In Palm Beach besucht Verena Weindl die Uni. Auf dem Foto l. sitzt sie vor der Kapelle zusammen mit Vanessa Buchbinder (r.), einer ehemaligen, deutschen Teamkollegin vom Bodensee.
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In Palm Beach besucht Verena Weindl die Uni. Auf dem Foto l. sitzt sie vor der Kapelle zusammen mit Vanessa Buchbinder (r.), einer ehemaligen, deutschen Teamkollegin vom Bodensee.

TENNIS

Verena Weindl: College, Strand und Tennis mit Tommy Haas

  • VonOlaf Heid
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Die Neuchingerin Verena Weindl lebt in Florida ihren Traum. Täglich hat sie drei Stunden Training,

Neuching/Palm Beach – Studieren unter Palmen, ein kurzer Weg zum Strand, dazu ihrem geliebten Tennissport nachgehen – für Verena Weindl aus Neuching ist dies seit zweieinhalb Jahren Realität. In Florida, wo andere Urlaub machen, studiert sie Marketing am College von Palm Beach, knapp 100 Kilometer nördlich von Miami. Dank eines Tennis-Stipendiums sind die Kosten gedeckelt.

Weindl trainiert und spielt dafür in der College-Mannschaft. „Ich habe vor Jahren meinen Bruder Michael in den USA besucht, als er auf diese Weise dort studiert hat. Das hat mir sehr gut gefallen“, sagt sie. „Die Stimmung in der Mannschaft und um die Tennisspiele herum ist eine ganz andere als in Deutschland. Das hat mich fasziniert.“

Der Bruder war auch schon da

Die Möglichkeit, Bildung und Sport zu kombinieren, hat die 21-Jährige auch nicht bereut. „Mir gefällt’s hier“, sagt sie. Ihr Marketing-Studiengang eröffne ihr international die Türen für den späteren Berufsweg. „Damit habe ich hinterher viel mehr Möglichkeiten zu wählen, nicht nur in der Heimat.“ Sie war nie abgeneigt, auf englisch zu studieren, denn die Sprache habe sie von jeher fasziniert. Italienisch, ihre Zweitsprache am Gymnasium, habe sie nicht so gereizt.

Der Anreiz, im Sunshine-State zu leben, war groß. Eigentlich hatte sie sich nicht viel Hoffnung gemacht, ein Stipendium zu erhalten, „weil ich nicht so gut wie mein Bruder (Anm. der Red: er ist Profi) und immer mehr auf die Schule fokussiert war“. Doch ihre Bewerbung hatte trotzdem Erfolg – den Gang nach Palm Beach hat sie bis heute nicht bereut.

Verena Weindl hat sich mit den Unterschieden zwischen Europa und den Vereinigten Staaten arrangiert. „Das System hier ist anders. Hier wohnen und spielen wir an der Uni und für sie“, schwärmt sie. Der Vormittag und manchmal auch die Abende gehören den Vorlesungen, der Nachmittag dem Training. Drei Stunden sind täglich Pflicht. Entweder auf dem Court, im Team oder alleine. Zwei Tennistrainer kümmern sich um das Damenteam des Colleges, das in der zweithöchsten Klasse der USA (Division 2, Sunshine-State-Conference) aufschlägt. Dazu gehört aber auch ein Fitnesscoach, der für viel anstrengende Abwechslung im Studio oder sogar auf dem Footballfeld sorgt.

„Die Lebensweise der Amis ist offener. In meinem ersten Jahr habe ich das gleich gemerkt, als ich bei meiner Gastfamilie lebte und sehr herzlich aufgenommen wurde. Mit ihr habe ich immer noch Kontakt, obwohl ich nun am Campus wohne. Wir unternehmen regelmäßig an den Wochenenden etwas zusammen“, erzählt Weindl. „Ich bin keine Ausnahme. Ich habe von vielen Mädchen gehört, dass sie ihre Zweitfamilie in Florida haben.“

Ein Eis mit Sabine Lisicki

So lief die Eingewöhnungsphase reibungslos für die Neuchingerin, die nach ihrem Bachelor-Abschluss in 2022 eventuell noch einen Magister-Studiengang dranhängen und damit weitere Jahre in den Staaten verbringen könnte. So oder so – Weindl erlebt bereits jetzt einen Höhepunkt ihres Lebens.

Verena Weindls Doppelpartnerin ist Texanerin: Madison Bezner (l.).

Sportlich kann sie, die bei Papa Erwin auf der kleinen Anlage der SpVgg Neuching mit dem Tennis angefangen hat und früh zum TC Erding wechselte, zurückblicken auf einen Oberbayerischen Meistertitel in der Altersklasse U10 (Kleinfeld). Dazu spielte sie mit 15 bei den Landesliga-Damen des TCE mit. Inzwischen ist sie – wie ihr Bruder – seit zwei Jahren beim TC Ismaning gelandet, „weil es in Erding nicht mehr gepasst hat“, peilt dort heuer als Mitglied der Damen 2 in der Super-Bezirksliga den Aufstieg in die Landesliga an – „wenn uns Corona lässt“.

Der Sprung nach Florida ist für sie aber ein großer Erfolg. Denn ab dem Alter von 16 Jahren plagte sie sich mit Handgelenkproblemen herum, rechts wie links waren abwechselnd betroffen. „Da konnte ich fast nicht spielen, ein Jahr lang als beidhändige Rückhandspielerin maximal nur eingeschränkt Slice spielen, im anderen Jahr nur Vorhand-Slice – und alles nur mit Schmerztabletten.“ Doch Verena Weindl bekam die „Geschichte“ in den Griff und konnte darum die Stipendium-Gelegenheit beim Schopfe packen. „Darüber bin ich sehr glücklich“, betont sie.

In Palm Beach fühlt sich die 21-Jährige wohl. Große Ausflüge muss sie nicht machen. Vorort habe sie alles, sagt sie: Uni, Tennis, Strand und Meer. „Das ist hier schon irgendwie Urlaub.“ Natürlich war sie aber schon im benachbarten Orlando („Disney World war toll“), oder einmal bei einem Kurztrip auf den Bahamas.

Doppelspiele mit Maske

Und deutsche Tennis-Promis hat sie auch schon getroffen. Sie war auf ein Tenniscamp von Tommy Haas eingeladen und traf den Ex-Profi abseits des Trainingsprogramms an einer Eisdiele mit Sabine Lisicki. „Wir haben uns eine halbe Stunde allgemein unterhalten: Es war sehr lustig und zugleich interessant, mit zwei Profis über alltägliche Dinge zu reden.“ Es habe hier viel Auftrieb gegeben, sagt sie.

Im Tennis kann und will sich die Rechtshänderin weiter verbessern – für ihre eigene Karriere als Spielerin und auch als Trainerin. „Mit Kindern zu üben macht so viel Spaß, das werde ich auch nach dem Studium neben dem Beruf beibehalten.“

Verena Weindl stellt sich den sportlichen Herausforderungen: „Hier wird hart trainiert, nicht härter im Vergleich zu Deutschland, aber mehr“, erklärt sie. „Die drei Stunden Pflichttraining in der Hitze sind alleine schon anstrengend“, aber durchaus verkraftbar. 13 (Hart-)Plätze, zwei Fitnessstudios stehen den Freunden des Tennissports am College zur Verfügung. „Es ist eine sehr schöne Sportanlage, die optimale Bedingungen bietet, um sich zu verbessern“, schwärmt die 21-Jährige. „Wir können auch mehr trainieren, daran wird keiner gehindert.“

In einem Tenniscamp traf Verena Weindl auf Ex-Profi Tommy Haas.

Ihr Fitness-Zustand ist dementsprechend gut. Allerdings kommt sie in der Unimannschaft derzeit nur im Doppel zum Einsatz. „Hier gibt es Sechserteams wie daheim, aber es wird mit den Doppeln angefangen und nur ein Satz gespielt. Wer zwei der drei Doppel gewinnt, geht 1:0 in Führung vor den Einzeln. Und wir spielen alles im No-Ad, also ohne Vorteil beim Einstand (40:40), damit alles schneller geht.“ Sie schwärmt von der Atmosphäre bei Wettkämpfen: „Hier sind es richtige Events mit vielen Zuschauern. Da ist alles um einiges lauter als in Deutschland. Daran, dass es Anfeuerungs- und Zwischenrufe gibt, musste ich mich auch erst gewöhnen“, gesteht sie. Inzwischen ist es aber kein Problem mehr. Der Lärm von außen hat sie abgehärtet, erfahrener gemacht.

Sie vermisst das deutsche Brot

Sie genießt die Spiele und aufgrund Corona nur kurzen Reisen innerhalb Floridas. Die Pandemie hat auch auf ihr Leben Auswirkungen: An der Uni gelten generell strengere Regeln als außerhalb des Campus. „In den Vorlesungen sind zwischen den Sitzplätzen Scheiben angebracht. Da sitzen wir wie in einem Glaskasten“, erklärt die Neuchingerin und berichtet zudem über offene Restaurants, Clubs und Bars. „Da merkt man die Regularien nicht so stark. Wir hatten hier nur einen kurzen Lockdown, bei dem auch die Strände gesperrt waren“, erinnert sich Weindl. Die Testpflicht hingegen nerve sie ein bisschen. „Einmal wöchentlich müssen wir uns testen lassen, weil wir Tennis spielen. Auch nach den Matches werden hier alle getestet.“ Das Schlimmste: „Doppel mussten wir eine ganze Weile mit Maske spielen.“

Die Abwahl von Präsident Donald Trump hat sie mit viel Abstand verfolgt. Getroffen oder gesehen hat sie den in Palm Beach ansässigen Unternehmer nie persönlich. Auch das Finale im Football, das Spektakel um den Super Bowl verfolgte die 21-Jährige aus der Ferne. „Im Vorjahr gab es in der Innenstadt noch eine Party. Der Hype war aber heuer nicht so groß. Man konnte coronabedingt nicht so viel machen. Wir haben nur gegrillt und das Spiel nebenbei geschaut.“

Nun geht es für Verena Weindl am Ende ihres Semesters bald wieder nach Hause. Worauf sie sich freut, ist klar: „auf meine Familie und Freunde“, sagt sie und ergänzt lachend: „Und auf deutsches Essen. Ich vermisse deutsches Brot, das amerikanische kannst du fast nicht essen. Das war für mich die größte Umstellung.“ So schön es in Palm Beach auch ist, daheim in Neuching schmeckt es doch am besten. Palmen hin, Strand her.

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