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80 Jahre und kein bisschen tischtennismüde

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Von: Markus Schwarzkugler

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Den Ball immer im Blick hat Georg Attenberger. Seit über 50 Jahren spielt er für Rot-Weiß Klettham. © Hartmann

Georg Attenberger hat schon Tischtennis gespielt, als man noch in Militärbaracken oder Wirtssälen aufschlagen musste. Vor kurzem ist der Altenerdinger 80 Jahre alt geworden. Ans Aufhören denkt der Mann von RW Klettham noch lange nicht.

Klettham – „Ruf den Schorsch an, der hat schon Zeit“: Diesen Satz hört man öfter, wenn die Tischtennis-Spieler von Rot-Weiß Klettham in Personalnot stecken. Für seinen Herzenssport nimmt sich Georg Attenberger nämlich immer Zeit. Früher hat er dafür sogar Urlaube verschoben. Ohne Tischtennis geht es für ihn einfach nicht. Das Bemerkenswerte: Der Mann ist kürzlich 80 Jahre alt geworden. Und: Er ist dementsprechend Rentner. Die haben, sagt man doch eigentlich gerne, keine Zeit. „Das mag schon stimmen“, sagt der Altenerdinger schmunzelnd. Wenn es ums Tischtennis geht, stimmt das für ihn aber sicher nicht.

„Da ist er konsequent. Tischtennis ist einfach sein Leben“, sagt seine Frau Marcella (79). Dienstag und Freitag Training, dazu der Liga-Spieltag mit der fünften RW-Mannschaft. Und wenn in der Zweiten, Dritten oder Vierten ein Akteur ausfällt, dann steht Attenberger auch da noch an der Platte.

Der Mann lässt die Bälle unermüdlich fliegen. Und das seit mittlerweile über einem halben Jahrhundert. Attenberger erinnert sich noch genau ans Jahr 1964, als er erstmals mit Tischtennis in Berührung kam. Damals arbeitete der Ur-Altenerdinger bei einem Tankanlagenbauer in München. Dort überprüfte und reparierte er Geräte.

Vorsicht vor dem Kanonenofen

In der Mittagspause wurde die Tischtennis-Platte aufgestellt – und los ging’s. „Das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich mich in Erding nach einem Verein umgehört habe.“ Attenberger wurde in Klettham fündig und ist seither ein stolzer Rot-Weißer.

Viel hat sich in all den Jahren verändert. Der 80-Jährige muss lachen, wenn er an die Anfangszeit zurückdenkt. „Früher hat’s noch keine Turnhallen gegeben, sondern nur den Wirtssaal. Der in Haag in Oberbayern hatte aber keine Fensterscheiben. Da hat’s gezogen“, erzählt Attenberger schmunzelnd. Wind und Tischtennis verträgt sich bekanntlich nicht so gut.

Genauso wenig wie Tischtennis und beengte Platzverhältnisse. „Wir haben oft in Militärbaracken gespielt. Die waren zwar lang, hinten und vorne standen Tische. Aber in der Mitte gab es einen Kanonenofen. Dadurch hatte man wenig Platz. Und du hast aufpassen müssen: Die Rohre waren rotglühend. Wenn da ein Ball hinkam, dann war der kaputt.“ Sich selbst hat er zum Glück nicht verbrannt, kann Attenberger beruhigen.

Aber ein kaputtes Spielgerät war schon schlimm genug. Denn: „Früher war der Ball noch ein Heiligtum. Im Wirtssaal hat man Tische und Stühle zusammengestellt, um Platz zu haben. Wenn dann ein Ball weggeflogen ist, bist du dem auf allen Vieren unter den Tischen hinterhergekrabbelt“, erzählt Attenberger. Damals war eben alles noch mehr wert. Anfangs, sagt er, hätten die Rot-Weißen auch gerade mal zwei, drei Tischtennisplatten gehabt. Mittlerweile seien es an die 30.

Viel hat sich verändert, auch die Spielweise – was ein Vorteil für die ältere Generation sein kann: „Früher war man hauptsächlich auf Abwehr bedacht. Jetzt wird auf Angriff gespielt – Hopp oder Top. Wir vom alten Schlag spielen noch defensiv, darum haben wir eine Chance.“

Rot-Weißes Oldie-Trio

Den jungen Kontrahenten so lange angreifen lassen, bis er einen Fehler macht. Das geht immer mal wieder auf. „Er gewinnt noch ganz viel. Da sind die jungen Spieler oft schon narrisch geworden“, sagt Marcella Attenberger.

Ums Siegen und Verlieren geht es ihrem Gatten aber weniger, auch wenn sie sagt, dass sie an seinen Gesichtszügen beim Heimkommen nach dem Spiel genau sieht, wie es ausgegangen ist. Viel wichtiger ist für Georg Attenberger: „Spielen, solange es Spaß macht und solange es geht.“

Und der Spaß kommt ihm so schnell nicht abhanden. Auch, weil er mit Uli Krüger und Max Wissinger zwei Haudegen in der fünften Mannschaft an seiner Seite hat, die ebenfalls schon jenseits der 70 sind. „Wir sind ein zusammengewachsener Haufen“, sagt Attenberger, der nach den Spielen mit Kameraden und Gegnern gerne zum Wirt geht.

Und mit der Frau? Mit der geht’s zum Wandern oder Radeln. „Wir sind viel im Landkreis und Richtung Ebersberg unterwegs. Bis vor ein paar Jahren haben wir achttägige Bergtouren gemacht“, erzählt Marcella Attenberger. Kein Wunder, dass das Ehepaar, das seit 1962 verheiratet ist und keine Kinder hat, noch so fit ist. „Neulich war ich mal zwei Wochen krank. Rumsitzen, das kann ich gar nicht“, sagt Georg Attenberger fast schon mit finsterer Miene.

Er und seine Frau interessieren sich für viele Sportarten. Im Fernsehen läuft zum Beispiel Biathlon oder Skispringen. Im Schüleralter hat sich Georg Attenberger bei der SpVgg Altenerding sogar mal als Boxer probiert – „aber nur kurz, bis ich eine auf die Nase gekriegt habe“. Da war der Vorstandsposten als Zeugwart der Kletthamer Tischtennisler, den er über zehn Jahre lang in den 90er und 2000er Jahren innehatte, schon sicherer.

Zum Tischtennis-Spielen hat Attenberger seine Gattin übrigens nie gebracht. „Zum Zuschauen schon, aber nicht zum selber spielen“, sagt sie bestimmt. „Davon habe ich sie bis heute nicht überzeugen können“, gesteht Georg Attenberger schmunzelnd.

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