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Darum hört Altenerdings Handballchef Werner Lauer auf

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Im Gespräch mit Sportchef Dieter Priglmeir erklärte Werner Lauer (l.) die Gründe, warum er als Abteilungsleiter aufhört.  Foto: Hans Moritz

Werner Lauer spricht über überzogene Erwartungen und fordernde Eltern

Altenerding – Riesenüberraschung bei den Handballern der SpVgg Altenerding. Abteilungsleiter Werner Lauer hat mit sofortiger Wirkung sein Amt niedergelegt. Kommissarisch wird sein bisheriger Vize Christian Bauer die Sparte leiten.

In einer Stellungnahme auf der SpVgg-Homepage würdigte Bauer Lauers Einsatz für die Abteilung. Der sei nicht zu toppen. Er machte aber auch klar, dass er „den Vorsitz der Handballer auf Dauer nicht übernehmen“ werde. Eventuelle Nachfolgekandidaten gibt es derzeit noch nicht, zumindest nichts „Spruchreifes“. „Wir suchen jetzt erst einmal das Gespräch mit verschiedenen Leuten“, kündigte Bauer an. Man werde vermutlich eine Ergänzungswahl anstreben. Hierfür wäre eine außerordentliche Mitgliederversammlung notwendig.

Lauer, der seit sechs Jahren das Amt innehatte, zog die Konsequenzen aus den immer wiederkehrenden Anfeindungen gegen seine Person. „Mir wurde die Verantwortung für Verfehlungen zugesprochen, die eindeutig nicht in meinem Verantwortungsbereich liegen“, wird er auf der Homepage zitiert. „Das betrifft zum Beispiel das gescheiterte Projekt Leistungszentrum, aber auch die Abwanderung einzelner Jugendlicher zu anderen Vereinen, Trainerfragen und Trainerwechsel – oft auch Dinge, für die es einen Beschluss der gesamten Abteilungsleitung gab.“ Im Interview mit der Heimatzeitung wurde der 69-Jährige noch deutlicher.

Herr Lauer, dass Sie Gegenwind bekommen, ist ja nichts Neues. Was war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat?

Es war nicht der eine Tropfen. Es waren ein paar Dinge, die mich dazu bewogen haben. Ich will das aber nicht mehr aufwärmen.

Ging es um den Leistungs- oder den Breitensport?

Gut, die Herren spielen in der Landesliga, aber ist das wirklich schon Leistungssport? Die trainieren zweimal die Woche. Fängt da für Sie schon der Leistungssport an? Ohne überheblich klingen zu wollen: Ich habe da andere Ligen erlebt.

Wo haben Sie selbst gespielt?

Bei Frisch Auf! Göppingen, aber das ist jetzt nicht wichtig und schon 50 Jahre her. Ich will damit nur sagen, dass wir in der jetzigen Situation in Altenerding nur anspruchsvollen Breitensport anbieten können.

Andere Vereine in vergleichbarer Größe denken da größer.

Sie denken vermutlich an Anzing oder Ebersberg. Das sind Vereine, die sich eine Ecke des Handballs aussuchen. Alle anderen werden vernachlässigt. Wir aber bedienen alles. Und da wird es schon schwer, in die Bayernliga zu kommen. Es gibt einen Beschluss, wonach bei uns kein Spieler finanziell entlohnt werden darf. Und da bist du natürlich in der Akquise von Neuzugängen reduziert.

Ist das einer der Beschlüsse der gesamten Abteilung, den sie persönlich vielleicht anders getroffen hätten?

Nein, definitiv nicht. Es ist unglaublich, welche Gelder schon in der Landesliga gezahlt werden. Nein, da stecke ich lieber 1000 Euro in die Jugend.

Aber die Handballherren sind doch das Aushängeschild des Vereins.

Und trotzdem sind das nur 20 bis 25 Aktive in einer 500 Mitglieder starken Abteilung. Klar, sie bringen mehr Zuschauer als alle anderen, und trotzdem werden sie genauso behandelt wie alle anderen. Deswegen können wir da auch keine Riesengelder für Trainer zahlen.

Aber der Herrentrainer wird doch der größte Ausgabenposten sein?

Ob Herren- oder Frauentrainer – da bekommt keiner mehr Geld.

Apropos Trainer – in Ihre Amtszeit fallen einige Entlassungen, wofür es auch viel Kritik hagelte. Würden Sie im Nachhinein manchmal anders entscheiden?

Ja, das muss ich zugeben. Da war schon etwas dabei, was ich heute nicht mehr so machen würde.

Nämlich?

Das will ich jetzt nicht mehr aufwärmen.

Die Situation um die Handball-Herren scheint Sie zu beunruhigen. Ist der Kader stark genug für die Landesliga?

Das wird man sehen. Ich bin nicht mehr so nah dran. Wir haben zwei Abgänge, aber auch einen Neuzugang aus Fürstenfeldbruck. Klar, es wird schwierig, weil die Landesliga heuer noch stärker ist. Aber noch mehr Sorgen bereiten mir die Herren 2, weil die Bezirksliga enorm gut ist.

Sie sind immer noch so richtig dabei. Ich verstehe noch immer Ihre Rücktritt-Entscheidung nicht. Was hat Sie mürbe gemacht?

Es ist einfach zu viel zusammengekommen. Ich wurde von Eltern persönlich verantwortlich gemacht, weil Jugendspieler den Verein gewechselt haben. Ich kann doch nicht ständig jeder Spielerin oder jedem Spieler nachrennen und fragen, ob er bei uns bleibt.

Aber es ist schon bitter, wenn die größten Talente abwandern.

Ja, aber wir reden nicht nur von den sehr Begabten. Wir reden auch über Leute, die sich die Bayernliga zutrauen, nur weil sie unfallfrei geradeaus laufen können. Das andere ist das Anspruchsdenken mancher Eltern. Die zahlen 45 Euro Jahresbeitrag, und dann denken sie, dass das hier ein Selbstbedienungsladen ist. Da muss man auch mal klipp und klar sagen, dass das so nicht geht. Und auch das macht müde. Wenn man dann am Heimspielwochende samstags und sonntags jeweils 14 Stunden in der Halle steht, dann fragt man sich schon, warum man sich das alles antut.

Wenn Sie jetzt eine persönliche Bilanz ziehen – was bleibt?

Ich habe dem Verein sicherlich mehr Öffentlichkeit verschafft. Und ich denke, dass wir die Spieltage in den vergangenen sechs Jahren attraktiver gestaltet haben. Es geht ja nicht nur ums Handball. Unser Frisbee-Gewinnspiel zum Beispiel haben andere Vereine schon abgekupfert. Das gibt es inzwischen auch in Haunstetten oder Gundelfingen. Dort hat man auch verstanden, dass man neben dem Spiel auch noch was anderes bieten muss. Und es ist mir auch gelungen, die Abteilung finanziell auf gesunde Beine zu stellen.

Hatte die die SpVgg vorher Schulden?

Das nicht, aber wir stehen jetzt schon gut da. Das hängt aber auch mit einer Sache zusammen, die ich auch als Positives aus der Zeit in Altenerding mitnehme.

Und das wäre?

Die Zusammenarbeit mit der Stadt ist unglaublich gut. Wie Erding die Vereine unterstützt – so etwas gibt es weit und breit nicht mehr.

Nach allem, was passiert ist, wie kann man da noch als Trainer und im Festausschuss weitermachen?

Die E-Mädchen freuen sich, wenn der alte Werner in der Halle steht. Mit ihnen zu trainer, das macht einfach richtig Spaß. Da ist der Handball noch richtig ehrlich. Und das mit dem Festausschuss ist Ehrensache. Ich habe das Erich Neueder und Reinhold Kunz versprochen, dass ich mich ums Sponsoring kümmern werde. Die Feierlichkeiten zum 100-Jährigen des Vereins gehen von 20. bis 24. Mai. Am 25. Mai ist dann Schluss.

Was raten Sie Ihrem Nachfolger?

Naja, ich bin nicht gerade für den diplomatischen Dienst geeignet. Das können andere sicher besser.

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