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So läuft’s: Sebastian Bönig (r.) spricht mit Maurice Opfermann. 

Die Bundesliga-Saison 2019/20

Co-Trainer Sebastian Bönig spricht über das Union-Jahr

  • Dieter Priglmeir
    vonDieter Priglmeir
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Der Erdinger ist seit 15 Jahren Teil des Berliner Kultvereins. Aber das war sein wohl intensivstes Jahr. Bönig spricht über Geisterspiele, besondere Siege und Cheftrainer Urs Fischer.

Er war ein hochtalentierter Spieler, dessen Weg aus der 2. Liga in die Bundesliga nur eine Frage der Zeit schien. Dann stoppte ihn eine Verletzung. Aber Sebastian Bönig, definitiv einer für unsere Serie die 100 größten Sportler aller Zeiten, hat seinen Weg gemacht. Bei Union Berlin. Erst als Spieler, dann als Trainer. Er spricht über die Hammersaison 2019/20.

Der Fehlstart: „Wir hatten eine riesige Vorfreude auf die Saison. Und dann wirst du am ersten Spieltag von Leipzig aus dem Stadion geschossen. Wir haben uns gesagt: Wir müssen schnellstmöglich dazulernen. Dann kam das 1:1 in Augsburg. Das war der letzte Spieltag, an dem wir auf einem Abstiegsplatz standen.“

Der 3:1-Sieg gegen Borussia Dortmund:„Die Atmosphäre in der Alten Försterei war wieder mal sensationell. Aber es war noch viel mehr. Der Sieg hat uns gezeigt: Wir können mithalten, wir sind konkurrenzfähig. Das hat richtig gutgetan.“

Weitere Highlights der Saison: „Die Siege gegen Hertha und in Köln am viertletzten Spieltag. Das 3:0 am letzten Spieltag gegen Düsseldorf zähle ich definitiv auch dazu. Wir waren ja schon durch und haben trotzdem eine herausragende Leistung geboten. Die Mannschaft hat sich am Limit bewegt, weil sie weiß, dass wir mit 70 Prozent gar nicht gewinnen können. Wir haben gezeigt, dass für uns jedes Bundesliga-Spiel ein Festtag ist.“

Cheftrainer Urs Fischer:„Er bereitet die Mannschaft akribisch auf das nächste Spiel vor und findet immer die richtigen Worte. Das liegt auch an seiner Erfahrung. Er war ja selbst ein riesen Fußballer: Die wenigsten werden wissen, dass Urs Rekordspieler in der Schweiz ist.“

Die Derbys gegen die Hertha:„Ein 1:0 durch einen Elfmeter in letzter Minute – klar, dass da die Emotionen kochen. Die Nummer eins in Berlin zu sein, das ist aber eher ein abstrakter Wert und für uns Trainer nicht wichtig. Unser Ziel war von Beginn an der Klassenerhalt. Aber natürlich sind die Zuschauer dankbar für solche Siege. Als dann bei Hertha die Dinge mit Klinsmann liefen, haben wir uns nicht über den Nachbarn lustig gemacht, sondern uns weiter auf uns selbst konzentriert. Tja, dann hat Hertha in der Winterpause für viele Millionen Euro wahnsinnige Qualität eingekauft. Wir haben das beim 0:4 in der Rückrunde zu spüren bekommen.“

Geisterspiele 1:„Natürlich fehlen die Fans. Speziell unsere geben ja immer richtig Gas. Auch auswärts entwickeln sie so eine Wucht. Ohne sie zu spielen, das war nicht schön.“

Geisterspiele 2: „Wir Trainer konnten mit verbalem Coachen mehr Einfluss nehmen. Du erreichst die Spieler einfach besser.“

Geisterspiele 3: „Die Atmosphäre zwischen Spieler und Schiedsrichter ist entspannter. Allerdings habe ich festgestellt, dass die Schiris extrem auf Schreie reagiert haben. Das hat mich schon überrascht“

DFB-Pokal: „Wir sind bis ins Viertelfinale gekommen, haben in Leverkusen ein gutes Spiel gemacht. Eine gelb-rote Karte nach einer Stunde brachte die Entscheidung. Schade, denn im Halbfinale wären wir auf Saarbrücken gekommen.“

Hermann Gerland:„Als wir in der Allianz-Arena spielten, war das für mich schon ein besonderes Heimkommen. Ich kenne ja noch viele Leute vom Bayern-Staff und natürlich Hermann Gerland. Er hat mich in der Jugend geprägt mit seiner – meiner Meinung nach notwendigen – Härte. Es gab Tage, da habe ich ihn für seine deutliche Ansprache gehasst. Aber es hat mich weiter gebracht, und menschlich ist er einfach ein klasse Typ.“

Freundschaften im Profifußball:„Zwischen Spieler und Trainer kann es die nicht geben. Du brauchst die nötige Distanz, denn du musst ja auch unangenehme Entscheidungen treffen. Wichtig ist mir aber schon, dass ich meine Erfahrungen – und ich habe ja doch einiges erlebt – mit den Spielern teile und sie berate.“

Die Doppelbelastung als Co-Trainer und DFB-Lizenzanwärter: „Das sind wirklich zwei Aufgaben, mit denen du Vollzeit beschäftigt bist. Dass dies Daniel Bierofka vergangenes Jahr als Cheftrainer von 1860 geschafft hat – Wahnsinn. Ich war von Sonntag bis Mittwoch in Hennef und am Donnerstag in Berlin wieder auf dem Platz. Das Ganze hat nur funktioniert, weil mich meine Trainerkollegen unterstützt haben.“

Seine Zukunftspläne:„Ich mag meine Assistentenrolle und die Zusammenarbeit mit Urs und Markus. Ich habe hier einen unbefristeten Vertrag. Aber im Fußball kann es ja sehr schnell gehen und der Tag kommen, an dem ich die Alte Försterei verlassen muss. Aber daran will ich noch gar nicht denken. Ich bin seit 15 Jahren Unioner. Das ist mein Verein.“

Der schönste Fußball: „Es geht letztlich immer ums Ergebnis. Aber was die Bayern unter Hansi Flick gerade spielen mit dem Ballbesitz und schnellem Umschalten, gefällt mir schon sehr gut.“

Das zweite Bundesliga-Jahr: „Es wird wieder eine Hammer-Herausforderung. Einige Spieler aus der Aufstiegsmannschaft werden uns verlassen. Die Mannschaft bekommt eine neue Struktur. Auch an der Spielphilosophie arbeiten wir. Zudem hat der Verein viel vor, will das Stadion auf 35 000 Zuschauer erweitern und das Nachwuchsleistungszentrum aufbauen. Wir haben viel zu tun.“ 

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