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Der Höhepunkt der Radsport-Abteilung des TSV Erding  war die deutsche Meisterschaft, die er 1991 organisierte. Damals war auch ein gewisser Erik Zabel (r.) dabei, mit dem Biller als Abteilungsleiter plauderte.

Radsport

Als Erik Zabel, der Olympia-Vierer und andere Helden in Erding waren

  • Dieter Priglmeir
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40 Jahre Radsport in Erding: Sepp Billers Buch ist wertvolle Chronik und Anekdotensammlung zugleich

Erding– Es war am 24. Dezember 2002, als Sepp Biller den geplanten Nachmittagsspaziergang mit seiner Frau abgeblasen hat. Lieber rauschte er mit dem Mountainbike mit seinem Spezl Schorsch Baumgartner durchs Erdinger Holzland. Am Abend saß er mit zwei gebrochenen Rippen, Kopf- und Schulterstützverband und Armmannschette neben dem Christbaum. Eine nur oberflächlich gefrorene Eispfütze im Köhlhölzl war ihm zum Verhängnis geworden.

Nein, der inzwischen 70-jährige Althamer hat deswegen nicht dem Radl abgeschworen. Im Gegenteil:Er ist noch immer gute 1500 Kilometerpro Jahr unterwegs („Inzwischen mit E-Bike, das ist besser fürs Knie“). In den letzten beiden Jahren war es vielleicht ein klein bisserl weniger. Das liegt aber daran, dass er seitdem Bilder gesammelt, Erinnerungen alter Weggefährten zusammengetragen und viele Texte geschrieben hat.

In seinem Buch „40 Jahre Radsport in Erding“ beleuchtet er auf 274 Seiten die Jahre von 1978, als die Radsportabteilung des TSV gegründet wurde, bis 2018. Biller berichtet von herausragenden Lizenzfahrern wie Karl Pfeiffer, Schorsch Baumgartner und Jürgen Mitschke. Die Radtouristik, die etwas sanftere Art des Radsports, kommt ebenfalls nicht zu kurz wie sein Dank an Pioniere wie Günter Lassak, der die Abteilung nach der Gründung zehn Jahre führte, ehe ihm dann Biller folgte – für die nächsten 27 Jahre. Entsprechend kenntnisreich ist das Ergebnis.

Es ist eine Mischung aus Chronik mit sehr besonderen Dokumenten wie der Prämienausschüttung von 1984 und einer Sammlung von Anekdoten, die auch der interessant findet, der nur bei der Fahrt zum Bäcker im Sattel sitzt. Beispiele davon gibt’s genügend. Das geht schon in grauer Vorzeit los. Zweimal – nämlich 1918 und 1943 – sei das Rad fahren untersagt gewesen, sofern es nur dem „Vergnügungs- und Sportzwecke“ diente. Der Grund laut Biller: „Kautschuk als Grundstoff zur Gummiherstellung war aufgrund kriegsbedingter Einfuhrschwierigkeiten zur Mangelware geworden.“ In den 1950er-Jahren habe es sogar Radrennen auf der Aschenbahn des Erdinger Stadions gegeben, aber so richtig startete der Radsport eben 1978 durch.

Biller berichtet, wie die Erdinger zu Tausenden in die Stadt strömten, um sich die Radrennen anzusehen. Rolf Gölz war da, aber auch der deutsche Bahn-Vierer vor seiner Abreise zu den Olympischen Spielen von 1984 in Los Angeles. Und da wäre noch das Bild, auf dem Biller gerade mit einem gewissen Erik Zabel ratscht – aufgenommen im Jahre 1991, als der TSV Erding die Deutsche Meisterschaft austrug. Es waren nach dem Mauerfall die ersten gesamtdeutschen Meisterschaften, die zum Teil auf dem Gelände des neuen Flughafens stattfanden. Das war möglich, weil der Airport erst im Jahr darauf in Betrieb ging. Die FMG habe sogar für ein kurzes Teilstück extra für das Radrennen mit einer Teerschicht versehen, erzählt Biller.

Der ehemalige Direktor der Erdinger Berufsschule spannt den Bogen von Ereignissen, die für die Radsportabteilung von historischer Bedeutung sind, zu Schmonzetten aus dem Innenleben der Radsport-Verrückten: von der Verfolgungsjagd eines Esels im Radsportstadion von Mallorca, über die Sangria-Fahrt, die nach wenigen Metern an der Mauer endete, bis zur Idee, durchnässte Radtrikots die ganze Nacht über am Ventilator drehen zu lassen. Biller hat alle Plakate aufgespürt, aber auch Bilder, die die CSU-Stadtratsfraktion auf einem Siebener-Tandem zeigen und Alois Lichtenegger („Der Jodler“) auf dem Khardung LA, dem höchsten Pass der Welt.

Dass der Radsport seine Probleme hat, verschweigt der Autor auch nicht: „Schade nur, dass der mit hohem Geldaufwand betriebene Profi-Radsport und die (...) Dopingskandale das allgemeine Interesse für diese schöne Sportart deutlich und anhaltend geschmälert haben.“ Und zum Thema Risiko listet Biller auf drei Seiten einige spektakuläre Unfälle auf – seinen Weihnachtssturz inklusive.

Für den kommenden Sonntag hatte Biller eine Buchpräsentation geplant. Zur Gesprächsrunde waren neben Oberbürgermeister Max Gotz die bereits erwähnten Radsportpioniere Lassak, Pfeiffer und Baumgartner, aber auch der ehemalige Cheforganisator der Bayernrundfahrt und Sprecher des Münchner Sechstagerennens, Ewald Strohmeier, eingeladen. Wegen der Covid-19-Beschränkungen kann dies nicht stattfinden. Man wird sich ein anderes Mal treffen und dann über den einen kleinen Fehler frotzeln, der dem Autor auf Seite 162 widerfahren ist. Didi Thurau, steht da, habe 15 Tage lang, den Giro d’Italia angeführt. „Das war natürlich die Tour de France“, sagt Biller. Im Vorwort steht’s auf Seite 4 auch richtig, aber es zweifelt eh niemand daran, dass der Autor solche Dinge weiß. Das und noch viel mehr.

Zu erwerben

ist das Buch „40 Jahre Radsport in Erding“ (Auflage: 500) zum Preis von 20 Euro€ (Vereinsmitglieder 15 Euro) bei Radsport Pfeiffer in Langengeisling, Telefon (0 81 22) 76 90, oder auch direkt bei Sepp Biller in Altham, Telefon (0 81 22) 1 38 27.

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