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Jeder Meter zählt: Egal, ob auf Langlaufskiern, Schlittschuhen oder Rodel, beim Joggen, Walken oder Radfahren, aufm Hometrainer oder Laufband: Jeder aktiv zurückgelegte Kilometer wird vom Sportler selbst in einer App eingetragen. 35 Dorfener Familien beteiligen sich inzwischen.

Fitness

12 399 Kilometer radeln, rodeln, rennen

Dorfener Leichtathleten starten Lockdown-Challenge mit Ziel Tokio

VON BEATE SPINDLER

Dorfen – Was tun, wenn wegen der Corona-Pandemie das Vereinstraining ausfällt? Wie den Nachwuchs bei der Stange halten? Gesine Hintz und Angela Kurz, Leichtathletik- Trainerinnen vom TSV Dorfen, riefen alle Kinder und Jugendlichen dazu auf, mit ihnen gemeinsam nach Olympia zu laufen.

Bereits am 6. Januar startete die Aktion, die auf Anhieb so viele sportbegeisterte Mitstreiter fand, dass schon bald eine Planänderung auf der virtuellen Laufroute nötig war. „Nach gerade mal fünf Tagen hatten wir die 1000-Kilometer-Marke geknackt“, sagt Angela Kurz. Weil das eigentliche Ziel, das griechische Olympia, insgesamt „nur“ 2076 Kilometer von der Schulsportanlage Dorfen entfernt lag und der gemeinsamen Aktion ein zu rasches Ende drohte, beschlossen die Initiatorinnen kurzerhand: Lasst uns nach Tokio laufen! Dorthin, wo im Sommer die Olympischen Spiele stattfinden sollen.

Google Maps berechnet für die 12 399 Kilometer lange Strecke von Dorfen nach Tokio 2406 Stunden, wenn man sie zu Fuß zurücklegt. Umgerechnet sind das: 100 Tage und sechs Stunden – vorausgesetzt, man würde ohne Pause unterwegs sein.

Fast ein Drittel des Weges haben die Dorfener Leichtathleten bereits geschafft. „Im Moment sind wir in Tscheliabinsk, dem Tor zu Sibirien. Startpunkt war der Sportplatz an der Grundschule Dorfen Nord. Von dort aus sind wir nach Tschechien, Polen und Belarus gelaufen und durchqueren jetzt Russland“, berichtet Kurz, die als virtuelle Reiseleiterin die Teilnehmer der Aktion genauso zu begeistern weiß wie als Trainerin die Sportler auf dem Platz.

Doch anders als beim Wettkampf steht bei der Lockdown-Challenge der Leichtathleten nicht die Leistung im Mittelpunkt, sondern ganz allein der Spaß an der Bewegung. „Es geht uns darum, dass die Kinder regelmäßig rausgehen, dass sie sich an der frischen Luft auspowern. Dadurch, dass auch die Eltern und Geschwister unserer Leichtathletik-Kinder Kilometer sammeln dürfen, holen wir noch mehr Leute von der Couch runter“, sagt Gesine Hintz. Inzwischen beteiligen sich 35 Familien und Einzelathleten an der Aktion „Wir laufen nach Tokio“.

Eine von ihnen ist Sara Heilmeier, die in Nicht-Corona-Zeiten zwei- bis dreimal pro Woche mit der Wettkampf-Gruppe trainiert. „Der Lauf ist ein riesiger Ansporn für mich. So viel Sport würde ich sonst nicht machen“, sagt die Zehnjährige. „Die meisten Kilometer mache ich auf dem Hometrainer meiner Oma, beim Spazierengehen mit Mama oder mit meiner Freundin Lilly im Schnee.“

Egal, ob auf Langlaufskiern, Schlittschuhen oder Rodel, beim Joggen, Walken oder Radfahren, auf dem Hometrainer oder Laufband: Jeder aktiv zurückgelegte Kilometer zählt und wird vom Sportler selbst in einer App eingetragen. Während die einen jetzt häufiger zu Fuß zum Einkaufen aufbrechen oder sich bei der Wanderung durch den Wald für den längeren Weg entscheiden, wollen andere nur Kilometer melden, bei denen sie richtig ins Schwitzen gekommen sind.

So wie Hedi Waitl. Die Viertklässlerin hat sich bereits im Herbst, als kein Vereinstraining mehr stattfinden durfte, immer wieder am After-Work-Training ihres Papas beteiligt. Seit sie aber weiß, dass der Weg nach Tokio führt, versucht sie mehr denn je zu laufen. „Die Aktion motiviert mich schon zusätzlich. Wenn ich die zwei Kilometer zur Sportanlage jogge, dann drehe ich jetzt oft noch ein oder zwei Extrarunden auf der Bahn, bevor ich wieder heimlaufe“, erzählt sie. Auf vielfältige Weise läppern sich so die Kilometer zusammen.

„Durchschnittlich schaffen wir pro Woche 1200 bis 1300 Kilometer, wobei am Wochenende immer die meisten Kilometer gesammelt werden“, berichtet Angela Kurz. Wenn die Teilnehmer weiterhin in dem Tempo unterwegs sind, könnten sie am 10. März in Tokio ankommen. Dann hätten die Dorfener Athleten ihr Ziel im fernen Japan in nur 63 Tagen beziehungsweise 1512 Stunden erreicht. Oder anders ausgedrückt: Pro Tag hätten sie im Schnitt knapp 197 Kilometer zurückgelegt und wären mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 8 km/h unterwegs gewesen. „Die Aktion zeigt uns, dass selbst in Zeiten, in denen wir nicht gemeinsam mit unserem Leichtathletik-Nachwuchs sporteln dürfen, ein Gefühl von Gemeinschaft möglich ist. Und das fühlt sich toll an“, freut sich Gesine Hintz.

Momentan sind sie in Sibirien

Hometrainer oder Schlittschuhe

Geschätzte Ankunft am 10. März

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