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SG „Alt“ Steinhöring ist Geschichte

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Von: Wolfgang Herfort

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Übergabe der Standarte: 1. Schützenmeister Anton Lettl (r.) und sein Stellvertreter Fritz Prügelhof (l.) reichten die geschichtsträchtige Fahne an Gauschützenmeister Ulrich Seibold (2.v.l.) und Bürgermeister Alois Hofstetter weiter.Foto: sro

Mit Beginn des neuen Jahres hat die Schützengesellschaft „Alt“ Steinhöring aufgehört zu existieren. Der Verein wurde aufgelöst – 143 Jahre nach seiner Gründung.

Steinhöring – Mit Beginn des neuen Jahres hat die Schützengesellschaft „Alt“ Steinhöring aufgehört zu existieren. Der Verein wurde aufgelöst – 143 Jahre nach seiner Gründung. Der Grund: kein Nachwuchs, die rund 20 Mitglieder bereits im fortgeschrittenen Seniorenalter, das Interesse am Schießbetrieb zunehmend nachlassend. Ein entschlossenes Vorgehen, „Alt“ am Leben zu erhalten, hat es nicht gegen. Darum hält sich die Trauer über die Vereinslöschung auch bei den zuletzt Verantwortlichen in Grenzen: „Sicher ist es traurig, aber es war an der Zeit, den Schritt zu gehen.“ Hannemarie Lettl, letzte Schriftführerin der Steinhöringer Schützengesellschaft, ist Realistin. Obwohl die heute 82-Jährige seit 1957 dem Verein angehörte, sagt sie: „So weiter zu wurschteln wie bislang geht nicht.“ Ihr Mann Anton (88), seit 1971 in unterbrochener Folge Erster Schützenmeister, bekennt: „Ich bin jetzt von 1951 an dabei. Ein bisserl tut es natürlich weh, aber es ist besser so.“

Dabei waren die „Alt“-Schützen einst einer der führenden Vereine im Gau Ebersberg, stellten dreimal den Gauschützenkönig. Nicht nur auf regionaler Ebene wurden Erfolge eingefahren. 1973 stieß Monika Riesterer, dreifache Europameisterin und Weltrekord-Inhaberin, zu den Steinhöringern. „Das waren unsere besten Jahre“, erinnert sich Hannemarie Lettl, die schon damals in der Frauenmannschaft aktiv war, die Titel um Titel, auch nationale, sammelte: „Wir waren einmal ein guter Verein.“

Doch im Laufe der Jahre blieb der Nachwuchs aus, zudem musste man die Jungen zu den umliegenden Vereinen abwandern lassen. „Dorthin hatten sie es näher“, so Lettl. Die sich wandelnden Zeiten mit sich verändernden Interessen gingen auch nicht an „Alt“ Steinhöring vorbei. „Einen Stamm haben wir immer gehabt“, betont Hannemarie Lettl, „es kam aber leider nichts mehr nach.“

Als im vergangenen Dezember wieder einmal Neuwahlen anstanden, kristallisierte sich heraus, dass niemand aus dem Vorstand „so recht Lust gehabt hat weiterzumachen“. Nur mehr 21 Mitglieder wurden gezählt, davon waren „vielleicht noch zehn aktiv“. Bei den Vereinsabenden sei zwar jeweils eine rege Beteiligung zu registrieren gewesen („15 waren eigentlich immer da“), aber nur fünf, sechs seien auch an den Stand gegangen. „So bist’ für den Nachwuchs nicht attraktiv“, gesteht Hannemarie Lettl, die seit 1965 als Schriftführerin agiert; „Für den ist es doch langweilig, wenn nur Alte rumhocken.“

Das Alter war letztlich der ausschlaggebende Grund, den Verein aufzulösen. „Zuletzt hatten wir vier 80. Geburtstage, einen 90. Da bleibt der eigene Anspruch und die Möglichkeiten auf der Strecke. Irgendwann kann man nicht mehr so, wie man gerne möchte.“

Für die Schriftführerin war das Prozedere der Vereinsstreichung „anstrengend und schlaflosen Nächten verbunden. Da gibt es so viel zu tun, die Schützenpässe einsammeln und zurückgeben, zum Notar rennen, zum Registergericht. Die Liquidation, Abmelden beim Finanzamt. Ich bin froh, dass es vorbei ist.“

Was von „Alt“ Steinhöring bestehen bleibt, ist der Kern des Vereins: der Zusammenhalt. Der Geist wird weiterleben im Rahmen eines Stammtisches, mal im bisherigen Vereinsdomizil beim Gasthof Ramsl, mal in Forstern. Gesprächsstoff dabei haben die ehemaligen Mitglieder ja genug. Da reicht der Blick auf die vergangenen 143 Jahre „Alt“ Steinhöring.

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