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Die Après-Après-Geschichte des Peter Pin

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Von: Dieter Priglmeir

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Ein stiller Held und seine lange Nacht von Kufstein

Die stillen Helden der Vereine sind ihre Schriftführer. Ihre großartige Arbeit wird leicht mal übersehen (oder hat irgendjemand schon mal das Protokoll gelesen, über das abgestimmt wird?). Stiller Held – schön. Aber die folgende Geschichte geht dann doch zu weit: Es ist die Skifahrer-Story von ..., äh nennen wir ihn einfach mal: Peter Pin. Eigentlich ist es seine Après-Ski-Story. Oder noch besser die Late-Night-Après-Story, denn sie beginnt, nachdem die Party eigentlich schon vorbei war.

Also überspringen wir den Teil mit der Busladung. Vereinsmitglieder, die in St. Johann erst alpin und dann auf einer Partyhütte ihren Spaß hatten. Peter weiß davon auch nicht mehr allzu viel. Lediglich, dass er mitten in der Nacht aufgewacht ist und um sich nur Gläser spülende Bedienungen sah und die Wirtin, die die Stühle auf die Tische stellte.

Der Mannschaftsbus, seine Spezl? Längst weg. Die haben ihn einfach vergessen. Stellt sich die Frage, warum die lieben Vereinskollegen bei der Abfahrt nicht die Mitfahrerliste gecheckt haben. Aber vermutlich wäre das wieder mal der Job des Schriftführers gewesen. Also lassen wir das...

Der gute Mann stand nun im Lokal und orderte ein Taxi. Auf Anraten der Wirtin („Bist deppert, dös Erding liegt doch in Deitschland. Dös kost di 300 Euro“) ließ er sich nur bis zum Kufsteiner Bahnhof chauffieren.

Das Blöde war nur: Geld hatte er auch keins mehr. Seine Bankgeschäfte mit dem Handy im Wagen erledigen, das kann wahrscheinlich nur Dirk Nowitzki. Also stand der Taxler hinter ihm, als Peter am Bankautomaten seinen PIN-Code eingab. Die war aber im ersten Versuch falsch. Häh? Gibt’s doch nicht. Zweiter Versuch. Gleiches Ergebnis.

„So, und dann stehst du da und weißt, du hast nur noch einen Versuch“, erzählt Peter Pin Monate später. Er ist also inzwischen wieder daheim. Ja, wir spoilern jetzt mal. Irgendwie ist die Geschichte noch gut ausgegangen.

Aber zurück zum fiesen Bankautomaten, der nur zwei Fehler zulässt: Unser Schriftführer, Fachmann für Protokolle, dachte fest an seine PIN-Kombination, subtrahierte davon seinen – inzwischen längst stark gesunkenen Promille-Gehalt – und multiplizierte ihn mit der Hoffnung, dass das alles nur ein böser Traum ist. Er tippte. Und schwupps! War die Karte eingezogen.

Es ist drei Uhr nachts, als der arme Kerl im Skipulli frierend in der zugigen Kufsteiner Bahnhofshalle mit nichts mehr da stand – außer dem Taxler (dem dann aber für eine Rechnung die Adresse reichte) und – echt wahr – einem Mann aus Wien, der ebenfalls gestrandet war (seine Geschichte gibt’s hoffentlich auf dem Wiener Rennbahn-Express-Titelblatt).

Geld, das haben wir vorhin erfahren, konnte unser tragischer Held nicht aus seinem Handy ziehen. Aber zum Glück gibt es tatsächlich noch Smartphones, mit denen man einfach mal so telefonieren kann.

Das Ende der Geschichte: Am Morgen fuhr ein Auto vor den Kufsteiner Bahnhof. Unser Schriftführer gibt zu Protokoll: „Mein Vater ist wirklich der netteste Mensch auf der Welt. Aber an diesem Morgen war selbst er ein bisserl grantig.“

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