Fußball

„Verlust“ ist ein Gewinn

  • Wolfgang Herfort
    vonWolfgang Herfort
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Ungläubiges Staunen ist garantiert bei den Fußballern der BSG Markt Schwaben, wenn sie heute zum Trainingsstart zusammen kommen.

Markt Schwaben –  Nicht dass an der Finsinger Straße plötzlich ein Stadion oder ein neues Vereinsheim entstanden wäre. Es ist vielmehr Trainer Florian Harreiner, der bei seinen Schützlingen, die ihn länger nicht gesehen haben, fragende Verwunderung auslösen dürfte: „Ist er das wirklich?“

Der BSG-Coach ist kaum wiederzuerkennen. Beim letzten Punktspiel im November vergangenen Jahres, das die BSG in Oberpframmern mit 3:7 verlor, kickte Harreiner noch eine Viertelstunde mit – trotz stolzer Körperfülle von 115 Kilogramm (bei einer Größe von 165 Zentimeter). Heute Abend wird der Trainer seinen Spielern mit nur noch 78 Kilogramm gegenüber treten. Minus 37 Kilogramm in gut vier Monaten.

Wie das möglich war? „Ganz einfach“, sagt Harreiner. „Man muss nur den inneren Schweinhund überwinden.“ Eingeleitet wurde die enorme Gewichtsreduktion aber durch eine Erkrankung. „Mit ging’s drei Wochen saudreckig“, so Harreiner. Das fing Ende Dezember an, kein Hunger, kein Appetit, kein Geschmack. Nach dem Gesundheitscheck hob der Arzt mahnend den Finger, verordnete Antibiotikum. Er bescheinigte dem 33-Jährigen zudem Werte eines gut 40-Jährigen, dazu erhöhten Blutzucker. „Nicht dramatisch“, aber Diabetes drohe.

„Dass ich zu viel auf den Rippen hatte, wusste ich ja. Aber auf Diabetes hatte ich dann doch keine Lust.“ Harreiner beschloss abzunehmen. Die ersten fünf Kilo waren noch in der Krankheitsphase weg. „Ziel war es, im Sommer die 100er-Grenze zu knacken. Dass es so schnell ging, ich nie und nimmer gedacht.“

Schon vor der Krankheit hatte der BSG-Coach mit Kollegen geplant, „etwas zu machen“. Auch weil sein Vater immer öfter „genervt hat abzunehmen“. Der Triathlon in Erding wurde ins Auge gefasst. „Jeder sollte eine Disziplin übernehmen“. Harreiner war fürs Schwimmen zuständig. Die Anmeldung wurde umgesetzt und brachte ihm Kommentare wie „mei das schaffst du eh nicht“ein.

„Die erste Zeit war es ein ständiger Überwindungskampf.“ Wobei die größte Herausforderung die Größe der Portionen war. Harreiner stellte die Ernährung zudem konsequent um. „Zur Brotzeit gibt’s jetzt keine zwei Leberkässemmeln mehr. Stattdessen eine mit Honig, mittags einen Joghurt und zwischendurch einen Apfel.“ Harreiner versichert: „Ich muss auf nichts verzichten, es passt wunderbar.“ Allerdings bleibt immer der Blick auf die Kalorien.

Die Kilos purzelten. Bekannte, die sein Vorhaben vor einem halben Jahr noch belächelt hatten, standen ihm nun staunend gegenüber. Das reduzierte Gewicht wirkte sich positiv aus. Harreiner, der als Jugendlicher neben Fußball auch noch regelmäßig Tennis gespielt hatte, wurde agiler, körperlich leistungsfähiger. „Nach 60 Kilometer Radlfahren noch den Berg hoch und das im Sitzen, das macht einfach Spaß.“

Der gelernte Gärtner weiß bei aller Freude über das Erreichte, wie schnell gerade für ihn als Genussmensch das Pendel ins Gegenteil ausschlagen kann. „Vor acht Jahren habe ich schon einmal abgenommen, acht Kilo. Und dann wieder 25 draufgepackt.“ Dem Jo-Jo-Effekt will er diesmal entgehen. „Die größte Herausforderung ist rauszubekommen, was ich essen kann. Und trinken.“ Alkohol ist tabu. „Macht nichts. Letztes Jahr habe ich mit meinem Vater am Vatertag eine, na ja, sagen wir einmal Sauftour gemacht. Diesmal wird’s eine Radltour.“

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