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Die Bayern-Fahrt zum Finale: Rot-weiße Opel, wir wollenrot-weiße Opel

  • Dieter Priglmeir
    vonDieter Priglmeir
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Okay, heuer durften die Bayern-Fans nicht zusammen mit den Fußballern feiern. Deshalb erinnern wir an frühere Jubeltage.

Heute, liebe Löwen-Fans, solltet ihr stark wie noch nie sein, denn es geht um den FC Bayern. Ihr müsst ja nicht unbedingt gleich ein Vier-Gänge-Grillfest für 17 Personen schmeißen, wie Bernhard Kronseder und Sebastian Held von den Moosinninger Löwen tatsächlich getan haben. Aber vielleicht ertragt ihr diese paar Zeilen darüber, wie die Bayern feiern – und immer schon gefeiert haben.

Dieter Brenninger, Linksaußen der Aufstiegsmannschaft von 1965, erinnert sich an den Autokorso nach dem 8:0-Sieg bei Tennis Borussia Berlin. „Die Leute sind direkt am Rollfeld gestanden und haben uns quasi abgeholt.“ Der Korso habe dann vom Riemer Flughafen direkt zur Vereinsgaststätte geführt. „Und das war damals noch der Nockherberg“, erzählt der Altenerdinger, der zwei Jahre später mit den Roten den ersten Europapokal (1:0 gegen Glasgow Rangers) gewann. „Den Sepp Maier haben wir danach von Kopf bis Fuß rasiert und mit Kölnisch Wasser eingerieben“. Gefeiert habe jeder ganz nach seinem Typus. Gerd Müller etwa blieb lieber im Kurhotel: „Bin i froh, dass die Gaudi vorbei ist. Jetzt dua ma an Schafkopf.“

Die coronabedingte Ruhe heuer beim Finalturnier wäre aber wohl selbst dem stillen Nördlinger zu viel gewesen. Keine Fans in Lissabon, keine Anekdoten – deswegen haben die Anhänger das Spiel genossen und an frühere Geschichten gedacht. Und dabei muss es ja nicht immer Europapokal sein.

Otto Simon etwa fuhr 1984 mit vier weiteren Spezln zum DFB-Pokalfinale nach Frankfurt. Mit einem Opel, der mal grün war, aber vor der Fahrt von den D-Jugend-Kickern rot-weiß angestrichen worden war. „Das war ein uralter Karren. Das einzig neue waren die Scheibenwischer“, erzählt Simon. Für ihn ist folgende Szene unvergessen: Als der rotweiße Klapperkarren auf der Straße Richtung Waldstadion ist, reihen sich hinter ihm gut 250 Autos ein. „In diesem hupenden Konvoi sind wir zum Endspiel gefahren – und wir an der Spitze.“ Ob sich das überhaupt noch steigern ließ? Simon: „Naja, es gab Elfmeterschießen, und Lothar Matthäus hat für Gladbach verschossen.“

Wir sollten auch über 2001 reden, als die Bayern noch mit einer Aero Lloyd-Maschine im Erdinger Moos landen. Sie sind nach dem Sieg gegen Valencia zwar die Könige Europas, doch am Flughafen sagt FMG-Dienstmann W., wo’s langgeht. Als Ottmar Hitzfeld die Fluggasttreppe am Heck der Maschine nutzen will, befiehlt er: „Gehen S‘ bitte wieder zurück und steigen S’ vorne aus!“ Lautstarkem Protest begegnet der Airport-Mitarbeiter mit freundlicher Bestimmtheit. Jahre später gesteht der Mann: „Ich hatte ja keine Ahnung, wer das ist.“ Vermutlich war Herr W. der einzige Mensch am Flughafen, der den Bayern-Trainer nicht kannte. Zur Ehrenrettung des Mannes: Er musste auch noch zwei Damen einfangen, die unter zwei großen Weißbierhumpen nichts trugen außer einem gewagten Bodypainting.

Und dann wären noch all die Geschichten von Wembley 2013. Wie etwa die Story der sechs Fußballer der SG Reichenkirchen, die erst in London den Bayern-Sieg gegen Dortmund bejubeln. 15 Stunden später stehen sie selbst auf dem Platz und fegen den FC Hohenpolding 4:0 weg. Nach dem Spiel meint Jürgen Baumgartner zum Trainer: „Das lief ja jetzt ganz gut. Aber ich kann natürlich nicht vor jedem Spiel zur Vorbereitung nach London fliegen.“

Vielleicht aber verdankten die Bayern damals ihren Sieg auch der dreitägigen Pilgerreise von Wartenberg nach Altötting, die der Bayern-Fanclub Henaheisl durchführte. Eines der Mitglieder ist Christian Pröbst, inzwischen Bürgermeister von Wartenberg und natürlich immer noch Bayernfan. Mit seinem Bruder Michael und den Freunden Markus Loibl und Michael Deimel feiert er damals in London den Sieg in einer Hotelbar und sie lernen dabei das Damen-Team des VfL Wolfsburg kennen – die ja am Sonntag ebenfalls die Champions League gewinnen können.

Franz Humpl, Oberdings Edelfan, war seinerzeit auch in London. Er hatte auch die Niederlagen in Barcelona, Madrid und in der Allianz Arena miterlebt. Er hat seine besondere Theorie, warum es dort nicht geklappt hat: „Bisher haben wir immer in Stadien verloren, die hauptsächlich blaue Sitze hatten“, sagt er der Heimatzeitung nach dem Triumph im Jahr 2013. Und dass er sich auf Lissabon freue. Damals meint er allerdings das Finale 2014...

Sechs Jahre später ist alles anders: Keine Wallfahrten, keine Reisen. Man freut sich vor dem Fernseher. Das macht Andreas Voglsammer, der Dorfener Fußballprofi („Der emotionalste war für mich der Sieg im Elfern gegen Valencia“) auch nicht anders. Nur dass er nebenbei noch per Whatsapp mit Patrick Weihrauch fachsimpelt. Die beiden spielten nicht nur gemeinsam für Bielefeld, sondern in der Bayern-Jugend.

Wie übrigens auch Anderl Faltermaier, der Teamkollege von Dietmar Hamann war und unter Hermann Gerland trainierte. Whattsappen mit Bayern-Kollegen? „Ich bin schon zu alt, dass ich da wen kennen würde. Die sind alle schon in Rente“, meint er lachend und erzählt, dass sich im Urlaub in Italien alle mit den Bayern freuen. Das hat man ja als FCB-Fan auch nicht so oft. Wenn die Azzurri die Roten schon toll finden, dann sollten sich auch die Blauen einen Ruck geben.

DIETER PRIGLMEIR

Geschichten, wie die Bayern feiern

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