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Vor dem Abflug: Andreas März aus Wörth.

Scgwimmen

Andreas März und das Abenteuer Amerika

Der Top-Schwimmer aus Wörth studiert in Charlotte.

Wörth – Neues Jahr, neues Land: Andreas März feierte den Jahreswechsel in den USA. Genauer gesagt in Charlotte, wo er sein Studium aufnimmt. Und natürlich war es auch keine rauschende Party, wie seine Mutter Hildegard verriet. „Er und sein Zimmerkollege sind zwar aufgeblieben, um das neue Jahr zu begrüßen und sich Glück zu wünschen. Ansonsten war es ein Fernsehabend.“

Aufregung wird der 18-jährige Top-Schwimmer aus Wörth in den kommenden Monaten noch genug haben. Corona wird allerdings die nächsten Monate das gesamte Sport- und Studentenleben noch maßgeblich beeinträchtigen. So wie auch seinen letzten Wettkampf in 2020: Denn März nahm noch am Vergleichswettkampf der Bundes- und Landeskader in Würzburg teil, der hochkarätig besetzt war. Und der Wörther war recht zufrieden mit der Ausbeute. So schwamm März einmal vor- und einmal nachmittags die 100 Meter Rücken, um unter Wettkampfbedingungen eine Vor- und Endlaufsituation zu simulieren. Zudem ging er über 200 m Lagen an den Start.

Natürlich stand wieder alles im Zeichen von Corona. So durften die Schwimmer nur unter Vorlage eines negativen PCR-Tests teilnehmen, und am Einlass wurde zusätzlich ein Schnelltest durchgeführt. So mussten zwei Athleten, die aus Hannover angereist waren, am Parkplatz in Würzburg wieder umdrehen, nachdem einer von ihnen einen positiven Bescheid am Smartphone erhalten hatte.

März hingegen entdeckte am Eingang Verbandsarzt Dr. Beck, der in zivilen Klamotten in der Halle verschwand und kurz darauf nicht mehr erkennbar in voller OP-Montur am Einlass auftrat, um die Teilnehmer zu testen. Der Wörther war im ersten Moment erschrocken: „Um Himmels Willen, was ist hier los? Wen will der jetzt operieren? Wenn der jetzt noch ein Skalpell hervorholt, dann bin ich aber ganz schnell weg.“

In der Halle selbst war neben den Abstands- und Hygieneregeln außerdem die neue Bahneinteilung einzuhalten. So waren die 1 und 2, allein für das Ein- und Ausschwimmen vorgesehen. Die dritte blieb frei, während auf den Bahnen 4 bis 8 die Wettkämpfe ausgetragen wurden.

Besonders spannend war für März, dass er über die 100 m Rücken neben Ole Braunschweig schwimmen durfte, der in diesem Rennen die Olympia-Norm geschwommen ist. „So etwas erlebt man auch nicht alle Tage“, so März.

Was dem Athlet der SG Stadtwerke München außerdem auffiel, war, dass er und seine Trainingskameraden die einzigen waren, die nicht (Bein-)rasiert am Start standen. „Das sah urkomisch aus.“ Eine weitere Besonderheit für den Wörther: Er startete nicht für die Stadtwerke, sondern für den Bayerischen Schwimmverband. Das liegt daran, dass er seit diesem Semester als Student an der Queens University of Charlotte in North Carolina Mitglied des dortigen Schwimmteams ist. Da er wegen der aktuellen Lage bisher nicht in die Staaten einreisen konnte, trainierte der 18-Jährige solange in München weiter und startete währenddessen sozusagen unter neutraler Flagge.

Aber auch diese Odyssee soll nun ein Ende haben, denn am 28. Dezember ging es endlich los. Vor seinem Flug wurde März von seinem besten Schulfreund, der extra aus Passau angereist war, gebührend verabschiedet: mit Riesenbreze und Obatzdn als bayerischen Gruß. Seine Trainerin in München, Sheela Schult, war dagegen schon etwas traurig. „Ich kann es noch gar nicht glauben, dass er nach den unzähligen gemeinsamen Trainingseinheiten jetzt plötzlich nicht mehr da sein soll. Das wird schon eine Umstellung.“ Aber sie freute sich schon auf ein Wiedersehen im Sommer, denn ihr Vertrag als Stützpunkt-Cheftrainerin wurde bis 2024 verlängert.

Nach 14-stündiger Reise (stets mit Maske) mit Zwischenstopp in Washington kam März wohlbehalten, aber laut seiner Mutter „ziemlich erledigt“ in Charlotte an. Zusammen mit einem Neuankömmling aus Tschechien ging es für fünf Tage in (Sicherheits-)Quarantäne. „Die ersten Tage quälte ihn noch etwas Müdigkeit aufgrund des Jetlags, aber inzwischen hat er sich schon gut akklimatisiert und freut sich auf die ersten Trainingseinheiten“, erzählt Hildegard März. Die Freshmen, so heißen die Neulinge, seien auch schon komplett neu eingekleidet worden. Als Gastgeschenk habe es einen royalblauen Schwimmrucksack mit dem Unilogo gegeben. „Zu seinen ersten Handlungen gehörten die Funktionsweise der amerikanischen Waschmaschine zu ergründen und diese mit den Erfahrungen der Mama zu beratschlagen, damit der erste eigene Waschgang auch schadlos geklappt hat“, erzählt Hildegard März schmunzelnd.

VON ALEKS SCHARFE UND DIETER PRIGLMEIR

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