Leichtathletik

Ende einer außergewöhnlichen Karriere

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Der Glanz früherer Zeiten, er bröckelt. Holten die beiden Vaterstettener Senioren-Leichathleten Guido Müller (M80) und Gerhard Zorn (M60) im vergangenen Jahr noch acht Mal Gold bei der DM, so sprang diesmal in Leinefelde nur ein Titel heraus. Für Müller war es der letzte Wettkampf seiner außergewöhnlichen Karriere.

VON WOLFGANG HERFORT

Vaterstetten – Enttäuscht von seinem in jüngster Zeit zu registrierenden Leistungseinbruch war vor allen Dingen Guido Müller. Dabei war er „froh, noch einmal in die Medaillenränge gelaufen zu sein“.

Im Vorjahr war der Vaterstettener noch in fünf Disziplinen angetreten, hatte – wie fast immer – der Konkurrenz das Nachsehen gegeben und fünf Mal Gold geholt. Diesmal wurde es über 400 Meter „nur“ Silber. „Ich laufe eben nicht mehr vorne weg“, musste Müller erkennen, „obwohl ich gekämpft und alles gegeben habe“. Er nahm es mit dem ihm eigenen Humor: „Als nun 80-Jähriger bin ich erstmals über 80 Sekunden (80,94 – Anm.d.Red.) geblieben. Passt doch irgendwie, oder!?“

Müllers 200-Meter-Rennen war nicht nur der letzte Wettbewerb der DM, sondern auch sein letzter Wettkampf gegen die M80-Konkurrenz. Er wird ihm in Erinnerung bleiben. Nicht nur, weil er auf Platz drei einkam (33,91) und ihn rund 200 Athleten im Ziel mit Standing Ovations begrüßten. Es hatte sich nämlich rumgesprochen, dass Müller seine Karriere zu beenden gedachte. Für Müller ging dabei eine weitere, sehr persönliche Ära zu Ende. „Über 30 Jahre, seitdem ich im Seniorenbereich aktiv bin, läuft er hinter mir her. Und jetzt war er das erste Mal vor mir“, würdigte Müller seinen Langzeitkonkurrenten Willi Scheidt vom TS Herzogenaurach, der in 33,65 Sekunden Silber hinter dem neuen Titelträger Adolf Neren Nehren (TuS Mayen/33,34) gewann.

Müller wäre nicht Müller, wenn er nicht trotz aller aufkommenden Emotionen den Blick auf Teamkollege Gerhard Zorn verloren hätte. Zorn war als Titelverteidiger über 100, 200 und 400 Meter nach Thüringen gekommen. Doch der Vaterstettener war angeschlagen. Eine Zerrung, die er sich eine Woche vor der DM zugezogen hatte, bremste seine Ambitionen. „Schon beim Aufwärmen für den Vorlauf über die 100 Meter habe ich gemerkt, das wird nichts. Das Adrenalin sagt dann aber, lauf weiter.“ Mit 14,25 Sekundenverpasste er das Finale. „Da war ich mir sicher, das war’s, ich laufe hier nicht mehr.“ Doch gutes Zureden von Guido Müller und die Überlegung, „das Tempo, das ich gehen kann, könnte reichen“, ließ Zorn an den Start der 400 Meter gehen. Der Vaterstettener ließ es dermaßen langsam angehen, dass er chancenlos wirkte. „Doch die 400 sind meine Strecke“, sagte Zorn, der bei 200 Metern Gas gab und das Feld regelrecht von hinten aufrollte und die Ziellinie als Erster in 59,27 Sekunden überquerte. Peter Klein (LCO Edenkoben/60,42) und Andraes Weise (VfV Spandau/60,60) hatten das Nachsehen. Trotz der Titelverteidigung obsiegte bei Gerhard Zorn die Vernunft, nicht mehr zu den 200 Metern anzutreten. „Auch bei der Europameisterschaft werde ich nicht starten und erst einmal die Verletzung richtig auskurieren. Ich fahre derweil lieber Radl.“

Die beiden Aushängeschilder Vaterstettener Leichtathletik-Abteilung werden also demnächst den Wettkampfbahnen fern bleiben. Guido Müller sogar für immer.

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