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Goldjunge: Emil-Manuel Buccioni hat in seiner jungen Karriere schon zahlreiche Pokale gewonnen.

Motocross-Talent aus Pliening hat ehrgeizige Ziele

Vom Kinder-Model zum Rennsport-Crack

Motocross-Talent Emil-Manuel Buccioni (17) aus Pliening weiß genau, wo die Reise hingehen soll. Er hat Ziele.  Sein nächstes   ist die Qualifikation zum ADAC MX Masters – eine Serie, die für die Förderung des nationalen Motocross-Nachwuchses steht.

VON ALEXANDER FISCHER

Freising/Pliening – Einmal Zuschauen, das hat dem damals fünfjährigen Buben schon gereicht. Das war bei der ADAC-Südbayern-Serie, einem Motocross-Event, und da stand für Emil-Manuel Buccioni schnell fest: „Das will ich machen, das will ich auch mal können.“ Gesagt, getan. Gleich danach hat er sein Sparbuch geplündert und sich sein erstes Motorrad gekauft. Von seinem eigenen Geld. Der Steppke war nämlich Kinder-Model für so namhafte Zeitschriften wie „Eltern“ oder „Leben & Erziehen“. Auch die Erfolge im Motocross ließen nicht lange auf sich warten.

Heute ist Emil-Manuel Buccioni (17) vom MSC Freisinger Bär längst in der Elite der deutschen Motocross-Talente angekommen. Selbst ein böser Rennunfall 2017, bei dem er sich sage und schreibe acht Wirbel gebrochen hat, konnte ihn nicht davon abhalten, in seiner Klasse bald wieder ganz vorne mitzumischen. Er lag zwölf Wochen im Korsett, kämpfte sich danach mit eisernem Willen zurück. Wenngleich seine Eltern Helga Jensen-Buccioni (50) und Andreas Buccioni (52) am liebsten ihrem ersten Impuls gefolgt wären, der da lautete: „Alles verkaufen und aufhören damit.“ Aber der Junior wollte unbedingt wieder auf die Piste. Und er kam besser denn je zurück.

Zu seinen größten Renn-Erfolgen zählen der Vizemeistertitel beim ADAC-Bundesendlauf 2018 sowie der Titel des Südbayerischen Meisters in der 85-Kubikzentimeter-Klasse. Daneben schlagen noch ein siebter Rang im Folgejahr beim ADAC-Bundesendlauf sowie die Südbayerische Meisterschaft bei der MX2-Jugend 2019 in der Klasse bis 125 Kubikzentimeter zu Buche.

Inzwischen ist der Plieninger, der von klein auf Mitglied beim MSC Freisinger Bär ist und seit vier Jahren auch für den Motorsportclub fährt, von der 125er auf eine 250er Viertakt-Maschine umgestiegen. Ein Bike der Marke Husqvarna versteht sich, da führt für Emil, wie ihn seine Familie und Freunde nennen, kein Weg vorbei.

Mit 600 Euro wie für sein erstes Motorrad, eine PW50 von Yamaha, ist es da natürlich nicht mehr getan. Um die nächsten Schritte tun zu können oder gar den Sprung ins Profi-Lager zu schaffen, dazu fehlen Buccioni noch die Mittel. Sponsoren, die den Motocross-Crack unterstützen, wie Liqui Moly oder die Offroadzentrale, reichen nicht aus. Dennoch will der 17-Jährige stetig vorwärtskommen und im neuen Jahr, nach der Corona-Pause, noch einmal richtig angreifen. Dass er es drauf hat, steht außer Frage. Das hat er nach seiner schweren Verletzung bewiesen, als er gleich im ersten Rennen allen auf und davon fuhr.

Sein Faible für den Motocross-Sport beschreibt Buccioni so: „Es ist irgendwie alles ziemlich cool, man lernt viele Leute kennen. Der Benzingeruch, das ganze Renn-Feeling, das ist eine geile Atmosphäre. Und man hat das Gefühl, Teil eines großen Freundeskreises zu sein. Auch wenn auf der Rennstrecke natürlich Konkurrenz herrscht.“ Freundschaft geschlossen hat er auch mit Motocross-Größen wie Alexander Heu, Stefan Ludwig oder Collin Dugmore. Von ihnen hat er viel gelernt. „Wie man sich hinsetzt, auf dem Bike positioniert, wann man länger auf dem Gas bleibt, wie man von weiter außen fährt – die Feinheiten eben“, schwärmt Buccioni. Die eigene Linie zu fahren, eine andere Spur zu finden, das war schon immer sein Ding. Allein schon deshalb, weil er nicht unbedingt die Athletik mitbringt, über die andere im Motocross-Zirkus verfügen.

Wo die Reise hingehen soll, das weiß der Draufgänger, den besagter Unfall nachdenklicher, jedoch „auch härter im Kopf“ gemacht habe, genau: „Mein Ziel ist, mich für das MX Masters zu qualifizieren und regelmäßig in die Punkte zu fahren“, macht er sich Mut. Was eine Profi-Karriere anbelangt, zeigt sich der Crossfahrer realistisch. „Wollen würde ich schon gerne, aber es fehlen die Mittel und leider auch die Sponsoren.“ Aktuell sieht sich der 17-Jährige als „Einzelkämpfer“, der den Sprung in den großen Rennzirkus auf europäischer Ebene zwar in sportlicher Hinsicht, aber finanziell wohl alleine nicht schaffen kann.

„Geplant ist das Masters – wenn sie uns nehmen“, sagt Vater und Förderer Andreas Buccioni. Er hofft dabei auch auf „Vitamin B“, darauf, dass sich vielleicht doch ein Team findet, das seinen Sohn und Schützling unter die Fittiche nimmt. Denn – und davon ist der Papa überzeugt: „Es gehört auch Glück dazu, nicht nur Können!“ Das Glück war Emil-Manuel schon öfter hold.

Sollten sportlich alle Stricke reißen und sich der große Traum von einer Motocross-Karriere nicht erfüllen, dann wäre das aber auch nicht weiter schlimm. Denn für Emil-Manuel Buccioni, der gerade die Realschule Poing besucht, käme auch ein Handwerksberuf in Frage. Eigentlich will er nämlich Heizungsbauer werden, wie er verrät. „Und später vielleicht einmal zur Polizei“, fügt er noch an. Eine Model-Karriere scheint ebenfalls nicht ausgeschlossen. Fotogen genug scheint der junge Mann mit dem gewinnenden Lächeln allemal zu sein.

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