Schnee, Kälte, Stacheldraht-Hindernis. S ven Lagreze nimmt die Herausforderung mit einem Lächeln an. (Foto: Sportograf)

Extrem-Hindernislauf

WM-Quali ist geschafft

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Der Ebersberger Sven Lagreze hat sich für die OCR-Weltmeisterschaft, die WM der Extrem-Hindeisläufer, in Amerika qualifiziert. 

Ob bei der Freiwilligen Feuerwehr Ebersberg oder bei den Extrem-Hindernisrennen (OCR), Sven Lagreze geht gerne an die Leistungsgrenze. Wie zuletzt beim spektakulären Wohnhausbrand in der Kreisstadt oder beim sportlichen OCR-Wettkampf in Kaprun. Der Lohn in Österreich: Platz zwei in der Altersklasse 40 - 45 und die Qualifikation für die Weltmeisterschaft. Die Ebersberger Zeitung unterhielt sich mit dem 39-Jährigen.

Wie haben Sie den Spartan Race in Kaprun erlebt?

Es war recht kalt, ca. minus 10 Grad. Was für eisige Finger sorgte und das Hangelgerüst aus Stangen und Ringen schwieriger als erwartet machte. Ansonsten waren es die gewohnten Hindernisse wie Seilklettern, Tragen schwerer Betonkugeln, Sandsacktragen, Krabbeln unter Stacheldraht usw. Die Strecke war ziemlich vereist. Ich konnte mich aber an eine der ersten Positionen meiner Startwelle kämpfen und sogar einige Läufer, die vor mir gestartet waren, überholen. Im Zielgelände warteten noch weitere Hindernisse. Aber kein Problem. Das Rennen lief für mich sehr gut, da ich alle Aufgaben ohne Fehler bewältigt habe.

Schlamm oder Schnee, was liegt Ihnen mehr?

Der Schlammanteil bei Wettbewerben hält sich in Grenzen. Wettkämpfe im Winter oder bei kühleren Temperaturen finde ich persönlich angenehmer, da der Körper nicht so schnell überhitzt. Schnee ohne Eis macht bei Downhillstrecken mehr Spaß durch den griffigen Untergrund.

Je ans Aufgeben gedacht?

Niemals, solange man sich nicht gröber verletzt.

In Kaprun sollen Sanitäter und Rettungsteams gut beschäftigt gewesen sein?

Das Risiko ist bei diesen Läufen sehr moderat, wenn man konzentriert und nicht total unsportlich ist. Die Hindernisse sind meist ungefährlich und mit der richtigen Technik sicher zu bewältigen. Von den Sanitätern habe ich erfahren, dass keinerlei größere Verletzungen vorkamen.

Mit ihrem zweiten Platz haben Sie die WM-Qualifikation geschafft. Treten Sie in Amerika an?

Ja, ich habe mich für die Altersklassenwertung bei den OCR World Championships in Stratton Mountain (Vermont) im Oktober qualifiziert. Trotz der hohen Kosten für Reise und Startgebühren habe ich mich bereits angemeldet und werde antreten, um mich mit den weltweit besten Läufern zu messen.

Wieviel Zeit und Geld investieren Sie in ihren Sport?

Der Sport kostet viel Zeit, da ich für den OCR-Munich zusätzlich die Hindernisse für das Trainingsgelände in Heimstetten baue. Dort trainiere ich auch meist zweimal wöchentlich. Dazu kommen Laufeinheiten im Bereich um Ebersberg. Finanziell ist der Sport durch die Reisen und Startgebühren recht kostenintensiv, wenn man viele Rennen besucht und die Startgebühren jeweils zwischen 60 und 170 Euro betragen. Daher suche ich schon länger nach Firmen oder Personen, die gern den Sport und mich unterstützen.

Lässt sich das alles mit Familie, Beruf und Ehrenamt verbinden?

Es wird nicht langweilig. Der Sport stellt für mich einen idealen Ausgleich zur Arbeit dar und ist für das Engagement bei der Feuerwehr ein ideales Fitnessprogramm. Ohne viel Absprache und Verständnis in der Familie wäre das alles kaum unter einen Hut zu bringen, wobei mein achtjähriger Sohn inzwischen auch Interesse zeigt und selbst schon einige kleinere Kinderwettkämpfe international bestritten hat.

Wie erklären Sie Neugierigen Ihren Sport und warum Sie Sich über extreme Hindernisse quälen?

Als Qual würde ich das nicht bezeichnen. Eher als geschicktes und bestmögliches Bewegen und Passieren jeglicher Hindernisse, die teils natürlich, teils künstlich erstellt wurden. Der Sport ist sehr naturnah. Jeder kann entscheiden, ob er ihn mit Wettkampfeifer oder im Team mit gegenseitigem Helfen betreiben möchte. Es gibt Athleten jedes Alters und körperlicher Fitness. Ambitionierte steigern einfach das Tempo und dürfen sich im Einzelwettkampf dann nicht mehr bei Hindernissen helfen.

Was ist das für ein Gefühl, den inneren Schweinehund überwunden und die Ziellinie erreicht zu haben?

Es ist ein sehr schönes Gefühl, alle Hindernisse überwunden und einen schönen Tag in der Natur verbracht zu haben.

Ihre absolute Grenzerfahrung war…?

Das meiste Kribbeln im Bauch hatte ich bei einer steilen Wasserrutsche aus 15 bis 20 Metern Höhe mit anschließender meterweiter Flugphase in ein Wasserbecken.

Gibt es einen Wettkampf, den Sie unbedingt absolvieren möchten?

Ja, den Ultra Viking mit über 60 Kilometer Distanz.

Kennt ein OCR-Athlet überhaupt Grenzen?

(lacht) Die Grenzen macht man sich selber im Kopf. Es ist fast alles möglich, wenn man besonnen und ruhig an die Hindernisse herangeht.

Wie gefährlich sind die Wettbewerbe und wie vorbereitet sollte man dafür sein?

Gefährlich wird es nur bei Unachtsamkeit auf unebenem Gelände. Bei Wettbewerben stehen an Schlüsselstellen immer Helfer zur Verfügung, die sofort Rettungskräfte, die verteilt sind, alarmieren können. Bei Wasserhindernissen stehen immer Rettungsschwimmer/Taucher parat, sollte eine Person ein gesundheitliches Problem bekommen. Je nach Wetter gibt es bei diesem Sport mehr oder weniger geeignete Kleidung, die natürlich auch von den persönlichen Vorlieben mit abhängt. Die Vorbereitung sollte im Minimum so sein, dass man ohne Probleme die geforderten Distanzen laufen kann.

Wie viele Rennen bestreiten Sie im Jahr?

In den vergangenen Jahren waren es jeweils ca. 25 Rennen.

Wie und wann kamen Sie zum OCR?

Ein damaliger Freund lud mich 2015 zum Spartan Race in München ein und wir bestritten diesen Lauf ohne Wettkampf-Charakter.

Was treibt Sie an?

Spaß am Sport mit vielen Gleichgesinnten und eine nicht ganz selbstverständliche Fitness in meinem Alter

Ihr bevorzugte Disziplin? Einzel oder Team?

Unterschiedlich. Meist laufe ich die Wettkämpfe einzeln, um mir das Tempo einteilen zu können. Ich mache aber auch einige Läufe rein zum Spaß im kleinen Team.

Wie wichtig ist eine Mannschaft oder Betreuung im Rennen?

Der Zusammenhalt der Athleten ist enorm. Es herrscht eine riesige Fairness gegenüber anderen Kontrahenten. Eine Betreuung während der Läufe kann von Vorteil sein, wenn man Gels als Nahrung benötigt und selber nicht genug Platz hierfür hat. Eine funktionierende Mannschaft kann teils zwingend sein, da es Hindernisse gibt, die nur mit bis zu fünf Personen gleichzeitig bezwungen werden können. Hier helfen dann auch Sportler verschiedener Teams zusammen.

An einem Hindernis geht es einfach nicht weiter. Wie motivieren Sie sich?

Dann wird es wieder und wieder probiert, solange genügend Kraft vorhanden ist. Wenn es andere schaffen, kann man es meist selber auch schaffen. Die Motivation ist, möglichst fehlerfrei das Ziel zu erreichen.

Was ist härter? Brandbekämpfung oder ein OCR-Wettkampf?

Das kann man so nicht sagen, da beide Tätigkeiten eine gewisse Grundfitness voraussetzen und in verschiedener Weise psychisch anspruchsvoll sein können.

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