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Alpenverein will an Boulder-Anlage festhalten

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Von: Birgit Lang

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DAV Taufkirchen: Bau soll trotz deutlicher Kostensteigerung durchgezogen werden
Schwache Kulisse: Von den knapp 1400 Mitgliedern waren nur rund 30 erschienen – darunter keiner der Kletterer, worüber sich viele sehr ärgerten. © Birgit Lang

Es steht in den Sternen, ob der Alpenverein Taufkirchen seine Boulder-Anlage noch bekommt

Taufkirchen – . In der Jahreshauptversammlung wurde bis kurz vor 23 Uhr diskutiert, ob die Investition bei den aktuellen Preissteigerungen noch stemmbar ist. Nur rund 30 von 1370 Mitgliedern waren im Bürgersaal anwesend, darunter keiner der Kletterer, was einige der Anwesenden sehr ärgerte. Eigentlich wollte die Sektion im vergangenen Herbst mit dem Bau beginnen (wir berichteten). Der Plan wurde im Landratsamt eingereicht, doch es gab Einwände vom Forstamt, die es erst nachzubessern galt. „Dann ist ewig lang nichts mehr gegangen, und erst im April 2022 wurde die Baugenehmigung erteilt“, berichtete Vorsitzender Schorsch Bauer.

Der Entwurf sieht eine 15 mal 12 Meter große, etwa vier Meter hohe, in Holzständerbauweise geplante Halle mit Sanitärräumen vor. Die Boulderhalle – unter Bouldern versteht man Klettern ohne Kletterseil – sollte am Waldbadgelände errichtet werden, damit auch bei schlechtem Wetter geklettert werden kann. Die Kosten wurden im Mai 2021 auf 300 000 Euro geschätzt.

Jetzt hat sich die Lage komplett geändert. Zwar liegt die Genehmigung des Bauplans jetzt vor, aber die Kosten sind nicht mehr kalkulierbar. „Wie kann’s weitergehen?“, fragte Bauer. Die Vereinsfinanzen schauen gut aus. Das hatte er in Vertretung von Schatzmeisterin Nina Eisgruber vorab dargestellt.

Im Vorjahr konnte trotz Corona ein Überschuss von über 12 000 Euro erwirtschaftet und über die Jahre ein solides Vermögen aufgebaut werden. Zugesagt seien an Förderungen 45 000 Euro von der Gemeinde, 15 000 Euro vom Landkreis und jeweils 50 000 Euro vom DAV und BLSV. Das wären dann insgesamt 160 000 Euro Zuschuss.

Wegen der steigenden Baupreise und Zinsbelastung stellte der Vorstand einen neuen Finanzierungsplan vor für 10 beziehungsweise 20 Prozent Kostensteigerung, also 330 000 oder 360 000 Euro Baukosten. Spenden und Eigenleistung waren bis dato mit jeweils 10 000 Euro angesetzt und wurden nun auf 20 000 Euro erhöht. Die Sektion würde nicht mehr 60 000 Euro, sondern 90 000 Euro Eigenkapital beisteuern, und der ursprüngliche Kredit von 60 000 Euro würde bei der Neufinanzierung bei 50 000 beziehungsweise 80 000 Euro liegen. Bei einer Rate von 500 Euro monatlich und einem Zinssatz von circa 3,4 Prozent wäre bei einer zehnjährigen Zinsbindung und einer möglichen Sondertilgung von 4000 Euro pro Jahr der Kredit in zehn beziehungsweise 17 Jahren abbezahlt, so die Rechnung des Vorstands.

Beim Kletterturm sei vor gut zehn Jahren die Rate bei 380 Euro gelegen, sagte Bauer, allerdings bei der Hälfte der heutigen Mitgliederzahl, die bald die 1400er-Marke knacken könnte. Der Sektionschef schlug vor, abzuspecken oder mit einheimischen Firmen zu sprechen, die Mitglieder des Vereins sind und diese um ein Angebot zu bitten.

Architekt Elmar Nitzl warf ein, er habe die Kostenberechnung vor eineinhalb Jahren gemacht. „Zehn Prozent Kostensteigerung können wir vergessen, unter 20 Prozent werden wir nicht rauskommen.“ Er schlug vor, für die drei großen Gewerke Angebote einzuholen, das wären rund 60 Prozent der Baukosten. Wenn dieser Teilbereich schon überschritten werde, dann würde er gar nicht erst anfangen. Den vorgestellten Kreditrahmen mit Rückzahlung hielt er überschaubar, gab aber zu bedenken, dass eine Boulderanlage auch deutliche höhere Unterhaltskosten habe als ein Kletterturm.

In der Zwickmühle: Vorsitzender Schorsch Bauer (oben) schreckt zwar die Kostensteigerung ab, doch sei die Boulderhalle gerade für die Jugend sehr wichtig.
In der Zwickmühle: Vorsitzender Schorsch Bauer (oben) schreckt zwar die Kostensteigerung ab, doch sei die Boulderhalle gerade für die Jugend sehr wichtig. © Birgit Lang

Schriftführer Andreas Schatz regte an, zusätzliche Werbeeinnahmen zu generieren. 2. Vorsitzender Hans Eisgruber erklärte, dass man dies schon mit wenig Erfolg beim Kletterturm versucht habe und man sich professionelle Hilfe holen könnte. Zudem meinte er: „Wenn wir es uns nicht leisten können und wollen, müssen wir uns Alternativen überlegen“ – zum Beispiel eine Outdooranlage. Damit würden aber auch die Zuschüsse sinken, gab Bauer zu bedenken. „Auf bessere Zeiten zu warten bringt es auch nicht“, fand er. Schließlich habe sich eine große Mehrheit der Mitglieder damals für den Bau ausgesprochen. Beisitzer Anton Spangenberg, Ansprechpartner für den Kletterturm, betonte, dass die Anlage wichtig für die Jugendarbeit sei. Den Kletterturm und eine Outdoor-Anlage könne man bei Regen nicht nutzen, deshalb sei ja die Boulderanlage so wichtig.

Angelika Nitzl fand es traurig, dass so wenige Kletterer da waren, weil das Thema besprochen werde, das ihnen wichtig sei. Das ärgerte auch Uwe Rauchfuß. Um die Werbetrommel zu rühren, müssten die Kletterer aktiv werden und sich nicht auf die Wanderer verlassen, deren Mitglieder die Gelder bringen. Mittlerweile sei es eine komplett andere Situation als vergangenen Juni. „Die Welt ist aus den Fugen geraten“, meinte er.

Sepp Kalter erinnerte als Ex-Umweltschutzreferent daran, dass die Sektion bis 2030 klimaneutral sein müsse. Da seien bestimmt auch Ausgaben und Investitionen nötig. Karl-Heinz Deutsch befürchtete, dass man die Jugend an andere Vereine verlieren könnte, wenn man keine Boulderanlage anbiete. Eisgruber erklärte, dass man zwischen 80 bis 100 Neueintritte pro Jahr habe und um die Hälfte beim Verein blieben. Dass ohne die Anlage mehr abwandern würden, bezweifelte er, nicht aber dass Besucherzahlen und Eintrittsgelder zurückgehen könnten. Für die Anlage spreche die ganzjährige Nutzung, dass man zum Bouldern keinen Partner und keine großartige Ausbildung brauche und dass sie von der Jugend stark angenommen werde. Schon durch den Kletterturm seien die Mitgliederzahlen recht kräftig angestiegen.

Bei der abschließenden Abstimmung sprach sich eine klare Mehrheit der Anwesenden für den Bau mit bis zu 360 000 Euro Gesamtkosten aus – bei neun Enthaltungen und vier Gegenstimmen. Für ihn sei die Anlage vor allem für die Jugendarbeit wichtig, sagte Vorsitzender Bauer. „Wer die Jugendarbeit aufgibt, kann sich gleich selber aufgeben“, betonte er. Nun sollen die Angebote eingeholt, nach Alternativen gesucht und dann eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen werden, um eine endgültige Entscheidung zu treffen.

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