Der Spielbetrieb in Corona-Zeiten bringt auch für Kommentator Martin Piller einige Veränderungen mit.
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Der Spielbetrieb in Corona-Zeiten bringt auch für Kommentator Martin Piller einige Veränderungen mit.

Kommentator von Magenta Sport und Amazon im Interview

Martin Piller: Hatte in fünf Wochen 20 Einsätze

  • vonJulian Betzl
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Martin Piller kommentiert für Magenta Sport und Amazon hauptsächlich die 3. Liga. Im Interview spricht er über seine Arbeit während des Corona-Spielbetriebs.

Markt Schwaben – „Kommentieren aus dem Stadion ist für mich das A und O“, sagt Martin Piller, 33, aus Markt Schwaben. Während der Turbulenzen des Restarts in den Fußball-Profiligen musste sich der Kommentator für Magenta Sport und Amazon allerdings hinter einer Plexiglasscheibe im Studio und Plan B zufriedengeben. Nicht nur die Profis auf dem Platz mussten sich an den Pandemie-Betrieb mit Geisterspielen und Hygienekonzepten gewöhnen.

Ihr Haupteinsatzgebiet, die 3. Liga, hatte ein extremes Restprogramm zu bewältigen. Elf Spieltage in fünf Wochen durchzuziehen, dürfte nicht nur für die Spieler eine außergewöhnliche Belastung gewesen sein. Wie lief der Corona-Restart für die Kommentatoren ab?

Das war echt krass. Wir hatten etwa eine Woche Zeit, uns auf die besonderen Umstände einzustellen. In allen Bereichen, Produktion, Schnitt, Regie, etc., musste mit festen Teams gearbeitet werden. Als mir mein Chef dann die Moderation der Konferenz angeboten hat, habe ich sofort zugesagt. Zumal ich mit meinem Co-Moderator Alex Klich seit zehn Jahren befreundet bin und wir uns schnell geeinigt haben, mit kleinen Gags und schnellen Wechseln Dynamik in die Konferenz reinzubringen, fiel uns das relativ leicht. Auch wenn die Arbeitszeiten heftig waren: Ich hatte in fünf Wochen 20 Einsätze, 15 in der Drittliga-Konferenz, fünf in der Frauen-Bundesliga. Wenn man in diesen 35 Tagen die 20 Tage in der Kommentatoren-Kabine nimmt plus jeweils einen Tag Vorbereitung, dann kommt man auf mehr Arbeits- als tatsächliche Tage.

Inwiefern waren diese 35 Tage für Sie als Moderator/Kommentator einerseits eine persönliche Entwicklungschance und andererseits eine gespenstische Atmosphäre, so ganz ohne Fans und Stimmung im Stadion?

Das war absolut eine Chance für mich. Ich habe zwar schon vorher die Konferenz gemacht, aber da die Moderatoren für den Vorlauf nicht mehr ins Stadion durften, haben wir den jetzt auch noch mitgemacht. Das bringt einem dann schon extrem viel, auch wenn es mal wie am vorletzten Spieltag drunter und drüber geht, weil die Tabellensituation alle zwei Minuten durcheinandergeworfen wird. Die Atmosphäre war ganz am Anfang für mich als Zuschauer beim ersten Bundesligaspiel kaum mitreißend. Während der Arbeit habe ich aber keinen Unterschied gespürt, dadurch dass auch die Ersatzbänke ein bisschen mitgehen. Ich weiß nicht, ob ich so konzentriert bin, dass mir das nicht auffällt. Aber insgesamt ist es schon komisch, wenn beim Derby Bayern gegen Sechzig niemand im Stadion ist. Es gab die Überlegung, eine Tonspur aus der Konserve zu benutzen, da konnten wir als Moderatoren, die ja mit dieser Spur auf dem Ohr arbeiten müssen, zum Glück ein großes Wort mitsprechen und haben das sofort abgebügelt. Ich finde das absolut schwachsinnig und affig – man muss es aushalten können, wie es ist. Übrigens hatte ich anfangs das Gefühl, dass die Spieler viel gesitteter waren. Aber als kurz darauf der gemeinsame Jubel mit Umarmungen losging, da war wieder alles wie früher.

Lief es hinter den Kulissen auch mal nicht so reibungslos ab, wie es in der Übertragung rüberkam? Und wie geht es für Sie nach der Sommerpause weiter?

Na ja … das ist vielleicht für die Zuschauer witzig: Bei der Übergabe an die Kommentatoren der Einzelspiele tasten Alex und ich uns aus, also man kann uns nicht mehr hören. Dann knallen wir uns manchmal gegenseitig 40 Sekunden lang alle möglichen Dinge und Kritik an die Ohren, schalten unsere Mikros wieder ein – und moderieren weiter, als wäre nix gewesen. Mit Magenta Sport geht es in der 3. Liga am 18. September wieder los. Für Amazon werde ich wohl schon eine Woche vorher Einsätze im DFB-Pokal bekommen. Persönlich bin ich voll zufrieden, wenn alles so bleibt und ich weiterhin meinen Lebensunterhalt mit Kommentieren und Moderieren bestreiten kann. Darüber hinaus muss es nicht unbedingt die 1. oder 2. Liga sein. Aber ein richtig spannendes europäisches Spiel live aus dem Stadion zu kommentieren, wäre schon ein Traum.

Das Gespräch führte Julian Betzl

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