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Großer Ausfallschritt: U18-Junior Max Rehberg aus Landsham kämpfte sich bei der Herren-DM in Biberach in Runde zwei.  

Tennis: Ein Landshamer Jungprofi im Aufwind

Landshamer Ass im Aufwind

  • vonOlaf Heid
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Weiter an  seiner Karriere als Tennisprofi feilt das Landshamer Tennistalent Max Rehberg. Der Jungprofi (17)  peilt die Australian Open der Junioren an.

Landsham – Der Turnierabschluss des Jahres 2020 beinhaltete für das Landshamer Tennistalent Max Rehberg einen gebührenden Abschluss. Der 17-Jährige durfte im Hauptfeld der Deutschen Hallenmeisterschaften der Damen und Herren in Biberach auf den Court gehen. Zum Auftakt gelang dem Rechtshänder aus der Tennisbase Oberhaching, inzwischen die Nummer 70 der Deutschen Rangliste (DR), ein Sieg. Danach kam das Aus. Dennoch zog Rehberg hinterher ein positives Fazit über das Turnier und das abgelaufene Jahr unter Corona-Bedingungen.

„Ich bin absolut zufrieden“, bekennt Rehberg. „Sportlich hätte es viel besser nicht laufen können.“ Was ihn vor allem freute? „Ich habe meine ersten acht ATP-Punkte in der Weltrangliste eingespielt.“ Das war beim Challenger-Turnier in Eckental. Daneben gewann er im Einzel auch zwei Nachwuchs-Turniere zu Beginn des Jahres im österreichischen Wolfsberg und im slowakischen Trnava. Zudem siegte Rehberg, der in der Szene als derzeit größtes deutsches Talent im Herrenbereich bezeichnet wird, bei den 45. Deutschen Jugend-Hallenmeisterschaften in Essen in der Altersklasse der U16.

Unterm Strich beförderten ihn die Erfolge auf Position 70 in der nationalen Herren-Rangliste (DR) und sogar auf Platz 35 in der U18-Junioren-Weltrangliste (JWR). Letzteres bedeutet für Max Rehberg einen Riesenschritt auf der Karriereleiter als Profi, denn „nächstes Jahr darf ich automatisch an den Grand-Slam-Turnieren der Jugend teilnehmen, am liebsten bei allen vier“, freut er sich und verrät sogleich einen Wunsch: „Ich würde gerne nach Australien reisen, da war ich noch nie. Und bei den Open in Melbourne mitspielen. Das wäre ein Erlebnis.“ Ob es dazukommt, ist derzeit noch offen. Der Start der Australian Open ist auf alle Fälle schon mal um drei Wochen nach hinten auf 8. Februar gelegt worden.

Die mediale Aufmerksamkeit hat in 2020  bedeutend für Max Rehberg zugenommen. Das hatte das Tennis-Ausnahmetalent schon im Sommer festgestellt. Nach seinen drei Erfolgen in der Vorrunde der Tannenhof Resort German Men’s Series in Großhesselohe häuften sich die Anfragen der Journalisten aus dem gesamten Bundesgebiet. Die Zusammenarbeit mit der Presse sei nichts Ungewohntes für ihn, so der 17-Jährige: „Daran bin ich schon durch meine Erfolge bei den Deutschen Jugend-Meisterschaften gewöhnt.“ Das Aber folgt nun auf dem Fuß: „Durch die Siege als Junior bei einem Herrenturnier stehe ich jetzt noch mehr im Mittelpunkt.“

Natürlich war auch Corona für den Jungprofi ein großes Thema: „Wir haben am Anfang nicht gewusst, wie man damit umgehen kann.“ Es sei vielfach nur Training in Dauerschleife gewesen, weil viele Turniere ausfielen und der Terminplan auseinander fiel. „Es ist schwer, sich zu motivieren, wenn man kein konkretes Ziel vor Augen hat.“ Und „die Ungewissheit, wann und wo es weitergeht“, sei auch immer noch das Schlimmste für ihn.

Dennoch schätzt Rehberg sich glücklich, als Profi überhaupt trainieren zu dürfen. Die Belastungen nehme er gerne in Kauf. Auch die eines Besuchs der Fernschule in Mannheim, zu der er ein bis zwei Mal wöchentlich reist, um dort sein Abitur zu machen. „Das ist schon ein großer Aufwand, aber besser als täglich zur Schule gehen zu müssen.“ Es ist vor allem eine Absicherung für die Zukunft, neben dem täglichen Drill für die sportliche Laufbahn.

Bei dem Einladungsturnier im Juli in München, das erste größere nach dem ersten Lockdown, kam das Aus für den Rechtshänder in der Zwischenrunde nach einer 1:6 und 3:6-Niederlage gegen den topgesetzten Turnierfavoriten Cedrik-Marcel Stebe (Weltrangliste Nr. 126). Nach dem Match auf dem Centercourt des DTB-Bundesstützpunktes in Oberhaching hatte der 29-Jährige seinen 13 Jahre jüngeren Gegner trotz des deutlichen Ergebnisses gelobt: „Max ist für sein Alter schon wirklich sehr weit. Manchmal ist er noch etwas hektisch, aber er hat gute Schläge, und wenn er weiter dranbleibt, dann kann er richtig gut werden.“

Der Deutsche U 16-Meister aus Landsham hatte schließlich viel für sich und die nächsten Monate mitgenommen. Nicht zuletzt Motivation fürs weitere Training mit Coach Benjamin Benedikter, mit dem Rehberg an seinen Schwächen feilt. „Es gibt überall noch Luft nach oben“, sagt der Trainer aus der TennisBase Oberhaching, dessen Team der Landshamer seit Jahren angehört, und verweist auf mehr Variabilität in die Schlägen. „Den Übergang nach vorne, um den Punkt mit einem Volley abzuschließen, müssen wir noch verbessern. Und vor allem Aufschlag und Return.“

Letzteres hatte Max Rehberg Anfang Dezember bei der Hallen-DM in Biberach (Baden-Württemberg) auf der Agenda. Die Meisterschaften kamen für ihn zu einem „blöden Zeitpunkt“, mitten in einer harten Trainingsphase. Dennoch hat der 17-Jährige sein Können eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Er überstand die erste Runde im Herren-Einzel gegen Liam Gavrielides vom TC Ludwigshafen (DR 225) mit 6:2 und 6:4 in den Sätzen – dank seines verbesserten Aufschlags und der mächtigen Vorhand.

In Runde zwei ereilte den Landshamer jedoch nach hartem Kampf gegen den hart aufschlagenden Linkshänder Jordi Walder (TSC Hansa Dortmund/DR 51) mit 6:7 (4:7) und 4:6 das Aus. „Das war kein Beinbruch, auch wenn mehr drin war. Ich habe aber keinen Rhythmus gegen ihn gefunden und bin nicht in die Ballwechsel reingekommen, um mich wohl zu fühlen.“ Letztlich habe er aber die Vorgaben des Trainers gut erfüllen können, meint Rehberg zufrieden. „Ich habe viel ausprobiert, zum Beispiel bei Netzangriffen und mehr auf meinen Aufschlag geachtet.“

Nach der DM gab es jedoch keine Pause. Auch zwischen Weihnachten und Neujahr wurde weitertrainiert. „Es ist nicht so viel Tennis, dafür mehr Konditions- und Fitnesstraining. Ich will weiter an meiner Kraft, Ausdauer und Schnelligkeit arbeiten.“ Damit er auch in 2021 an seine Erfolge anknüpfen kann.

Ehrgeizige Ziele hat sich der 17-jährige Landshamer genügend gesetzt: „Ich möchte Erfahrungen sammeln, die dann auch wichtig sein werden für die Herren-Tour.“ Viele Turniere spielen, in den Ranglisten vorwärts kommen und – „verletzungsfrei bleiben“. Das ist wohl das wichtigste, denn Ende 2018 warf ihn eine Rückenverletzung aus der Bahn und hätte beinahe das Karriereende bedeutet. Diese Kapitel ist aber längst abgeschlossen und Max Rehberg bereit für neue Taten.

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