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Oliver Zeidler will den EM-Titel zurückholen und plant schon für Paris

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Von: Dieter Priglmeir

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In Slowenien will Oliver Zeidler an den jüngsten Weltcup-Erfolg von Zagreb anknüpfen.
In Slowenien will Oliver Zeidler an den jüngsten Weltcup-Erfolg von Zagreb anknüpfen. © IMAGO/Luka Stanzl/PIXSELL

Vier Sekunden Vorsprung im Vorlauf: Oliver Zeidler ist perfekt in die Regatta gestartet. Aber es ist gibt noch viel zu tun.

Schwaig/Bled – Es war schon mal eine kleine Machtdemonstration: Mit über vier Sekunden Vorsprung gewann Oliver Zeidler am Donnerstagnachmittag seinen Vorlauf und ersparte sich damit mühelos den Hoffnungslauf am heutigen Freitag. Der Ruderer aus Schwaig will schließlich keine Kräfte verschwenden, wenn es am Wochenende ernst wird bei der Europameisterschaft in Bled. Seit Dienstag weilt er schon in Slowenien, am Samstag steigt das Halbfinale, am Sonntag will er sich den EM-Titel zurückholen. Wir sprachen mit dem 26-jährigen Weltmeister.

Herr Zeidler – ist die EM in Bled Ihre Chance, die „EM dahoam“ vergessen zu machen?

Nein, das ist schon ein Stachel, der ewig tief sitzen wird. Das war eine Heim-EM, bei der ich aufgrund gesundheitlicher Probleme nicht das zeigen konnte, was ich wollte und was ich unter normalen Umständen auch draufgehabt hätte. Aber es ist eine Europameisterschaft. Da geht’s um Titel. Und ich fahre nicht zu einer Meisterschaft, ohne den Willen zu haben, zu gewinnen. Aber eine Wiedergutmachung für München kann es natürlich nicht sein.

Sie haben aus dem Training heraus gleich mal den Weltcup in Zagreb gewonnen – macht Sie das auch zum Favoriten auf den EM-Sieg?

Wir haben heuer ein recht straffes Programm – aber eigentlich ist das ja immer so. Da musst du dann schon mal aus dem Training heraus eine Regatta fahren. Aber ja, das lief dann schon sehr gut. Ob mich das zum Favoriten für die EM macht? Das glaube ich nicht. Ich bin auch nicht der Titelverteidiger. Und es waren in Zagreb nicht alle Top-Ruderer dabei.

Aber zum Beispiel der ewige Rivale Sverri Nielsen. Der Däne war zweieinhalb Sekunden langsamer.

Ja, ich war schon zufrieden, dass ich meine gute Form aufblitzen lassen konnte. Ich habe den anderen schon mal gezeigt, dass ich gut drauf bin.

Was hat sich im Feld der Ruderer getan? Gibt’s interessante Neulinge? Wer sind die härtesten Konkurrenten?

Es gibt einige neue Namen. Wie die allerdings drauf sind, wird man in Bled sehen. Die EM ist eine gute erste Standortbestimmung. Und natürlich sind da noch die Konkurrenten aus den Vorjahren, aus Griechenland, Norwegen oder Bulgarien. Da darfst du niemanden unterschätzen.

Ihre „Winterpause“ war ja auch sehr interessant: Wie war denn der zweiwöchige Langlauf-Urlaub?

Das war kein Urlaub, sondern Training. Wir waren in Livigno auf 1800 Meter Höhe. In der Schweiz kann man wunderbar skaten.

Langlauf – hat Ihnen das immer schon Spaß gemacht?

Früher war Skisport für mich Abfahrt. In der Saison 2018/19 war ich dann mit dem Deutschland-Achter zum ersten Mal auf Langlauf-Ski, habe es da gelernt und Freude daran gefunden. Die vergangenen Winter habe ich es nebenbei gemacht. Ist mal was anderes, die kalten Temperaturen sinnvoll zu nutzen, ansonsten nervt uns Ruderer die Kälte ja eher. Außerdem ist Skating eine super Ausdauer-Einheit.

In der Vorbereitung haben Sie und Ihr Trainer besonders die Ausdauer trainiert – waren das die Lehren aus der EM oder hat das andere Gründe?

Mit der EM hat das weniger zu tun. Wir haben andere Schwerpunkte gesetzt. Es geht um weniger Intensität, dafür lange Einheiten im niedrigen Pulsbereich, um stabile Grundlagen aufzubauen. Bis jetzt bin ich sehr zufrieden. Die Werte, die regelmäßig gemessen werden, sprechen auch für diesen Trainingsaufbau. Wir haben eine sehr lange Saison mit den ersten Regatten im März und der WM im September. Da ist es sehr hart, immer das Topniveau zu haben. Ziel ist es, die Leistung auf den Höhepunkt zu steigern.

Das heißt: Der Oliver Zeidler im September wird noch ein anderes Niveau haben als der EM-Zeidler.

Das ist der Ansatz: Natürlich ist die EM wichtig, aber die WM zählt noch mehr. Man darf das auch als Testlauf für nächstes Jahr sehen, wenn sich alles auf Olympia ausrichtet. Wenn es heuer klappt, könnte dann unsere Planung als Blaupause für Paris dienen.

 Danach war für den 26-jährigen Schwaiger noch Zeit für einen Besuch auf dem CN-Tower.
 Danach war für den 26-jährigen Schwaiger noch Zeit für einen Besuch auf dem CN-Tower.  © privat

Über ein Highlight der Wintersaison müssen wir noch reden. Sie waren bei der Indoor-Rowing-WM in Kanada – wie kam es denn dazu?

Das habe ich auch wegen des Austragungsorts gemacht. Ich war ja schon 2019 dabei, damals in Los Angeles. Diesmal war es Toronto, wo ich auch das Drumherum und Sightseeing sehr genießen konnte. Aber auch der Wettkampf war sehr cool.

Erzählen Sie mal.

60 Leute saßen gleichzeitig auf den Ergometern – das Ganze fand auf einem Eishockeyfeld statt. Dann ging es los, alle gleichzeitig, 2000 Meter. Auf einem Großbildschirm konnten wir immer sehen, wer vorne lag.

Und das waren am Ende Sie. Gratulation zum nächsten WM-Titel.

Danke.

Womit wir beim nächsten Titel wären: die EM in Slowenien. Wie sieht der Zeitplan aus?

Wir sind schon seit Dienstag hier. Und jetzt schauen wir einfach, was das Wochenende bringt.

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