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Sie will doch eigentlich nur besser werden: Schwimm-Talent Amelie Zachenhuber, hier mit ihren Trainern Elvir Mangafic (r.) und Roland Böller (l.), mit dem sie gern am Stützpunkt in Erlangen weiter arbeiten würde. Doch der Stützpunkt ist nach Nürnberg verlagert worden. Das wollen sie und weitere Kader-Athleten nicht akzeptieren.  

Schwimmsport

Amelie Zachenhuber legt sich mit Schwimm-Präsident an

Das Reisener Schwimmtalent unterstützt ihre Kaderkollegen im Kampf für Trainer und Stützpunkt.

Reisen – Amelie Zachenhuber stehen unsichere Zeiten bevor. Als Kaderathletin kann sie zwar im Gegensatz zu vielen anderen Schwimmkollegen zur Zeit relativ normal weitertrainieren, doch auch die Reisenerin, die in Nürnberg die Eliteschule des Sports besucht, weiß aktuell nicht, wie das Training im nächsten Jahr für sie weitergehen wird. Der Grund: eine Verlagerung des Stützpunkttrainings von Erlangen nach Nürnberg.

Im ersten Moment klingt das nicht wirklich wie ein Problem, wenn man bedenkt, dass die 16-Jährige in Nürnberg zur Schule geht und dort das Internat besucht. Tatsächlich trainiert sie seit einiger Zeit cirka zehnmal die Woche am aktuellen Stützpunkt in Erlangen unter dem dort verantwortlichen Stützpunkttrainer Roland Böller und ist seit dem 1. November Mitglied beim Turnerbund Erlangen geworden.

Allerdings soll der Landesstützpunkt von Erlangen nach Nürnberg verlegt werden und stellt die Nachwuchstalente vor Ort vor viele Fragen. Um diese beantwortet zu bekommen, haben sich die Mädchen und Buben in einem offenen Brief an den Präsidenten des Bayerischen Schwimmverbandes (BSV), Harald Walter, gewandt und zum Teil auch schwere Vorwürfe gegen ihn persönlich erhoben.

Zum einen monieren die Schwimmerinnen und Schwimmer des TB Erlangen, dass sie „weder Infos noch Gründe für die Stützpunktverlegung“ bekommen hätten. In dem offenen Brief zitieren die Verfasser, dass in Nürnberg ein „Nachwuchsstützpunkt für die ganz jungen Athlet*innen“ geschaffen werden soll, und betonen dabei, dass sie selbst sich vergessen fühlten.

In einer Stellungnahme zu diesem offenen Brief zeigt sich Präsident Walter allerdings erbost. „Es stimmt mich als Verbandsvertreter, aber vor allem als Sportler und Familienvater sehr traurig und macht mich zugleich auch wütend, wenn ich sehen und lesen muss, dass und wie blutjunge Sportler von Dritten derart skrupellos instrumentalisiert werden.“ Dabei kritisiert er vor allem, dass dem Stil des Briefes zu entnehmen sei, dass dieser von Rechtsvertretern des Vereins verfasst worden sei.

Die Jugendlichen, die zum Bundes- oder Landeskader gehören, machen mehrfach in ihrem Schreiben deutlich, dass die bisherigen Erfolge für sich sprächen, denn „hier am Landesstützpunkt in Erlangen trainieren mehr Nachwuchs-Bundeskaderathlet*innen (Beckenschwimmen) als an allen Landesstützpunkten in Bayern“.

Auch das war für Zachenhuber persönlich ein Grund, weshalb sie vor kurzem mit ihrem Startrecht nach Erlangen wechselte. Durch die Verlegung des Stützpunktes nach Nürnberg wäre für die mehrfache deutsche Jahrgangsmeisterin nicht nur die sportliche Zukunft unsicher, auch die Arbeit der letzten Jahre wäre womöglich umsonst gewesen. Diese Sorge wiegelt der BSV Präsident jedoch ab. „Niemand verbietet/untersagt das Vereinstraining bei Herrn Roland Böller.“

Im zweiten Teil des Briefes wenden sich die Verfasser persönlich an Harald Walter. „Warum können Sie als ehemaliger Freund von Roland Böller, als ehemaliger Abteilungsleiter im TB Erlangen und jetzt als Präsident des BSV nicht endlich aufhören, uns als Kaderathlet*innen des Bayerischen Schwimmverbandes in Ihrem persönlichen Kampf gegen unseren Stützpunkttrainer Roland Böller mit in den Abgrund zu ziehen […]?“

Schwere Vorwürfe, die sich auf einen Vorfall vor rund vier Jahren beziehen, der zur aktuellen Situation beigetragen haben soll. Von diesen „spekulativ völlig unbekannten angeblichen Ereignissen“ nimmt Walter ganz klar Abstand.

Der Konflikt ist inzwischen schon so ausgeartet, dass die Mitglieder des TB Erlangen einen Anwalt eingeschaltet haben, der wiederum Klage gegen den Bayerischen Schwimmverband eingereicht hat. Dieses Verhalten kritisiert der Präsident des Bayerischen Schwimmverbandes und hinterfragt, „ob die entstandenen immensen Kosten aus für den Sport bestimmten Sponsorengeldern oder Mitgliedsbeiträgen finanziert werden“. Es bleibt offen, wohin dieser Konflikt weiter hinführt.

 

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