Bestens zurecht kam Patrick Dogue bei seinem olympischen Wettkampf mit Pecora. Die beiden schafften einen fehlerlosen Ritt. Die Chancen auf eine Medaille hatte der 29-Jährige aber schon im Fechten vergeben.
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Bestens zurecht kam Patrick Dogue bei seinem olympischen Wettkampf mit Pecora. Die beiden schafften einen fehlerlosen Ritt. Die Chancen auf eine Medaille hatte der 29-Jährige aber schon im Fechten vergeben.

OLYMPIA: Diskussionen um den Modernen Fünfkampf

Patrick Dogue: „Da waren auch Morddrohungen dabei“

  • Dieter Priglmeir
    VonDieter Priglmeir
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Der in Oberdorfen aufgewachsene Patrick Dogue äußert sich über die Kritik am Modernen Fünfkampf und sein Abschneiden bei den Olympischen Spielen in Tokio.

Tokio/Oberdorfen – Mit Platz 20 im Gepäck ist Patrick Dogue aus Tokio zurückgekehrt. Fünf Jahre zuvor hatte er in Rio mit Rang sechs nur knapp eine Medaille verpasst. Diesmal war der Frust des in Oberdorfen aufgewachsenen Modernen Fünfkämpfers deutlich größer. Das hatte auch damit zu tun, „dass der Sport, der so schön und für die Zuschauer auch so spannend ist, dermaßen in Verruf geraten ist“.

Der 29-Jährige macht jetzt – die Sportsaison ist eh beendet – erst einmal Pause. Sofern es Corona erlaubt, will er mit dem Camper in den Süden fahren und auch in Dorfen vorbeischauen. Aber er überlegt auch, ob er überhaupt weitermacht: „Ich liebe meinen Sport, aber ich möchte nicht als Teil einer Tierquäler-Gesellschaft angesehen werden.“ Dogue ärgert sich über Anfeindungen in den sozialen Medien. Er sagt aber auch: „Es muss was geändert werden.“

Ich liebe meinen Sport, aber ich möchte nicht als Teil einer Tierquäler-Gesellschaft angesehen werden.“ 

Patrick Dogue

Damit meint er aber nicht, dass Reiten nicht mehr Teil des Wettbewerbs sein soll oder gar durch Radsport ersetzt werden soll. „Ich weiß nicht, wie man auf so eine Idee kommt. Weil Radfahren auch was mit Balance zu tun hat?“, wundert sich Dogue. „Wenn man Reiten rausnimmt, ist das kein Moderner Fünfkampf mehr. Dann machen wir irgendetwas anderes.“

Video: So wird sich gegen den Tierquäler-Vorwurf gewehrt

Ausgelöst wurde die Debatte um den Modernen Fünfkampf während des Wettbewerbs der Frauen, als Annika Schleu ihr zugelostes Pferd* nicht auf den Parcours bringen konnte, dabei auch die Gerte einsetzte. Dann war auch noch Bundestrainerin Kim Raisner zu hören: „Hau drauf, hau mal richtig drauf.“

Ein spezieller Reittrainer hätte anders reagiert, da ist sich Dogue sicher. „Wir haben bei den Olympischen Spielen Gold 2012 und 2016 verloren, weil wir das Reiten verkackt haben. Deshalb haben wir gebeten, dass uns heuer – wie übrigens bei den Wettkämpfen in den Jahren dazwischen – ein Reittrainer zum Wettkampf begleitet“, erklärt der Sportsoldat. Der Verband habe dies abgelehnt.

Kein Problem sieht Dogue dagegen darin, für das Kennenlernen des Pferdes nur 20 Minuten Zeit zu haben – zumindest, solange die Pferde beim Wettkampf mehrfach im Einsatz sind. „Eine längere Einreitzeit wäre für das Pferd zu viel.“ Ihm persönlich würden die 20 Minuten ohnehin reichen. „Aber natürlich ist ein Pferd ein Lebewesen, das halt ab und zu auch mal eine andere Meinung hat als der Sportler.“

Dogue glaubt: „Was Annika gemacht hat, sah im Fernsehen schlimm aus. Ich glaube aber, das Pferd hat das nicht wahrgenommen.“ Die Gerte habe eine gewisse Länge. „So fest kann man damit gar nicht zuhauen.“ Zudem sei sie ein legales Mittel, um ein Tier zu erziehen. „Wenn es darum geht, müssen wir die Diskussion um den Pferdesport allgemein führen“, sagt Dogue. Wichtig sei ihm noch: „Das sind ja auch keine Tiere, die wir einfach so von der Koppel holen. Das sind trainierte und vorbereitete Turnierpferde.“

Verantwortlich für die schlimmen Bilder, vor allem beim Wettbewerb der Frauen, sind laut Dogue die Turnierorganisatoren, die den Wettkampf auf ein zu hohes Niveau gehoben haben. „Außer bei Olympia hat der Verband nie die finanzielle Möglichkeiten für Pferde, die über 1,20 Meter hohe Hindernisse springen können, was viele im Vorfeld gar nicht trainieren können.“ Bei den sonstigen Wettbewerben seien deshalb die Hindernisse um 15 Zentimeter niedriger. „Da springt dann bei Olympia schon mal die Angst mit“, erklärt der Athlet.

Pferde sind Herdentiere. Sie haben sich am Abreitplatz wohlgefühlt. Und dann werden sie durch einen dunklen Tunnel ins hell erstrahlte Stadion geführt. Ist doch klar, dass sie den Drang haben, sofort zurück zu wollen.“

Patrick Dogue

Ein weiteres Problem in Tokio: Der Aufwärmplatz war weit außerhalb des Stadions. „Pferde sind Herdentiere. Sie haben sich am Abreitplatz wohlgefühlt. Und dann werden sie durch einen dunklen Tunnel ins hell erstrahlte Stadion geführt. Ist doch klar, dass sie den Drang haben, sofort zurück zu wollen.“

Nach dem Drama um seine Kollegin versuchte Dogue abzuschalten und sich auf seinen Wettkampf am nächsten Tag zu konzentrieren. „Aber das Echo der Zeitungen und vor allem der sozialen Medien war wirklich brutal.“ Auch er sei von fremden Menschen angefeindet worden. „Da waren auch Morddrohungen dabei“, erzählt er. In der Nacht habe er kaum ein Auge zugemacht. „Ich bin immer wieder den Parcours durchgegangen und habe mir gedacht: Hoffentlich geht alles gut.“

In der Nacht habe ich kaum ein Auge zugemacht. ch bin immer wieder den Parcours durchgegangen und habe mir gedacht: Hoffentlich geht alles gut.

Patrick Dogue

Den Trainern sei das natürlich auch aufgefallen, dass er kaum Schlaf gefunden habe. Den Wettkampf an sich hat Dogue dann auch schon mit der ersten Disziplin verloren. „Das Fechten war eine Katastrophe“, sagt er. Von 35 Duellen hatte er nur elf für sich entscheiden können. Seine Schwimmzeit, 2:04 Minuten auf 200 Meter, bezeichnet er als „mittelmäßig“. Nach zwei Disziplinen lag er lediglich auf Rang 34. Besser lief es dann ausgerechnet beim Reiten. Auf Pecora gelang dem 1,97 Meter großen Soldaten ein fehlerfreier Ritt. Auch der Combined-Wettbewerb – also vier Runden à 800 Meter laufen und dazwischen mit der Laserpistole auf die zehn Meter entfernte Scheiben zielen – lief laut Dogue „okay, aber letztlich war einfach die Luft raus“. Am Ende war es Platz 20. „Ich habe alles gegeben. Es ist wirklich schade.“ Das Positive an Tokio 2021: Die nächsten Spiele 2024 sind absehbar. Dogue: „Ich hoffe, dass in drei Jahren die Geschichte besser läuft.“ Sofern er dann noch teilnimmt. *fuldaerzeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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