1. Startseite
  2. Sport
  3. Lokalsport
  4. Landkreis Ebersberg

Der coolste Asterix, den es gibt

Erstellt:

Von: Wolfgang Herfort

Kommentare

null
Elegante hat es ihm nicht leicht gemacht.Regina Burgmayr, Teamkollegin und Ingelsberger Trainerin, zur Leistung von Jannik Liersch bei der Junioren-Weltmeisterschaft und der ein paar Mal nervös agierenden Stute.Spektakulärer Abgang. Yannik Liersch vom VV Ingelsberg holte in den Niederlanden auf Elegante den Weltmeistertitel in der Juniorenwertung. Foto: Daniel kaiser

Für die deutschen Voltigierer war Ermelo mehr als eine Reise wert. Die Medaillenausbeute bei der Junioren-WM und der Senioren-EM, die dort ausgetragen wurden, war enorm.

VON WOLFGANG HERFORT

Vaterstetten – Die Tage im National Hippisch Centrum im niederländischen Ermelo werden die deutschen Voltigierer wohl nie vergessen. Die Junioren, die dort ihre Weltmeisterschaft austrugen, räumten alle vier Titel ab; das Team Ingelsberg, das bei der dort zeitgleich stattfindenden EM Silber gewann und das bei Bronze im Nationenpreis beteiligt war.

Einer, der den Erfolg noch nicht ganz realisiert hat, ist Jannik Liersch. „So langsam sickert es durch“, gestand der 17-Jährige gestern. Dabei lag das Ergebnis vor ihm auf dem Schreibtisch und es glänzt golden. Liersch hatte in den Niederlanden vier konstante Umläufe gezeigt und sich den Weltmeistertitel verdient. Dass er dabei vom Missgeschick seines Schweizer Konkurrenten Sven Ris profitierte, ließ er nicht unerwähnt: „Pferdesport ist unberechenbar.“ Der Eidgenosse, der vor dem letzten Umlauf auf Goldkurs zu liegen schien, hatte mit seinem Pferd Acardi Van de Kapel zu kämpfen. Zweimal stoppte der Schimmel unvermutet, Ris stürzte, kassierte hohe Abzüge. Am Ende lag Jannik Liersch vorne und konnte es zunächst nicht fassen.

Denn auch er hatte mit seiner Stute Elegante, die an der von Alexander Hartl geführte Longe galoppierte, ein paar bange Momente zu überstehen. „Elegante hat sich zunächst nicht wirklich wohl gefühlt“, analysiert Liersch, „sie war schwer zu voltigieren“. Der 18-jährige Vierbeiner war von der Kulisse der voll besetzten Halle sichtbar beeindruckt. Große Schnitzer unterliefen den beiden aber nicht. „Elegante hat es ihm nicht leicht gemacht“, sagte Teamkollegin und Trainerin Regina Burgmayr, die sich im Vorfeld sicher war, dass Liersch eine Medaille für Ingelsberg holen würde. „Allerdings hat es lange nach Silber ausgeschaut.“

Womit der Ingelsberger auch zufrieden gewesen wäre. Zumal niemand den Schweizer so stark erwartet hatte. „Das waren drei Top-Umläufe“, würdigte auch Liersch dessen Leistung. Während er selber mit sich nicht ganz zufrieden war. „Vor allen Dingen in der zweiten Pflicht waren ein paar Patzer drin“, gestand der Schüler. „auch wenn sie für die Zuschauer vielleicht nicht so genau zu sehen sind. Da fehlt es bei einem Übergang an Körperspannung, ein kleiner Wackler, kaum wahrnehmbar. Aber ich spüre es.“

Dennoch war sich Liersch früh sicher: „Es klappt mit einer Medaille. Dass es allerdings Gold wird, hätte ich nicht erwartet.“ Dabei hatte er sich intensiv vorbereitet, bis zu fünfmal die Woche trainiert, um die weitgehend selber zusammengestellte „Asterix“-Kür hinzubekommen. Auch die Feinabstimmung, die in der Vorwoche mit Bundestrainerin Ulla Ramge in Warendorf vorgenommen worden war, fiel vielversprechend aus.

Als sich im Wettkampf dann einstellte, was Liersch als „Tunnelblick“ bezeichnet, war ihm auch das Glück hold. „In der Halle herrschte eine Bombenstimmung“, erinnert sich der 17-Jährige an die entscheidenden Momente. „Ich war erleichtert, als ich merkte, dass das Pferd gut funktioniert“, schilderte er seine letzte Kür-Darbietung.

Mit Gold im Gepäck trat Jannik Liersch auch noch im Ingelsberger Team zur Europameisterschaft an. „Eine beachtliche Doppelbelastung bei 37 Grad“, lobte Burgmayr, die heilfroh war, den Youngster in der Mannschaft zu wissen. So war Liersch beteiligt, dass die erste Garnitur des VV Ingelsberg EM-Silber gewann und sich auf Lazio nur hauchdünn den Österreichern geschlagen geben musste.

Im erstmals bei einer EM ausgetragenen Nationenpreis waren die Ingelsberger Voltigierer ebenfalls medaillenreif. Hier holten sie Bronze für Deutschland.

Auch interessant

Kommentare