfkampf-Meisterin.

„Dabei habe ich mich im Vorfeld gar nicht so gut gefühlt“, musste Hense rückblickend lachen. „Ich hatte irgendwie nach den guten Ergebnissen von 2022 den Druck, eine Medaille zu holen.“ Im Vorjahr war sie bei der Bayerischen zum Mehrkampf-Titel gerannt, bei der DM konnte sie damals krank nicht antreten. Das holte sie dafür heuer umso eindrucksvoller nach.

Schon in der Vorwoche bei der Generalprobe in der Münchner Werner-von-Linde-Halle hatte die Semptlerin überzeugt und sich bei der Südbayerischen Meisterschaft unter den U18-Spezialistinnen den Sieg im Hürdensprint und Bronze im Kugelstoßen gesichert. In Leverkusen knüpfte Hense fast nahtlos daran an.

Im 60-Sprint über die Hürden war sie mit der Zeit, die nur sieben Hundertstel-Sekunden langsamer als in München war, zufrieden (9,04 Sek./902 Punkte). „Das war okay, im Gegensatz zum Hochsprung. Da hatte ich mir mehr erhofft, allerdings hatte ich es im Vorfeld nicht so viel trainiert, sondern den Fokus aufs Laufen gelegt“, erläuterte Hense, die 1,61 Meter in die Wertung brachte. 747 Zähler ließen sie nach zwei Disziplinen bereits deutlich mit 140 Punkten hinter Topfavoritin Emma Kaul (USC Mainz) und fernab der Medaillenränge liegen.

Wende kommt mit dem Kugelstoßen

Doch mit dem Kugelstoßen (12,43 m/690 P.) setzte die Wende ein. Hense schob sich ein paar Plätze nach vorne – und katapultierte sich im Weitsprung auf den ersten Rang – die erzielten 5,74 Meter (771 P.) waren der Topwert im Teilnehmerfeld und für die Semptlerin die Einstellung ihrer persönlichen Bestleistung. „Damit hatte ich gar nicht gerechnet. Beim Sprung hatte ich das Gefühl, ich hätte übertreten. Aber das Resultat hat mich dann wirklich gepusht“, erläuterte Maresa Hense.

Gedanken an den Titel verwarf die Gymnasiastin vom Franz-Marc-Gymnasium allerdings gleich wieder. Rivalin Kaul hatte die klar bessere 800-Meter-Bestleistung vorzuweisen „und ich war ja nur 13 Punkte vor ihr. Ich dachte, ich habe nicht wirklich eine Chance gegen sie und wollte nur die Silbermedaille absichern.“

Doch erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. Das zusätzliche Lauftraining zahlte sich für die Semptlerin aus. „Ich habe mich gut gefühlt“, merkte die 16-Jährige während des Rennens, dass sie an Kaul dicht dranbleiben konnte. Bis ins Ziel.

Dort saß die Semptlerin ausgepumpt und ratlos am Boden. „Die Anzeigentafel hat nichts angezeigt“, berichtete Hense. Hatte sie zu viel Abstand gelassen? War es Platz eins oder zwei in der Gesamtwertung?

Konkurrentin gratuliert als Erste

Konkurrentin Emma Kaul erlöste die 16-Jährige schließlich von der Warterei. Die Schwester von Zehnkampf-Weltmeister Niklas Kaul hatte mit 2:26,02 Minuten die 800 Meter gewonnen. „Emma hat es eher gewusst und mir gesagt, dass ich es geschafft habe. Sie hat sich wirklich für mich gefreut.“ Die neue Deutsche U18-Meisterin aus Markt Schwaben war fassungslos vor Freude. Für sie waren 2:26,69 Minuten (735 P.) gestoppt worden. Vier Pünktchen lag Maresa Hense (3845) in der Gesamtaddition vor Kaul. Und 145 vor der Drittplatzierten.

Der Rest lief für die Überraschungssiegerin aus Markt Schwaben wie im Film ab. Viele Gratulanten drückten ihr die Hand, auch Vereinskollegin Anna-Lena Obermaier, die tags darauf DM-Silber gewann (Bericht folgt). „Ich kenne sie aus gemeinsamen Trainingslagern“, freute sich die 16-Jährige über die Glückwünsche der Poingerin. „Wir waren zu Jahresbeginn auch gemeinsam in Teneriffa im Trainingslager, wenn auch in getrennten Gruppen.“ Hier hatte Hense zusammen mit Leonie Schmid (wurde in Leverkusen 13.) mit unter Anleitung von Sempt-Trainerin Verena Oppelt) die Grundlagen für den Titelgewinn gelegt.

Dopingkontrolle, Siegerehrung, Interviews

In Leverkusen musste die Markt Schwabenerin, ohne den Erfolg richtig realisiert zu haben, direkt aus dem Zielbereich hinaus zuerst zur Dopingkontrolle. Danach folgte die Siegerehrung – für Hense ein tolles und aufregendes Gefühl. „Ich durfte ein Interview geben und auch für Fotos posieren“, schilderte sie die gestiegene Aufmerksamkeit des Verbands und der Medien.

Was ihr auch im Kopf haften bleiben wird, ist die Folge des dadurch verlängerten Aufenthalts in der Bayer 04-Halle in Leverkusen. „Wir haben dadurch unseren Zug nach Hause nicht erwischt“, sagte die Gymnasiastin lachend. „Wir mussten den nächsten nach München nehmen und waren erst um 0.20 Uhr am Hauptbahnhof.“ Geschlafen hatte sie aber keine Minute, fast minütlich kamen Glückwünsche oder Anrufe am Handy – zu aufregend waren die nationalen Titelkämpfe abgelaufen.

Stolz auf die Meisterurkunde der U18-DM: Maresa Hense (LG Sempt).
Stolz auf die Urkunde: die Deutsche U18-Fünfkampf-Hallenmeisterin Maresa Hense (LG Sempt). © Foto: privat/LG Sempt

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