Der frischgebackene Sandbahn-Weltmeister wird von seinem damaligen Ersatz-Mechaniker Sepp Biller, später Direktor der Erdinger Berufsschule, von der Bahn getragen. Karl Maier ist in Scheeßel gerade jüngster Champion auf der Langbahn geworden (Bild links).
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Der frischgebackene Sandbahn-Weltmeister wird von seinem damaligen Ersatz-Mechaniker Sepp Biller, später Direktor der Erdinger Berufsschule, von der Bahn getragen. Karl Maier ist in Scheeßel gerade jüngster Champion auf der Langbahn geworden (Bild links).

MOTORSPORT

Der König der Sandbahn

Neufinsing – War der erste Weltmeistertitel auch der schönste? Karl Maier überlegt kurz, legt die Stirn in Falten und meint: „Ob er der schönste war, kann ich so nicht sagen, auf jeden Fall war er der unerwartetste.“ Am heutigen Montag jährt sich zum 40. Mal, dass der ehemalige Langbahn- und Speedway-Pilot aus Neufinsing seinen ersten von vier Weltmeistertiteln auf dem Sandbahn-Oval in Scheeßel gewonnen hat.

Wie die Bahnsportsaison 1980 für ihn vor dem Weltfinale verlaufen war, daran kann sich der heute 63-jährige Motorsportler nur mehr vage erinnern. „War’s super oder durchwachsen? Ich weiß es nicht mehr genau“, erzählt er grinsend. In diesem Jahr hatte er sich jedenfalls zum dritten Mal für die Langbahn-WM qualifiziert. Zwei Jahre zuvor hatte er bei seiner WM-Premiere auf der superschnellen Sandbahn in Mühldorf mit nur 21 Jahren den siebten Rang erreicht. Um einen Platz verbesserte er sich im Jahr darauf im tschechischen Marienbad, sorgte aber als frischgebackener Deutscher Meister bei der nationalen Konkurrenz schon für Aufsehen. Immerhin war zu dieser Zeit Deutschland die führende Nation im Sandbahnsport.

Noch sei er als 23-jähriger Jungspund noch nicht so forsch aufgetreten, um so ohne Weiteres an einen der superschnellen Motoren aus der Werkstatt von Otto Lantenhammer zu kommen. Der Tüftler aus Mühldorf galt über zwei Jahrzehnte als bester Tuner der Welt. Da nahm Michael Graf, Autogebrauchtwagenhändler aus Erding und Maiers Schmiermaxe, das Heft in die Hand. „Der Grafe rief beim Lante an und sagte: Der Maier braucht den besten Motor, den du hast.“ Der Motoren-Papst baute ihm ein britisches Weslake-Aggregat ein.

„Und, hast ihn schon ausprobiert?“, erkundigte sich Lantenhammer einige Tage vor der WM bei Maier. Dieser hatte ihn tatsächlich auf der Hauptstraße vor der väterlichen Werkstatt getestet „Der hatte richtig Power.“ Alles bestens für Scheeßel? Mitnichten, denn eine Magen-Darmverstimmung zwang Maier fünf Tage vor dem Rennen in die Knie und ins Krankenbett. Der Grund könnte die einseitige Ernährung gewesen sein, sinniert er noch heute. Denn um kein Gramm zu viel auf die Waage zu bringen, ernährte er sich vor den Rennen meist nur von rohen Eiern, Joghurt und Steaks nach seinem Motto: „Ein Kilo zu viel kostet zwei PS.“

Bis heute achtet Maier noch penibel auf sein Gewicht und ist stolz darauf, dass er mit seinen 63 Lenzen nur so viele Kilo auf die Waage bringt wie mit 23 Jahren. Regelmäßig betreibt er immer noch Ausdauer- und Kraftsport und fährt natürlich Motorrad auf der Straße und auf dem Trail-Kurs. „Das ist mein persönliches Vitalitätserhaltungsprogramm“, verrät er.

Schon bei den ersten Trainingsrunden auf der Bahn im niedersächsischen Scheeßel merkte Maier, dass sein Motor „sauschnell“ ist. Beim Lauf um den Bahnrekord wurde er Zweiter und raste auch zur zweitschnellsten Trainingszeit hinter Wilhelm Duden. In der Nacht vor dem Rennen regnete es dann in Strömen und weichte die Sandbahn auf. Der Neufinsinger wusste, dass damit ein guter Start der Schlüssel zum Erfolg sein würde. Und beim WM-Rennen spielte er dann die ganze Power seines Motors aus und feierte bis auf einen dritten Platz nur Start-Ziel-Siege. „Ich hatte vor der Weltmeisterschaft keine Titelambitionen und bin einfach unbekümmert drauf los gefahren“, erinnert sich der Neufinsinger. „Ich hatte nicht im Traum daran gedacht, dass ich Weltmeister werde.“

Wen wundert’s, denn es war schließlich die Elite des Sandbahnsports am Start. So die Weltmeister 1978 und 79, Egon Müller und Alois Wiesböck, die deutschen Spitzenfahrer Georg Hack, Wilhelm Duden und Georg Gilgenrainer und nicht zuletzt der amtierende Speedway-Weltmeister Michael Lee aus England: „Ein ganz ausgefuchster Hund.“ Am Ende hatte allerdings Karl Maier die Nase vorne. Damit war er der jüngste Weltmeister auf der Langbahn.

Doch es gab damals auch etliche Zweifler, die meinten, „der Maier hat ja nur Glück gehabt“. Diese belehrte er allerdings 14 Tage später eines Besseren, als er sich gegen ein ebenfalls erlesenes Starterfeld in Mühldorf den deutschen Meistertitel schnappte. „Da hab ich die Kritiker stumm geschaltet“, sagt der Karl mit einem verschmitzten Lächeln. Unter den ersten Gratulanten noch auf der Bahn war sein Großvater, der den kleinen Karl für den Bahnsport begeistert hatte. Schon vor dem Rennen hatte er zu seinem Enkel, der mit der Startnummer 10 an den Start gegangen war, gesagt: „Am besten und schönsten wäre es es, wenn am Ende die Null fehlen würde.“

Der frischgebackene Weltmeister staunte nicht schlecht, als er zurück in Neufinsing war: „Der ganze Ort war auf den Beinen.“ Vor der heimischen Werkstatt gab’s Freibier und Leberkäs, organisiert von Bürgermeister Peter Buchmann und Gemeinderat Heinrich Krzizok. Es spielte die Finsinger Blaskapelle auf. Sogar das Bayerische Fernsehen hatte ein Fernsehteam geschickt mit einer Einladung zu Sendung „Blickpunkt Sport“.

1982 wurde Maier in Korskro (Dänemark) zum zweiten Mal Weltmeister auf der Langbahn. Vier Jahre lang musste er auf den nächsten WM-Titel warten. „Der Maier packt’s nimmer“, meinten manche. Doch er hat es noch zweimal gepackt, 1987 in Mühldorf und ein Jahr später wieder in Scheeßel.

VON JOHANN KALTEIS

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