Wann darf wieder um Punkte gekämpftwerden? Das fragen sich die Kicker im Landkreis.
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Wann darf wieder um Punkte gekämpft werden? Das fragen sich die Kicker im Landkreis.

BFV verschiebt Saisonfortsetzung

Balderanos: „Kein Re-Start ohne Zuschauer“

  • Wolfgang Krzizok
    vonWolfgang Krzizok
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Weiterhin im Wartemodus sind die Fußballer im Landkreis.

Landkreis – Eigentlich hätte am ersten September-Wochenende der Spielbetrieb in den unteren Fußballklassen beginnen sollen. Doch aufgrund der aktuellen Corona-Lage ist der so genannte Re-Start in den zweiten Teil der Saison 2019/20 auf das Wochenende 19./20. September verschoben worden – vorerst. Ärgerlich für die Mannschaften, die jetzt schon länger wieder trainieren und für die die Vorbereitung eigentlich abgeschlossen ist. Doch die meisten Vereine sehen es eher locker.

„Grundsätzlich muss man die Dinge nehmen, wie sie kommen. Und ehrlich gesagt sind wir über die Verschiebung nicht überrascht“, stellt Robert Hartmann vom abstiegsbedrohten Bezirksligisten FC Finsing fest. „Da wir vergleichsweise spät in die Saisonvorbereitung gestartet sind und einige Aktive aktuell im Urlaub sind, gibt uns das die Möglichkeit, noch einige taktische Varianten zu trainieren.“

Entspannt sieht es auch Rainer Schmidmüller. „Es ändert sich im Prinzip nichts“, sagt der Trainer des A-Klassisten FC Fraunberg (Gruppe 7). „Wir machen so weiter wie bisher, planen zwei weitere Vorbereitungsspiele, und dann schau ma moi.“

Auch Maxi Bauer blickt recht gelassen in die nächsten Wochen. „Bei uns läuft die Vorbereitung ganz normal weiter“, berichtet der Spielertrainer des Kreisklassen-Tabellenführers SC Moosen, der den Titel und damit den Aufstieg in die Kreisliga anstrebt. „Um unser Ziel zu erreichen, arbeiten wir Woche für Woche weiter.“ Er freut sich darüber, dass seine Jungs voll mitziehen und auf einem hohen Niveau trainieren. „Hoffentlich geht’s bald los“, wünscht sich Bauer, der für den SCM für die spielfreien Wochenenden noch Testspielgegner sucht.

Das hat Tobias Huber, Abteilungsleiter des Kreisklassisten TuS Oberding, schon erledigt. „Wir haben sofort zwei Testspiele für beide Mannschaften vereinbart“, sagt er und fügt hinzu: „Ich könnte jetzt schimpfen, warum und wieso das mit dem nach hinten geschobenen Re-Start so ist, aber das hilft leider nichts.“ So ganz traut er dem Frieden aber nicht. „Die größte Angst habe ich vor einer Revidierung dieser Entscheidung, wie es der Verband auch schon in den letzten Wochen gemacht hat“, sagt Huber. „Plötzlich heißt es dann doch wieder, dass wir am 5. September mit dem Ligapokal anfangen und alle Planungen waren wieder umsonst.“ Er hofft sehr, dass es am 19./20. September „endgültig losgehen kann und auch, dass der Ligapokal nicht ersatzlos gestrichen wird. Das Verhältnis acht Wochen Vorbereitung für fünf, sechs Pflichtspiele bis zum Winter wäre nicht so toll.“

Eine große Überraschung sei die Verschiebung für ihn nicht gewesen, gesteht Thomas Bachmeier, Spielertrainer beim Tabellendritten der Kreisklasse, dem FC Hohenpolding. „Wir haben mit diesem Szenario schon gerechnet“, stellt er fest und gibt dem Bayerischen Fußball Verband (BFV) Rückendeckung. „Genau deswegen ist die Fortführung der Saison auch die richtige Entscheidung des BFV gewesen, zumindest für so kleine Vereine, wie wir es sind. So kann man den Start nach hinten verschieben, ohne eine neue Saison kaputt zu machen. Dann bereiten wir uns halt zwei Wochen länger vor, da sind wir flexibel.“ Grundsätzlich finde er die zwei Wochen Frist richtig, damit man abwarten könne, wie sich die Situation entwickelt, nachdem alle bayerischen Urlauber zurück sind. Einen Kritikpunkt hat Bachmeier aber: „Dass man allerdings Testspiele bestreiten darf, jedoch keine Punktspiele, ist wiederum diskutabel.“

Ziemlich grantig ist dagegen Benji Tas. „Natürlich verstehen wir das Ganze mal gar nicht“, schimpft der Trainer von Kreisklassen-Schlusslicht FC Türkgücü Erding. „Wieso können wir Freundschaftsspiele bestreiten und Punktspiele nicht? Was ist der Unterschied? Mir fehlen langsam die Worte.“ Und er fragt sich: „Wie lange können wir die Spannung bei den Spielern hochhalten?“ Tas gibt grundsätzlich zu bedenken. dass sich mittlerweile jeder Mensch doch selbst darüber bewusst sei, wie er sich schützen müsse. Da habe jeder seine eigenen Erfahrungen gemacht in den letzten Monaten. „Wir gehen doch auch normal unter Menschen arbeiten und verbringen unsere Freizeit auch nur mit der Maske und nötigen Abständen“, erklärt der Türkgücü-Coach. „Aber wie immer müssen wir die Entscheidung akzeptieren.“

Ähnlich sauer ist Leo Balderanos. „Mittlerweile wird aus dem Re-Start eine richtige Doktorarbeit gemacht. Wie viel Zeit benötigen denn unsere Politiker für eine aussagekräftige Entscheidung?“, fragt sich der Spielertrainer des Kreisklassisten TSV Aspis Taufkirchen.. „22 Amateure laufen einem Ball hinterher, die Zuschauer beschränken sich auf eine überschaubare Anzahl. Die Relation im Verhältnis zu Schwimmbädern, Badeweihern, Demos et cetera stimmt einfach nicht überein.“ Seiner Meinung nach hätte man die Saison einfach abbrechen können, sagt Balderanos und schickt eine deutliche Drohung hinterher: „Sollte ein Re-Start ohne Zuschauer stattfinden, werden wir als Verein nicht antreten. Zuschauer sind die Lebensversicherung aller kleinen Vereine.“

wk

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