Im Hintergrund die Berge und im Blick die Schwarzmeer-Küste: Lion Florian schwärmt von seinem Russland-Trip. 
+
Im Hintergrund die Berge und im Blick die Schwarzmeer-Küste: Lion Florian schwärmt von seinem Russland-Trip. 

MOTOCROSS-WM

Lion Florian: Der wilde Ritt an der Schwarzmeer-Küste

  • Dieter Priglmeir
    VonDieter Priglmeir
    schließen

Russland war ein Abenteuer für den Erdinger Lion Florian. Aber es hat sich gelohnt: auch sportlich.

Erding/Orlyonok – Im Hintergrund die Berge und vorn die Schwarzmeerküste – viel spektakulärer hätte die Weltmeisterschaft für Lion Florian nicht beginnen können. Zumal es sportlich auch schon recht gut lief. Der 19-jährige Motocrosser holte beim Großen Preis von Russland gleich seine ersten WM-Punkte. „Das war mein Ziel, und deshalb kann ich mit meinen Leistungen nur zufrieden sein“, sagte der Erdinger.

55 Fahrer aus 17 Nationen hatten sich erstmals in dieser Saison auf Punktejagd begeben. Nach Platz 19 im Qualifying wurde Florian im ersten Lauf 19. Im zweiten Durchgang kam er auf Rang 15. Das bedeutete Platz 18 im Gesamtklassement.

Wie berichtet, finanziert Lion Florian seine WM-Teilnahme neben Sponsoren teilweise über ein Crowdfunding-Projekt. Für ihn ist es eine Herausforderung in vielerlei Hinsicht. Da wäre die sportliche Herausforderung: „Das Fahrerfeld ist bei der WM schon noch viel dichter und das Leistungsniveau noch deutlich höher“, sagt er und fügt grinsend hinzu: „Und alle fahren mit ein bisschen mehr Kopf als in der EM.“

Und da wäre noch dieser andere Aspekt: das Reisen rund um die Welt. Für den großen Preis von Russland hieß es für Florian und sein Team WZ Racing: Flug nach Moskau, dann nach Krasnodar und schließlich noch die 135 Kilometer mit dem Auto an die nordöstliche Schwarzmeerküste, wo die Strecke Orlyonok liegt. „Das heißt übersetzt Adlerjungs“, erklärt Florian und erzählt von dem noch aus Sowjetzeiten stammenden Kinderferienlager, in dem sich bis zu 20 000 Kinder erholen.

Trotz der Reisestrapazen („Wir hatten sehr lange Wartezeiten“) sei das ein „megageiler Trip“ gewesen, schwärmt der Motocrosser, dessen Teamchef russische Wurzeln hat. „Er konnte deshalb mit den Leuten dort ganz anders kommunizieren und hat uns dann einen Trip durch die Berge organisiert. Wir sind da mit den Jeeps durch, das war einfach mega“, sagt der 19-Jährige, der offenbar auch kulinarisch auf seine Kosten kam. „Ich habe mir da so richtig den Bauch voll gehauen“, erzählt er lachend von Schaschlik und anderen Köstlichkeiten. Auch die Vielfalt der Läden an der Strandpromenade beeindruckten den Erdinger.

Und eben die Streckenlage. „Du bist vom Meer nur 500 Meter entfernt. Was für ein Anblick!“ Womit wir nun bei den Rennen wären. Es sei ein großer Vorteil, dass man auf alle Fälle dabei sei. „Damit hast du nicht mehr dauernd den Zeitdruck im Kopf, kannst dir im Qualifying auch mal einen Fehler erlauben.“ Er habe sich auf der Strecke erst einmal einschießen müssen, erzählt Florian. Sie sei am Vormittag noch tief, schlammig und rutschig gewesen. „Um eine schnelle Runde zusammen zu bekommen, hat es etwas gedauert, da erst Runde für Runde die Spurrillen entstanden.“ In der allerletzten Runde gelang ihm seine Bestzeit, die ihm Startplatz 19 bescherte.

 Ich habe mir da  so richtig den Bauch voll gehauen.

Lion Florian war begeistert die russische Küche

Im ersten Lauf katapultierte er sich nach gutem Start nach der ersten Kurve auf Platz 13. Dann wurde ihm eine etwas zu gut gewässerte Kurve zum Verhängnis. „Ich stand zu 180 Grad gedreht auf der Strecke.“ Wieder raste das Feld an ihm vorbei. Auf Platz 24 startete er seine Aufholjagd, fuhr in der letzten Runde seine Bestzeit und holte sich mit Rang 19 seine ersten zwei WM-Punkte.

Auch im zweiten Lauf bestrafte die starke Konkurrenz einen Fehler gnadenlos. Florian lag nach der ersten Runde auf Rang 14. „In der zweiten Runde kassierte ich einen Blockpass.“ Das heißt, ein Fahrer bremst den Konkurrenten aus, inden er zum Beispiel vor das Vorderrad fährt. Florian verlor die Kontrolle über sein Bike. Wieder raste das Feld an ihm vorbei. Von Platz 22 kämpfte er sich noch vor bis auf Platz 15. Sein Fazit: „Die Strecke hat mega Spaß gemacht, nur muss ich schneller, also schon in den ersten Runden in die Pötte kommen, um Plätze gut zu machen.“

Das kann er ja gleich an diesem Wochenende tun. Denn nun geht es ins britische Matterley Basin, wo Florian mit seiner 250 cbm-Motocross wieder auf Punktejagd gehen wird. Ob ihn das Essen dann auch so begeistert?

Auch interessant

Kommentare