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Christiane Santen holte sechs Medaillen.

Ski alpin

Christiane Santen in den Anden: Angetrieben vom dampfenden Vulkan

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Das Ski-Ass des SC Auerbach war in Chile auf  Weltcup-Tour. Sie erlebte viele Abenteuer und einen wilden Vulkan.

Wartenberg/Nevados de Chillán – Bevor sich Christiane Santen den Hang runterwarf, schaute sie jedes Mal hoch zum Vulkan. Alle drei Minuten stieß der Nevados de Chillán wie eine alte Dampflok eine Rauchwolke in den Himmel. „Das war Luftlinie keine 300 Meter von unserer Piste entfernt“, erzählt die Wartenbergerin.

„Mit so einem Vulkan im Rücken bist du gleich nochmal ein bisschen schneller.“ Und wie schnell sie war! Die 48-jährige Skifahrerin vom Skiclub Auerbach gewann in ihrer Altersklasse bei den sechs Rennen in den Anden fünfmal Bronze (Riesenslalom, Slalom, Kombination und zweimal Super G) und und einmal Silber (Riesenslalom) – ein toller Auftakt der diesjährigen Weltcup-Serie.

Aber nicht nur wegen dieser Ausbeute habe sich die Reise nach Chile gelohnt. Santen mag Land und Leute. „Die Menschen hier sind so herrlich aufgeschlossen und hilfsbereit“, schwärmt sie. Als sie einmal ihre Kreditkarte versehentlich liegengelassen hatte, „wurde sie mir sofort zurückgebracht“. Das war auch gut so, denn der Trip war schon teuer genug – und anstrengend.

Über 17 Stunden habe die Anreise über Rom nach Santiago gedauert, erzählt Santen. Für ihre beiden Paar Skier musste sie auch noch satt Übergepäck zahlen. „Das war eigentlich anders ausgemacht“, stöhnt die gebürtige Badenerin. Aber letztlich seien die Erlebnisse unbezahlbar gewesen.

Gemeinsam mit ihrem Mann Martin blieb die Wartenbergerin,die 2017 nach 28 Jahren Pause mit dem Leistungssport wieder angefangen hat, drei Tage in der Hauptstadt Chiles („nette Menschen, aber eine sehr versmogte, typische Großstadt“), ehe es mit dem Auto 350 Kilometer südlich nach Nevados de Chillán ging.

Das Skigebiet in den Anden mit vielen mittelschweren Hängen liegt in etwa 2500 Meter Höhe. „Das ist vergleichbar mit den Gletschern in den Alpen. Deshalb hatte ich auch mit der Luft keine Probleme“, erzählt Santen, die von der Beschaffenheit des Schnees begeistert war. „Der ist etwas grobkörniger. Er ähnelt kleinen Styroporkugeln und ist viel griffiger als unser Schnee – und speziell unser Kunstschnee zuhause“, erklärt sie. Schneekanonen geben es ohnehin nicht.

Aber einen Vulkan. Der Nevados zählt zu den zehn aktivsten Spuckern der Welt. „Du hast immer diesen Schwefelgeruch in der Nase“, erzählt die Wartenbergerin und macht es noch deutlicher: „Es stinkt nach faulen Eiern.“ Und da wäre noch der eindringliche Rat der Einheimischen, den Santen zitiert: „Bei Vulkanwarnung sollst du dich in Sicherheit bringen – und damit meinen die Chilenen 30 Kilometer Abstand“, berichtet das Ski-Ass und malt sich aus: „Ist wohl nicht so toll, wenn du im Sessellift sitzt und der Vulkan zu grollen beginnt.“ Zuletzt ist er übrigens 2016 ausgebrochen.

Gut, dass man sich als Sportlerin irgendwann auf etwas anderes konzentrieren muss: die Rennen. Oder besser gesagt: auf die Vorbereitung darauf. Weil sich die österreichische und kanadische Nationalmannschaft die Skiräume im Hotel geschnappt hatten, musste sie im Hotelzimmer ihre Bretter präparieren. Wachs, Bügeleisen – das hatte sie natürlich dabei. Sonst wäre sie chancenlos gewesen im Wettstreit der insgesamt 16 Nationen.

Die jüngsten Teilnehmer waren 30 Jahre alt, aber auch ein 91-jähriger US-Amerikaner ging an den Start der insgesamt sechs Weltcup-Rennen. „Drei gelten als chilenische und drei als brasilianische Veranstaltungen“, erklärt Santen, die in der Klasse der 45- bis 50-Jährigen an den Start ging.

Für die Wartenbergerin ging es mit Platz zwei im Riesenslalom gleich sehr gut los. Noch stolzer machte sie aber ihr Slalomlauf, der ihr zwar „nur“ Bronze einbrachte, „aber da war ich nur drei Sekunden langsamer als Lisa“. Sie meint damit die US-Amerikanerin Lisa Densmore, die 1980 als Lisa Feinberg in Lake Placid bei den Olympischen Spielen dabei war und nun die gesamte Konkurrenz in Grund und Boden fuhr.

Auch diese Erinnerung nimmt sie mit – und die 380 Weltcup-Punkte, bevor es nun in Europa mit den Rennen weitergeht. Über 40 sind es insgesamt. „Den Auftakt wollte ich auf keinen Fall verpassen“, sagt sie.

Zum Skifahren in die Anden düsen – ist das ökologisch vertretbar? „Natürlich bin ich mir der Problematik bewusst“, sagt Santen. „Es war unser Sommerurlaub, wir schauen schon, dass wir nicht so viel fliegen.“

Und schließlich sei es ja nicht nur ein Kurztrip gewesen. „Wir waren drei Wochen hier und haben sehr viel erlebt.“ Santen, die im Erdinger Fitness-Studio Body and Soul Spinning- und Yoga-Kurse gibt, spricht zwar fließend badisch, aber kein spanisch. Ihr Mann auch nicht, und so kam es, dass sie sich in einem Restaurant einen Salat mit einem „Salat“ bestellte.

Und dann war da noch die Geschichte mit der Besteigung des Vulkans Antuco. Santen erzählt: „Wir hatten eine Tour gebucht und uns entsprechend mit Winterkleidung ausgestattet.“ Letztlich habe sich die Tour aber als Kaffeefahrt zum ehemaligen Austrittsloch des Vulkans erwiesen. „Wir mussten keine fünf Minuten laufen. Dafür saßen wir stundenlang in Skiklamotten im Bus, und um uns rum lauter Menschen in T-Shirts“, erzählt sie lachend.

Oder die Geschichte mit dem Nationalfeiertag, „an dem du nirgends, wirklich nirgends, zum Essen gehen kannst. Wir haben uns dann von einer Flasche Rotwein und einer Tüte Chips ernährt“, sagt Santen, die auch die chilenischen Autobahnen spannend findet: „Traktoren, Fahrräder, Jogger – da ist alles unterwegs.“ Sie selbst wird am morgigen Donnerstag wieder auf den bayerischen Autobahnen sein. Dann geht’s zum Gletschertraining in die Alpen. Ohne Vulkan, aber mit dem der Wartenbergerin eigenen Feuereifer.

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