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Erding ist das Mekka der bayerischen Leichtathletik

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Von: Dieter Priglmeir

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Bayerische Meisterin: Lilly Samanski gewann den U 18-Stabhochsprung. Die Erdingerin übersprang 3,70 Meter.
Bayerische Meisterin: Lilly Samanski gewann den U 18-Stabhochsprung. Die Erdingerin übersprang 3,70 Meter. © Ludwig Stuffer

640 Athleten und Athletinnen kämpften in Altenerding um Titel. Staffel-Gold gab es für Svea Schütte, Mona Mayer und Benedikt Wiesend.

Erding – Matthias Lang studiert in Wien Statistik, doch diese Veranstaltung wollte er sich nehmen lassen. Der ehemalige Leichtathlet des TSV Erding fuhr nach Hause und half seinem Ex-Verein bei der Durchführung der bayerischen Leichtathletik-Meisterschaften.

640 Teilnehmer, 1000 Starts – zwei Tage lang war die Elite des Freistaates zu Gast im Sepp-Brenninger-Stadion. Das Urteil von Gerhard Neubauer, Präsident des Bayerischen Leichtathletik-Verbands (BLV): „Es war wieder alles super. Erding ist ein Garant für perfekte und professionelle Organisation.“ Besonders beeindrucke ihn das Engagement der Freiwilligen. „Von den über 80 Helfern haben obendrein fast alle auf ihre Aufwandsentschädigung verzichtet.“ Für Neubauer ist klar: „Erding ist längst der Hotspot der bayerischen Leichtathletik.“

Das hörte auch OB Max Gotz gern, der sich gut vorstellen kann, auf der Gegengeraden eine weitere Tribüne errichten zu lassen. Sobald die Sanierung der Semptsporthalle erfolgt ist, könne man dies in Angriff nehmen. meinte er im Gespräch mit der Heimatzeitung.

Jahresbestzeit lief Mona Mayer mit der Staffel.
Jahresbestzeit lief Mona Mayer mit der Staffel. © Ludwig Stuffer

Die Erdinger Leichtathleten werden dies mit Interesse zur Kenntnis nehmen, denn der Tatendrang der TSV-Abteilung ist ungebrochen, wie Kerstin Weber sagt. „Natürlich sind das aufregende Tage, aber wir bringen das schon hin. Und das bisserl Regen bringt uns auch nicht durcheinander.“

Zumindest fast nicht. Dass ausgerechnet der Diskuswurf der U 18-Athletinnen am Samstag im Dauerregen stattfinden musste, wurmte sie dann doch. „Das war sehr unglücklich, da die jungen Athletinnen mit dem rutschigen Ring noch nicht so gut zurecht gekommen sind. Da fehlt die Routine.“ Trotzdem sorgte ihre Tochter Lilli Weber für die erste Erdinger Medaille. Mit 33,89 Metern holte sie Bronze. Zu Silber fehlten ganze 10 Zentimeter. Ein toller Erfolg für die Erdingerin, die in der Meldeliste unter 15 Teilnehmern als Viertbeste genannt war.

Nicht zufrieden war Valentina Sailer mit ihrem zehnten Platz über 400 Meter (61,75 sec). „Mehr war aber nicht zu erwarten, nachdem Valentina von Dienstag bis Donnerstag mit ihrer Schulklasse eine dreitägige Radtour mit zwei Mal 100 Kilometern und einer Bergwanderung unternommen hat“, so Weber.

Glanzpunkte setzten zwei Dorfener Athletinnen. Jana Schüler lieferte sich im U 18-Hochsprung einen tollen Zweikampf mit Lara Mößthaler vom TSV Wasserburg, die die 1,73 Meter im ersten Versuch schaffte. Schülers Bestleistung lag bisher bei 1,71 m. Im dritten Versuch kam sie über 1,73 m und gewann Silber. Svea Schütte sprintete mit der U 18-Staffel der LAG Mittlere Isar zu Bronze. Es war übrigens das jüngste Quartett unter den zehn Teams (Bericht folgt).

Für Furore sorgten auch einige Ex-Erdinger. Zum Karriereende startete Benedikt Wiesend über 100 Meter. Im Vorlauf kam der 30-Jährige auf 11,40 sec., im Zwischenlauf steigert er sich auf 11,36 sec. Das reichte zwar nicht fürs Finale. Trotzdem hatte er sein Happy End, denn mit der 4 x 100-Meter-Staffel des TSV Gräfelfing gewann Wiesend Gold. Ebenfalls im Gräfelfinger Dress ist inzwischen Lilly Samanski unterwegs. Sie gewann an alter Wirkungsstätte mit 3,70 Meter den Stabhochsprung der Jugend U 18.

Happy End für Benedikt Wiesend: Staffel-Gold.
Happy End für Benedikt Wiesend: Staffel-Gold. © Ludwig Stuffer

Eines der Highlights war die 4 x 100-Meter-Staffel der Frauen. Die Hörlkofenerin Mona Mayer lief – gerade von der U 23 EM in Estland zurückgekehrt – auf Position drei für die LG Telis Finanz Regensburg. Mit Bahn eins war sie zwar nicht sehr glücklich, „weil das in Erding eine sehr enge ist, wenn man mit voller Geschwindigkeit in der Kurve läuft. Aber es lief gut, auch die Wechsel klappten“. Das Ergebnis: 45,68 sec, deutsche Jahresbestleistung.

Am Sonntag startete Mayer noch über die 200 Meter, ließ aber das Finale aus. Trainer Reinhard Köchl erklärte: „Das war jetzt der fünfte Lauf in kürzester Zeit. Man spürt, Mona ist müde. Die Oberschenkel sind hart, die Laktatwerte nicht mehr gut. Da wollten wir einfach kein Risiko mehr eingehen.“

 33,89 Meter warf Lilli Weber den Diskus. Sie holte die Bronzemedaille für den TSV Erding.
 33,89 Meter warf Lilli Weber den Diskus. Sie holte die Bronzemedaille für den TSV Erding. © Ludwig Stuffer

Köchl ist als BLV-Vize für Bayerns Leistungssportler zuständig. Speziell im Sprint und bei den Werfern komme sehr viel Talent nach, sagt er. Das bestätigt BLV-Chef Neubauer: „Leistungsmäßig sind wir fast schon wieder auf dem Stand wie vor Corona.“ Das liege aber auch an der Politik, die es den Kadersportlern während der Pandemie ermöglicht habe, weiter zu trainieren.

„Wir brauchen den Spitzensport, um auch den Breitensport zu motivieren“, meinte auch OB Gotz. Wichtig sei, „nicht nur Sportstätten zu schaffen, sondern sie so auszustatten, dass sie für die Athleten und Zuschauer auch attraktiv sind“.

Die Leichtathleten jedenfalls sind begeistert von den blauen Bahnen. „Die sind sehr schnell, und der Wind ist auch meistens günstig“, erklärt Köchl, der noch einen Erdinger Erfolgsgaranten ausfindig macht: Jochen Schweitzer. Der Eichenkofener, seines Zeichens DLV-Vizepräsident, sei mit den Webers am Morgen der Erste und am Abend der Letzte, der das Stadion verlasse. Solche Leute brauche man eben. Das hat übrigens auch die LG Stadtwerke München erkannt. Schweitzer ist seit vergangener Woche Präsident des erfolgreichsten Leichtathletikvereins Bayerns.

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