Eigentlich muss Skifahrerin Christiane Santen trainieren. Doch dazu hat sie keine Zeit. Sie näht unermüdlich Mundschutz für Familie, Freunde und Caritas.
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Ab 3.30 Uhr morgens sitzt Christiane Santen derzeit an der Nähmaschine. Vor wenigen Wochen hatte sie noch drei Medaillen bei den Deutschen Masters in Hochfügen abgesahnt. 

Bereits 200 Stück gefertigt

Die Ski-Weltcup-Dritte aus Wartenberg näht jetzt Mundschutz

  • Dieter Priglmeir
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Eigentlich muss Skifahrerin Christiane Santen trainieren. Doch dazu hat sie keine Zeit. Sie näht unermüdlich Mundschutz für Familie, Freunde und Caritas.

Wartenberg– Ihre Saison hatte in Chile begonnen und endete vor wenigen Wochen abrupt mit dem Ausbruch der Corona-Krise. Christiane Santen, eine Skiläuferin aus Wartenberg, schloss den Masters-Gesamtweltcup auf Rang drei ab und ist schon in freudiger Erwartung der redlich verdienten Kristallkugel, die die FIS ihr wohl in den nächsten Tagen zuschicken wird. 

Inzwischen sind die Skier im Keller „eingesommert“, wie Santen sagt. Sie habe sich einen Stepper ausgeliehen, auf dem sie eine Stunde Sport macht. „Spazieren, walken – das war’s aber auch schon. Eigentlich müsste ich auch Muskeltraining machen“, sagt die 49-Jährige, aber dafür habe sie derzeit keine Zeit. Ab 3.30 Uhr morgens sitze sie an der Nähmaschine und fertige Mundschutz. „Fuß heben und senken – das ist zurzeit mein Sport“, meint sie lachend.

Weltcup-Dritte näht für Caritas

Santen näht den Schutz für die Mitarbeiter ihrer Schwester, die eine Elektrofirma hat. Und auch der Caritas bringe sie die fertigen Teile vorbei. „200 Stück habe ich bereits gefertigt“, erzählt sie.

Der Sport sei eben momentan Nebensache. Zwar habe die FIS bereits den Rennkalender für die neue Saison fertig. Im September soll der Masters-Weltcup in den Anden Argentiniens beginnen. „Aber wir haben da noch keinen Flug gebucht. Keiner weiß, wie es weitergeht“, sagt Santen. Aber klar, irgendwann wird es weiter gehen, und zwar mit der diesjährigen Weltcupdritten.

Bis zur Corona-Krise hatte die 49-Jährige schließlich eine starke Saison hingelegt und zum Beispiel im italienischen Pila drei Siege in Slalom und Riesenslalom eingefahren. Einer der Höhepunkte waren die Masters in Hochfügen, wo 390 deutsche Rennfahrer an den Start gegangen waren. „Es waren wirklich tolle deutsche Meisterschaften“, erzählt Santen begeistert, „aber es war auch nicht einfach dort zu fahren.“

70 Skitage in dieser Saison

Besonders das schnelle Fahren sei nicht ihr Favorit. „Meine Disziplin ist das Slalomfahren. Da fühle ich mich am allerwohlsten“, fügt die Sportlerin hinzu. Und genau dort habe sie bei diesen Meisterschaften auch den größten Sprung geschafft. In der Altersklasse 45 bis 50 wurde sie mit zwei mal Silber belohnt, nämlich im Slalom und auch im Riesenslalom. Und beim Super-G kam auch noch eine Bronzemedaille dazu.

Eine tolle Leistung, wenn man bedenkt, wie es vor drei Jahren ausgesehen hat. „Als ich da nach langer Pause wieder angefangen habe, war ich ganz erschrocken, wie langsam ich eigentlich bin“, erzählt sie. Nur viel Training habe Santen dahingebracht wo sie heute steht. Alleine in dieser Saison habe sie 70 Skitage absolviert. „Ich habe aus Liebe zum Rennenfahren wieder damit angefangen“, beschreibt sie ihren Werdegang. Und sie wird wieder weitermachen – sobald Corona und Nähmaschine Geschichte sind.

Dieter Priglmeir und Franziska Polenz

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