„Den Sommer mal hier zu verbringen ist auch gut, es gibt Schlimmeres.Bob Wren, kanadischer Eishockeyspieler des EHC Klostersee, der in diesem Jahr nicht nach Hause fliegen wird.Sommertraining in der Scheune statt Baden im sonnigen Florida: Eishockey-Routinier Bob Wren muss die neue Saison ausnahmsweise in Grafing erwarten. Foto: ele

Eishockey

Weg nach Hauseist versperrt

Bob Wren ist in Grafing gestrandet. Der Eishockeyspieler des EHC Klostersee mit kanadischen Wurzeln kann nicht gewohnt die Zeit bis zum Beginn der nächsten Saison in den Staaten verbringen.

Grafing – Die Betonpiste im Grafinger Eisstadion wird von den Puckjägern des EHC Klostersee zwischen zwei Spielzeiten normalerweise gerne für unterschiedliche Übungseinheiten des Sommertrainings genutzt. In diesem Jahr ist wie in fast allen Dingen und Situationen alles anders. Aufgrund der Corona-Pandemie ist die abgetaute Spielfläche innerhalb der Bande für jegliche sportliche Betätigung weil hallenähnlich noch gesperrt. Geschwitzt wird bei den Rot-Weißen daher unter anderem im Freien rund um das vereinseigene Eisstadion in Kleingruppen mit gebotenem Abstand oder auch einzeln.

Einzelsettings erfordern viel Selbstdisziplin und sind Gewöhnungssache. Bestens vertraut damit ist EHC-Oldie Bobby Wren. Für den inzwischen 45-jährigen Stürmer ist dies eigentlich fester Bestandteil seiner Sommervorbereitung. Normalerweise, denn nach einer Saison und seinem fast schon traditionellen Einladungsturnier „Hockey Classic“ mit immer vielen aktuellen und ehemaligen Weggefährten zum Abschluss verabschiedet er sich für gewöhnlich etwa vier Monate in seine Sommerresidenz im sonnigen Florida. Dort hält er sich dann fast täglich im hauseigenen Fitnessraum in Form, bevor immer ein paar Bahnen im der Terrasse vorgelagerten Swimmingpool folgen.

So war das seit 2003 jedes Jahr, eben seit der mit weit mehr als tausend Pflichtspielen im höher- und höchstklassigen Eishockey erfahrene Offensivspieler erstmals nach Europa gewechselt war und sich damals zunächst den Augsburger Panther in der DEL angeschlossen hatte. Covid-19 und insbesondere die Auswirkungen auf den Flugverkehr mit den Einreisestopps ist verantwortlich, dass Wren nun erstmals seit fast zwei Jahrzehnten diesen jährlichen Rhythmus ändern musste. Mit in diesem Zeitraum sportlichen Highlights wie dem Meistertitel in Österreich mit den Vienna Capitals und in Großbritannien mit den Nottingham Panthers, nach der Teilnahme am DEL-Allstar-Game oder nun eben schon drei Jahren bei den Grafingern.

Die aktuelle Situation nimmt er mit fast stoischer Ruhe hin. „Den Sommer mal hier zu verbringen ist auch gut, es gibt Schlimmeres“, sagte Wren vor einigen Tagen nach einem Individualtraining mit dem Schläger in der Hand und vorschriftsmäßig mit Mund-Nasen-Schutz (im EHC-Design). Dass es weitaus schwierigere Situationen und Einschnitte gibt, hat er selbst erlebt, als er vor einigen Jahren quasi über Nacht mit der Diagnose Krebs konfrontiert wurde, seine Eishockey-Karriere unterbrach und diese tödliche Krankheit besiegte.

Ein wenig fehle ihm die „Luftveränderung“ schon, führte Wren weiter aus. Neben der entspannten Zweisamkeit im „Sunshine-State“ mit seiner Frau Julia im Eigenheim am meisten wegen der „Eiszeiten mit den boys“. Auf die regelmäßigen Spielchen mit Freunden und Ex-Kollegen auf einer angemieteten Eisfläche „um die Ausrüstung und Schlittschuhe etwas zu bewegen“ muss Wren in diesem Jahr verzichten. Ob der Angreifer die 100er-Marke im rot-weißen Trikot nach bislang 97 Pflichtspielen mit 159 Scorerpunkten (64 Tore und 95 Assists) noch knackt, wird sich in den nächsten Wochen entscheiden. „Es liegt ausschließlich an ihm. Wenn Bobby noch eine Saison dranhängen will, ist er gesetzt“, betont Trainer Dominik Quinlan. Man sei happy, ein solch sportliches Vorbild und auch ansonsten tolle Persönlichkeit im Verein zu haben. „Wenn er nicht mehr spielt, wird er eben eine andere Funktion beim EHC übernehmen.“ Als Nachwuchstrainer zusammen mit Jimmy Quinlan hat Bob Wren in der letzten Saison schon mal ein zweites Klosterseer Standbein gesetzt.  ele

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