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Erdinger Storys: Das verlorene Kühl-Cap und der Sandsprung

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Von: Dieter Priglmeir

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Malaika Mihambo trug sich unter den Augen von OB Max Gotz und Sportreferentin Janine Krzizok ins Goldene Buch ein.
Malaika Mihambo trug sich unter den Augen von OB Max Gotz und Sportreferentin Janine Krzizok ins Goldene Buch ein.  © js

Geschichten aus dem Trainingslager der deutschen Leichtathleten in Altenerding

Erding – Marie-Laurence Jungfleisch ist Hochspringerin, doch in Erding wird sie nicht einmal auf der Matte, sondern ausschließlich in der Sandgrube landen. „Bei ihr sind zurzeit Vertikalsprünge angesagt. Da geht es nur noch um Anlaufkontrolle und Geschwindigkeit“, erklärt Christian Weber. Er ist Abteilungsleiter und Leichtathletik-Trainer des TSV Erding und saugt in diesen Tagen jede Übungseinheit und Methodik ein.

Bis Montag veranstaltet der Deutsche Leichtathletikverband sein Pre-Camp im Sepp-Brenninger-Stadion. Christian Weber, seine Frau Kerstin und weitere Helfer des TSV sind den ganzen Tag über dabei und helfen, wo gerade Not ist.

Eine Nummer größer als Kerstin und Evi Weber (r.) ist Diskuswerferin Shanice Craft.
Eine Nummer größer als Kerstin und Evi Weber (r.) ist Diskuswerferin Shanice Craft. © cw

Zum Beispiel bei den Zwillingen Rabea und Debbie Schöneborn, denen ein Malheur passiert ist. Die beiden Marathonläuferinnen liefen gestern auf den blauen Altenerdinger Bahnen 3000 Meter und übten dabei auch das Wasser fassen. „Für die Kühlung haben sie extra ein Cap so eingenäht, dass man daran Eiswürfel transportieren kann, die dann schmelzen“, erklärt Kerstin Weber. „Leider ist eines verschwunden“, bedauert sie und bittet um Hilfe. „Falls das jemand als schöne Erinnerung mitgenommen hat: Bitte zurückbringen – man kann nicht jedes Cap so umarbeiten.“

Weber geht fest davon aus, dass das Kühl-Cap zurückkommt, „denn wir haben nur nette Zuschauer und Gäste“. Teilweise seien die fast schon zu schüchtern. Wie zum Beispiel das Mädchen, das sich zuerst nicht an Malaika Mihambo herantraute und dann überglücklich über das Selfie war. „Willst du auch noch ein Autogramm?“, fragte die Olympia-Siegerin. „Ich habe leider nichts zu schreiben dabei“, meinte der junge Fan – worauf Mihambo aus ihrer Sporttasche eine Autogrammkarte zauberte. Tags zuvor hatte sie ihre Unterschrift bereits im Goldenen Buch der Stadt Erding eingetragen.

„Die sind hier alle so unglaublich nett“, sagt Kerstin Weber. „Aber natürlich voll fokussiert auf ihren Wettkampf“, fügt ihr Mann Christian hinzu. Am Freitagmorgen hatten die Sprinter trainiert. Drei Stunden lang – was Weber damit erklärt, dass nach jedem kurzen Lauf wieder eine Viertelstunde der Erholung nötig sei. „Deshalb schaut das manchmal so aus, als würden die Sprinter nur rumliegen“, meint der Erdinger lachend.

Intensiv sei die Staffelübergabe trainiert worden – auch bei den 400-Meter-Läuferinnen mit der Hörlkofenerin Mona Mayer im Team. Mit 20 ist sie das Küken der Staffel, sie schwärmt: „Bis jetzt läuft es sehr gut. Die Trainings sind top. Und mein erster Eindruck ist auch sehr positiv. Wir sind auf jeden Fall ein gutes Team.“

Sehr gut sind auch schon einige Leistungen, wie Christian Weber bemerkt hat. „Samantha Borutta hat eine Superserie geworfen“, sagt er über die Hammerwerferin. Das treffe auch auf den Kugelstoßer Simon Bayer zu.

Reaktives Springen führt Monika Zapalski (l. Bild) vor.
Reaktives Springen führt Monika Zapalski vor.  © cw

Mit dem Handy dokumentiert das Programm der Sprinter. „Die wärmen sich auch mit Hürden-Gymnastik auf. Das zeige ich unseren Jugendlichen, wenn sie deswegen wieder mal stöhnen“, erzählt Kerstin Weber.

Oder Monika Zapalska mit ihrer Kombi-Übung namens reaktives Springen. „Runter vom Kasten, ganz kurzer Bodenkontakt, dann über die Hürde“ – noch eine Methodik, auf die sich wohl der Erdinger Nachwuchs gefasst machen darf. Und manchmal sind die Webers auch nur als Organisatoren gefragt. Weil die Sprinter gerne noch auf Kunstrasen laufen wollten, haben sie einfach mal kurz in Langengeisling angerufen. Jetzt trainieren Deutschlands Schnellste morgen Vormittag auf dem FCL-Kunstrasen.

Großer Sport, verteilt in der ganzen Stadt – das dürfte auch OB Max Gotz freuen, den ehemaligen Gewichtheber. Und wenn es die Leichtathletik gewesen wäre? „Dann hätte ich den Zehnkampf probiert, weil man da nirgends supergut sein muss und ich mich eigentlich überall ganz gut angestellt habe“, erzählt er. Anton Bönig, der Fußballer, hätte sich auf die Sprintdistanz gestürzt. „Mittelstrecke finde ich zwar interessant, aber auch ganz schön hart“, räumt er ein. Auch Stadtpfarrer Martin Garmaier wäre eher einer für die Kurzdistanz, gesteht er. „Aber eigentlich bin ich ja Schwimmer.“ Vielleicht kommen die ja nächstes Jahr.

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