Klare Ansage: Lukas Kohlmüller (r.) im Gespräch mit Tom Pokel, Trainer der Straubing Tigers.
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Klare Ansage: Lukas Kohlmüller (r.) im Gespräch mit Tom Pokel, Trainer der Straubing Tigers.

EISHOCKEY - Lukas Kohlmüller fliegt in die USA – Zuvor leitet er heute sein 100. Spiel in der DEL

Der einzige deutsche WM-Schiri kommt aus Erding

  • Wolfgang Krzizok
    vonWolfgang Krzizok
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Bald beginnt die U18-Eishockey-WM in den USA. Unter den zwölf Schiedsrichter aus Amerika und Europa ist auch ein Erdinger dabei: Lukas Kohlmüller.

Erding – Große Ehre für Lukas Kohlmüller. Der 27-jährige Erdinger ist als Schiedsrichter für die U 18-Eishockeyweltmeisterschaft in den USA nominiert worden – als einziger Deutscher. Schon nächsten Montag geht es in die Staaten, das Turnier, das in den texanischen Städten Frisco und Plano ausgetragen wird, beginnt am 26. April.

Einige Jahre fungierte er als Linesman, seit 2018 ist Kohlmüller als Hauptschiedsrichter in der DEL, der höchsten deutschen Spielklasse, im Einsatz – heute Abend leitet er sein 100. Spiel. „Ich war der Erste, der vom DEL-Linesman direkt zum Hauptschiedsrichter befördert worden ist“, erzählt er stolz.

Wegen der Corona-Pandemie war er vergangenes Jahr, ebenso wie seine Kollegen, eine Zeitlang zum Nichtstun verdammt. Die DEL war abgebrochen worden, und es war lange nicht klar, wann die neue Saison beginnen könne. „Wir Schiris wussten nicht, wann es losgeht, und haben uns halt so gut es geht selbst fit gehalten“, sagt der 27-Jährige. Die entsprechenden Lehrgänge, die sonst im Bundesleistungszentrum in Füssen stattfinden, wurden online abgehalten, und anfangs waren die Unparteiischen nur in ihren Bundesländern unterwegs. Kohlmüller leitete beispielsweise im September den Test der Erding Gladiators gegen den SE Freising.

Bahn frei: Schiedsrichter Lukas Kohlmüller macht Platz für den Iserlohner Spieler Daniel Weiß.

Als dann wenig später acht DEL-Clubs um den Magenta-Cup spielten, war der Erdinger dabei und freute sich auf die im Dezember beginnende DEL-Punktrunde – bis ihn das Virus erwischte. „Drei Wochen bin ich ausgefallen, das war so bitter“, erinnert er sich. „Ich hatte aber nur leichte Symptome und lag drei, vier Tage im Bett.“ Dennoch musste er sich nach seiner Genesung gemäß dem sogenannten „Return-to-play“-Konzept des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) einem kompletten Gesundheitscheck unterziehen: „Unter anderem gab es mehrere Tests, bei denen vor allem Herz und Lunge genau untersucht wurden.“

So stand Kohlmüller erst am 4. Januar wieder auf dem Eis. „Der Schiedsrichter-Kader in der DEL ist heuer wegen Corona bewusst sehr klein gehalten“, sagt der 27-Jährige. „Das ist grundsätzlich kein Problem, weil in der DEL jeden Tag gespielt wird und am Tag maximal drei Spiele sind. Deshalb braucht man auch nicht so viele Schiedsrichter.“ Im ersten Teil der Punktrunde waren die Nord- und Südvereine noch unter sich. Danach erfolgte die Verzahnung. „Jetzt bin ich in ganz Deutschland brutal viel unterwegs, allein vorletzte Woche hatte ich sechs Spiele in sieben Tagen.“ Kohlmüllers Reiseroute sah so aus: Bremerhaven – Köln – Iserlohn – Erding – Mannheim – Schwenningen – Ingolstadt. Dabei werde auch ständig getestet, denn die DEL habe ein sehr striktes Programm: „Jede Woche einen PCR-Test und vor jedem Spiel ein Schnelltest.“

In den Hotels seien die Schiedsrichter meist die einzigen Gäste, berichtet er. „Und auch in den Stadien ist alles anders, was ich sehr schade finde.“ Nicht nur für die Fans und Spieler, auch für die Schiedsrichter gehören Zuschauer einfach dazu, weiß Kohlmüller. Dass es für die Referees leichter sei, ein Spiel ohne Zuschauer zu leiten, weil es keine Proteste oder Rufe von den Rängen gebe, weist er zurück. „Das sind wir gewohnt. Aber jetzt hört man jedes Wort von den Spielern und Trainern“, sagt er. „Das geht normalerweise in der Stadion-Atmo unter, so aber nervt es manchmal, und du musst dann gleich intervenieren.“

Auch international war der Erdinger schon im Einsatz. Vor zwei Jahren bei IIHF-Turnieren in Lyon (Frankreich) und Krasnojarsk (Russland). Vergangenes Jahr wäre er für zwei Turniere nominiert gewesen, die jedoch wegen Corona abgesagt wurden. „Und heuer ist auch fast alles abgesagt, bis auf die vier Top-Turniere“, stellt er fest. „Bei der Frauen-WM pfeifen nur Frauen, und bei der U 20-WM, die in Kanada ausgetragen wurde, waren nur kanadische Schiris im Einsatz.“

Bleiben noch die A-Weltmeisterschaft und die U 18-WM. Bei Letzterer kommt die Hälfte der zwölf Referees aus dem Gastgeberland USA und die andere Hälfte aus Europa. Mit dabei als einziger Deutscher: Lukas Kohlmüller. „Mein erstes Top-Turnier als Hauptschiedsrichter. Das ist so cool, da freue ich mich richtig drauf.“

Ab Mittwoch muss er sich in häusliche Quarantäne begeben und bis zum Sonntag drei negative PCR-Tests nachweisen, dann darf er am Montag zusammen mit den europäischen Schiedsrichtern und Teams ins Flugzeug nach Texas steigen. „Dort sind wir dann in der Bubble, wie es so schön heißt“, erzählt er. Das bedeutet erst einmal drei Tage Quarantäne im Hotelzimmer. Wenn der letzte Corona-Test dann negativ ausfällt, geht es aufs Eis. „Zunächst leitet jeder von uns noch ein Testspiel, und dann geht’s los“ erzählt Kohlmüller. „Das wird richtig, richtig cool.“

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