+
Unsere Rudermaschine“ – so warb das deutsche „Team World Games“, und Oliver Zeidler   übertraf alle Erwartungen. In Breslau gewann er als Newcomer den Wettbewerb und schnupperte sogar kurzzeitig am Weltrekord über 2000 Meter.

Rudern

Die doppelte Zeidler-Show

WM-Bronze für Marie-Sophie, Triumph für Oliver bei den World Games – die Schwaiger Geschwister Zeidler mischen derzeit die Ruder-Szene auf. Im Wasser und beim Trockentraining.

Schwaig– Schlechte Nachrichten für alle ehrgeizigen Ruderer: Sie werden künftig noch mehr Konkurrenz aus dem Hause Zeidler bekommen: Marie-Sophie Zeidler zeigte einmal mehr ihr Potenzial und kehrte mit der Bronzemedaille von den Junioren-Weltmeisterschaften zurück. Ihr Bruder Oliver, bisher vornehmlich als Schwimmer national erfolgreich, mischt jetzt auch die Ruder-Szene auf. Und nicht nur im Wasser. Nun gewann er die World Games im Indoor-Rowing.

Die World Games sind ein internationaler Wettkampf in Sportarten, die nicht zum Programm der Olympischen Spiele gehören, aber dennoch eine hohe weltweite Verbreitung haben. Dazu gehören Kampfsportarten wie Ju-Jutsu, Karate und Sumo, Trendsports wie Inlinehockey, Wasserski und Sportklettern, Ballsportarten wie Faustball, American Football und Squash, aber auch Kanupolo, Tauziehen oder Flossenschwimmen. Mehr als 3000 Athleten aus über 100 Ländern trafen sich diesmal in Breslau. Als sogenannte Einladungssportart feierte in diesem Jahr das Inline-Rowing mit den Wettbewerben über 500 Metern und 2000 Metern Premiere.

3,8 Sekunden amWeltrekord vorbei

Inline-Rowing? „Man kennt diese Ruder-Ergometer aus den Fitnesscentern“, erklärt Heino Zeidler, Olivers Vater und Trainer. Sein 21-jähriger Sohn war im Januar Deutscher Meister geworden und hatte sich damit die Startberechtigung für die World Games geholt.

In Breslau wartete ein hochkarätiges 16-köpfiges Feld auf den jungen Schwaiger. „Da waren viele ehemalige Weltklasse-Ruderer dabei. Auch einige, die jetzt als Fitnesstrainer arbeiten“, erzählte Heino Zeidler. Topfavorit war Bartosz Ocki, seines Zeichens Weltmeister und Lokalmatador bei diesen Wettkämpfen. Aber der Pole musste sich letztlich auf Platz zwei einreihen.

Alle 16 Teilnehmer mussten sich gleichzeitig ins Zeug legen. Sie ruderten nebeneinander auf ihrem Ergometer. „Den Olli kannte in der Szene vorher niemand“, sagt sein Vater lächelnd. Das hat sich 2000 Meter später geändert. Oder besser gesagt 5:42 Minuten später. Das war nämlich die Fabelzeit, mit der der junge Deutsche die Konkurrenz hinter sich ließ. Ocki hatte bereits nach dem ersten Viertel 25 Sekunden Rückstand. Zeidler war die ersten 500 Meter in 1:22 Minuten angegangen. „Mein Plan war, 1:27 Minuten nach den 20 Startschlägen durchzufahren. Doch ich bin zu schnell los, dann ging es überraschend gut. Hinten wurde es sehr hart, der Schmerz war groß“, sagte Oliver Zeidler gegenüber dem Onlineportal ruder.de. Mit seiner Zeit blieb Zeidler lediglich 3,8 Sekunden über dem Weltrekord des Neuseeländers Rob Waddell, Olympiasieger und zweifacher Weltmeister im Einerrudern.

Der Triumph in Breslau – er gewann mit der deutsch-österreichischen Kombination auch die Mixedkonkurrenz – war eine Riesensensation, schließlich trainiert er erst seit knapp einem Jahr am Ergometer, wie sein Vater erklärt. Im September geht Oliver Zeidler dann wieder ins Wasser.

Aber nicht als Schwimmer, sondern im Ruder-Einer bei der U 23-Europameisterschaft. Auch die findet übrigens in Polen statt. Sein Ziel dort: die Finalteilnahme.

Das hat seine Schwester bereits erreicht. Marie Sophie Zeidler holte bei der Junioren-Weltmeisterschaft im litauischen Trakai gemeinsam mit der Dresdenerin Katja Fuhrmann die Bronzemedaille im Zweier ohne Steuerfrau.

15 Boote waren an den Start gegangen. Den Vorlauf gewann das deutsche Boot souverän. Im Halbfinale landete die 18-Jährige mit ihrer Partnerin hinter Griechenland auf Platz zwei. Die Finalteilnahme war damit gesichert.

Fulminanter Endspurtbringt Bronze

Es folgte ein nervenaufreibendes Rennen bei leichtem Gegenwind. „Nach den ersten 500 Metern lag das Boot auf Platz drei“, erzählt ihr Vater. „Nach einem Kilometer hatten die beiden einen Platz verloren, und 500 Meter später waren sie nur noch auf Rang fünf.“ Was dann folgte, nannte Heino Zeidler „einen fulminanten Endspurt“, der dem deutschen Boot doch noch Platz drei hinter Weltmeister Rumänien und Griechenland bescherte.

Nicht nur das Edelmetall freute die beiden Ruderinnen und deren Trainer Hans-Johann Färber. Der Abstand zu den überragenden Weltmeisterinnen hat sich im Vergleich zum vorigen Aufeinandertreffen bei den Europameisterschaften halbiert. Die Rumäninnen waren diesmal nur noch fünf Sekunden schneller.

Nach dem Saisonhöhepunkt hat Marie-Sophie Zeidler nun das nächste Ziel vor Augen: die fünfjährige Ausbildung in der Polizeischule Dachau mit dem dort dazugehörigen Sportprogramm. Sie hätte dann im Oberschleißheimer Leistungszentrum für Rudern und Kanu die optimalen Trainingsbedingungen. Voraussetzung für die Aufnahme ist aber die Mitgliedschaft im C-Kader des Deutschen Ruder-Verbands. Das ist ihr nächstes Projekt, sobald sie aus Litauen zurückgekehrt ist.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Kletthamer Clubmeisterschaft: Aufstand der Außenseiter
25 Jugendliche und 20 Erwachsene kämpften um den Titel des Kletthamer Tischtennis-Vereinsmeisters. 
Kletthamer Clubmeisterschaft: Aufstand der Außenseiter
Ein Traum: Stabhochsprung vor dem Schönen Turm in Erding
Jochen Schweitzer wurde jüngst zum neuen Vizepräsidenten des Bayerischen Leichtathletik-Verbandes gewählt, dessen Oberbayernchef er ohnehin schon ist. Und seit Herbst …
Ein Traum: Stabhochsprung vor dem Schönen Turm in Erding
Sechs Ringe fehlen zum Podest
Ingolstadt war der Topfavorit und wurde dieser Rolle auch gerecht. Auf den Plätzen zwei bis sechs ging es sehr eng zu. Die Erdinger Schützen schrammten als Vierte knapp …
Sechs Ringe fehlen zum Podest
Kein ungültiger Versuch und trotzdem verloren
Zum Auftakt der Bezirksligasaison 2018/19 war die Herbergemeinschaft Ingolstadt/Schrobenhausen in Erding zu Gast. Die gastgebenden Heber glänzten mit nur drei ungültigen …
Kein ungültiger Versuch und trotzdem verloren

Kommentare