Der Cup-Sieger lässt grüßen: Dieter Brenninger (r.) und der zweifache Torschütze Gerd Müller bejubeln den DFB-Pokalsieg 1969, als der FC Bayern im Finale Schalke 04 mit 2:1 Toren schlug. ArchivFoto: (Imago/Werek)
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Der Cup-Sieger lässt grüßen: Dieter Brenninger (r.) und der zweifache Torschütze Gerd Müller bejubeln den DFB-Pokalsieg 1969, als der FC Bayern im Finale Schalke 04 mit 2:1 Toren schlug. Archivfoto.

Gerd Müller wird 75

Der Bomber und der Flankengott: Dieter Brenninger im Interview

  • Wolfgang Krzizok
    vonWolfgang Krzizok
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Der Altenerdinger Dieter „Mucki“ Brenninger feierte zusammen mit Gerd Müller so einige Erfolge im Dress des FC Bayern München. Im Interview spricht er über diese Zeit.

Erding – Gerd Müller, der „Bomber der Nation“, feiert heute seinen 75. Geburtstag. Allerdings wird es keine großen Feierlichkeiten geben, denn er leidet an Demenz und lebt seit fünf Jahren in einem Pflegeheim südlich von München. Der Vollblut-Mittelstürmer erzielte in seinen 15 Jahren beim FC Bayern München 365 Tore und in 62 Länderspielen für Deutschland 68 Treffer. Darüber hinaus wurde der gebürtige Nördlinger siebenmal Torschützenkönig in der Bundesliga und hält mit 40 Treffern in einer Saison immer noch den Rekord. Sein ehemaliger Weggefährte, der Altenerdinger Dieter „Mucki“ Brenninger, der von 1962 bis 1971 das Trikot der Bayern trug und in dieser Zeit diverse Meisterschaften, Pokalerfolge und einen Europapokalsieg errang, erinnert sich.

Erdinger Anzeiger: Herr Brenninger, wie war das, als Gerd Müller 1964 zum FC Bayern kam, der damals noch zweitklassig in der Regionalliga spielte?
Dieter Brenninger: Als er aus Nördlingen zu uns kam, war er ein ganz unscheinbarer Kerl, ein kleiner, stämmiger Bursch, von dem wir nur wussten, dass er in Nördlingen viele Tore geschossen hat.
Dieter Brenninger erinnert sich an die glanzvolle Zeit. Archivbild.
Hatte er auf Anhieb einen Stammplatz?
Nein. Am Anfang ist er nicht so recht drangekommen. Er hatte auch anfangs im Training Probleme, dass er mithalten kann. Aber dann hat Präsident Wilhelm Neudecker unserem Trainer Cik Cajkvoski gesagt, dass er ihn spielen lassen muss.
Und er hat gleich eingeschlagen?
Oh ja. Das war bei einem Freundschaftsspiel in Freiburg. Der Gerd konnte nur Mittelstürmer. Bis dahin hatte ich in der Mitte gespielt, also musste ich auf den Flügel ausweichen. Wir haben dann 7:3 gewonnen, der Gerd hat drei Tore geschossen, ich zwei, und so ist die Aufstellung dann geblieben. Wir haben uns auf Anhieb sehr gut ergänzt.

Flanken, Flanken, Flanken – und in der Mitte die Direktabnahme vom Gerd

Sie waren dann quasi der Flankengott für den Bomber.
Cik Cajkovski hat das im Training immer wieder üben lassen: Flanken, Flanken, Flanken – und in der Mitte die Direktabnahme vom Gerd. Er ist im Training dann auch immer stärker geworden, und es hat im Spiel dann auch einfach gepasst. Du konntest die Flanken blind reinhauen und hast gewusst: Der Gerd steht da. Er stand immer am richtigen Fleck.
1965 stieg der FC Bayern endlich in die Bundesliga auf, und die Erfolgsgeschichte begann. In der Saison 1969/70 hat das Duo Brenninger/Müller zusammen 49 Tore erzielt – ein Rekord, der immer noch Bestand hat.
Ja, wir waren das beste Sturmduo, das der FC Bayern jemals hatte – auch wenn der Uli Hoeneß glaubt, dass er und der Gerd das beste Stürmerpaar waren (lacht).
Gerd Müllers Torhunger war ja legendär.
Er war gierig nach Toren. Im zweiten Bundesliga-Jahr wollten wir dafür sorgen, dass er Torschützenkönig wird und nicht der Lothar Emmerich aus Dortmund. Der Gerd durfte dann auch alle Elfmeter schießen – bis dahin war ich der Elfmeterschütze. Am Ende waren er und der Emmerich mit 28 Toren gleichauf.

Nur im Trainingsanzug: „Ich glaube, er hatte gar keine andere Hose“

Wie war der Bomber denn im Privatleben? Waren Sie nach den Spielen oder dem Training oft unterwegs?
Überhaupt nicht. Der Gerd war ein Fußballbesessener. Für ihn gab es nichts anderes als Fußball. Er hätte auch gar nicht fortgehen können, weil er immer nur einen Trainingsanzug anhatte und mit dem auch schon zum Training kam. Ich glaube, er hatte gar keine andere Hose (lacht).
Er ist also immer gleich heim?
Ja, am liebsten war er daheim bei seiner Frau Uschi. Da lag oder saß er auf der Couch und aß gerne ein Täuberl mit Kartoffelsalat. Das liebte er.
Also gar keine Ausflüge mit der Mannschaft oder Besuche bei anderen Spielern?
Nein, der Gerd war immer gerne daheim. Er hätte auch alle zwei Wochen als Gast ins ZDF-Sportstudio kommen können. Aber das wollte er nicht. Und er wollte auch keine privaten Einladungen.

Kartenspiele und Westernfilme

Hatte er denn überhaupt keine Hobbys?
Das Kartenspielen liebte er. Egal, ob Schafkopfen oder Watten – und auch da war er ein Profi. Wir hatten dazu auch viel Zeit, wenn wir mit dem Bus zu Auswärtsspielen gefahren sind, oder wenn wir für ein paar Tage in der Sportschule Grünwald waren.
Da waren Sie ja regelmäßig, oder?
Wenn wir samstags gespielt haben, haben wir ab Donnerstag in der Sportschule gewohnt.
Und neben dem Training haben Sie dann nur gekartelt. Oder gab es auch noch andere Freizeitbeschäftigungen?
Wir sind auch immer an einem Abend nach München reingefahren – da war der Gerd dann auch dabei – und sind ins Kino in der Schillerstraße gegangen. Da haben wir uns immer Westernfilme angeschaut.

Gemeinsam in der Nationalmannschaft

Gibt es ein Erlebnis mit Gerd Müller, das besonders schön war?
Nein, ein einzelnes Erlebnis nicht. Neben den Titeln, die wir miteinander geholt haben, waren es vor allem die Pokalsiege. Alle Endspiele waren etwas Besonderes.
Sie haben auch gemeinsam in der Nationalmannschaft gespielt.
Ja, das war 1969 in Nürnberg gegen Österreich. Das war ein Qualifikationsspiel zur Weltmeisterschaft 1970 in Mexiko. Wir haben 1:0 gewonnen, das Tor hat der Gerd in der 88. Minute gemacht.
Es sollte Ihr einziges Länderspiel bleiben.
Ich hatte mir schon Hoffnungen auf mehr Einsätze gemacht. Noch dazu, wo Bundestrainer Helmut Schön nach dem Spiel zu mir gesagt hatte: „Alles gut – du bist dabei.“ Aber dann erhielt ich keine Berufung mehr.

Nur ein Platzverweis

Sie sind nach einem Jahr bei den Young Boys Bern in der Schweiz beim VfB Stuttgart gelandet, für den sie noch vier Jahre in der Bundesliga gespielt haben – auch gegen den FC Bayern. Gab es da Kontakt zu Gerd Müller?
Nach dem Spiel haben wir geratscht. Der Gerd war immer freundlich und schwer in Ordnung. Auch als Spieler immer fair. Er hat nur einmal einen Platzverweis kassiert – der war allerdings auch berechtigt.
Haben Sie sich später nochmal getroffen?
Ja, klar. Regelmäßig bei Geburtstagen von ehemaligen Mannschaftskameraden und bei Einladungen des FC Bayern.
Wann haben Sie Gerd Müller zum letzten Mal gesehen?
Das war vor zwei Jahren, da habe ich ihn zusammen mit ein paar ehemaligen Bayern-Spielern im Pflegeheim besucht. Es war anstrengend und traurig. Man hat nicht gewusst: Kennt er dich noch, oder kennt er dich nicht mehr?
Wie werden Sie den Bomber in Erinnerung behalten?
Nur in bester Erinnerung. Der Gerd war ein super Kerl und ist es noch immer. Es war eine feine Zeit, die wir zusammen verbracht haben.

Das Interview führte Wolfgang Krzizok.

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