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Auf dem Platz geht’s immer heiß her, auch wenn der FSV Steinkirchen und der FC Hohenpolding sonst eng zusammenarbeiten. Unser Bild entstand beim 1:1 im April. Die Steinkirchener (lila-weiße Trikots, v. l.) Max Mühlhuber, Christopher Müller, Christian Obermeier, Philipp Utz, Florian Gafko, Martin Angermeier und Torwart Florian Gratzl verteidigen hier gegen die Hohenpoldinger (gelb-schwarze Dressen, v. l.) Wolfgang Stummer, Andreas Ertl und Jonas Urgibl.

Serie: So viel Heimat steckt in den Fußballvereinen

Die drei Rivalen aus dem Holzland

  • Markus Schwarzkugler
    VonMarkus Schwarzkugler
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Eigengewächse braucht das Holzland: Da sind der FC Hohenpolding, FC Inning und FSV Steinkirchen einer Meinung. So manches davon hat sogar schon für mehr als nur einen der drei Klubs gespielt. Geht das überhaupt bei aller Rivalität?

Holzland – Luis Figo, Michael Laudrup, Luis Enrique, Samuel Eto’o und Bernd Schuster sind mutige Männer. Sie wissen nicht, warum? Ganz einfach: Weil sie sich nach ihrer Vergangenheit beim FC Barcelona oder Real Madrid später auch dem jeweils anderen Verein, also dem großen Rivalen, angeschlossen haben. Dass sich die Herren da natürlich ein paar Sprüche von so manchem Fan haben anhören müssen, ist kein Geheimnis. Hätten Figo und Co. ein paar Etagen tiefer gekickt, im Erdinger Holzland, wäre es ihnen vielleicht ähnlich ergangen. Und zwar, wenn sie von einem der drei Vereine dort zu einem der beiden anderen gewechselt wären.

Es kommt tatsächlich vor, dass sich beispielsweise ein Kicker des FC Hohenpolding dem FSV Steinkirchen anschließt. Aktuellstes Beispiel aus der Winterpause: Christoph Schwarzkugler, bis zuletzt im Kader des FCH, greift ab sofort wieder beim FSV an, für den er zuvor bereits gespielt hat. Ein weiteres Beispiel sind die Brüder Michael und Tobias Strobl. Beide kickten zunächst beim FSV, dann beim FCH. Tobias Strobl ist nach wie vor aktiv, mittlerweile aber wieder für den FSV. Auch Marcel Empl hat eine FSV-Vergangenheit.

Und das bei all der Rivalität unter den Holzland-Klubs. Geht das überhaupt? Hohenpoldings Abteilungsleiter Florian Feckl muss bei dieser Frage schmunzeln. Allzu oft, sagt er, komme ein Wechsel vom einen Holzland-Klub zum anderen nicht vor. Und wenn: „Dann muss man sich mal einen blöden Spruch gefallen lassen.“ Mehr aber auch schon nicht, stellt Feckl klar.

„Gute Partnerschaft“ von FSV und FCH

„Keiner will dem anderen Verein blöd hinterher reden“, sagt er nämlich. Vor allem nicht dem FSV Steinkirchen. „Mit ihm haben wir eine gute Partnerschaft“, betont Feckl. Seit ein paar Jahren kooperieren die beiden Klubs nämlich in der Nachwuchsarbeit. Derzeit haben sie Spielgemeinschaften in der B-, C-, E- und F-Jugend.

Auf die Herrenteams habe das Ganze aber keinen Einfluss, findet Feckl. Da gebe es nach wie vor einen Rivalitätsgedanken. „Wir sind die Derby-Vereine“, sagt Feckl über die drei A-Klassisten. „Wir versuchen schon immer, in der Tabelle vor Inning und Steinkirchen zu stehen. Das ist intern ein ganz wichtiges Thema. Das wird bei den anderen aber auch so sein“, meint Feckl. Man kennt sich, man schätzt sich, man geht miteinander abends auch mal aus – aber auf dem Platz wird’s ernst. „Kuschliger ist es nicht geworden“, sagt der Abteilungsleiter des FCH schmunzelnd.

Was die drei Klubs in jedem Fall eint: Ihre Spieler kommen größtenteils aus der eigenen Gemeinde. Die Kicker aus der vierten, aber fußballvereinslosen Holzland-Kommune Kirchberg, spielen vor allem beim FSV Steinkirchen.

Große Sprünge kann man als A-Klassist ohnehin nicht machen, was Transfers angeht. Dass in dieser Spielklasse die meisten Akteure aus der eigenen Gemeinde stammen, ist bei einem Großteil aller Vereine so. Aber anders würde man es auch nicht wollen, wie Feckl zumindest für den FC Hohenpolding klarstellt. „Damit es langfristig funktioniert, braucht es lokale Leute mit Bindung zum Verein – auch in der Jugend.“

Der FCH hat noch ein paar Spieler aus Wambach und Geislbach, also aus der Nachbargemeinde Taufkirchen. Die „Ausländer“ im Team mit der weitesten Anfahrt sind Maximilian Nitzl und Rudolf Pfrombeck aus Velden. Sie haben aber auch nur rund 15 Kilometer zurückzulegen. Kein Problem also – außer, er kommt zu spät zum Training. „Dann ist er halt der Niederbayer, der mal wieder zu spät kommt“, erzählt Feckl und lacht.

Allzu große Berührungspunkte mit dem FCI hat sein Verein übrigens nicht. „Wir sind die Eckvereine im Holzland“, erklärt er und meint damit, dass die Klubs räumlich gesehen am weitesten voneinander entfernt liegen. Deswegen kann sich Feckl auch an keinen Spielerwechsel zwischen FCI und FCH erinnern.

Abgeschottete Inninger

Auch Mathias Hermansdorfer ist kein solcher Transfer bekannt, auch nicht vom oder zum FSV. Er ist der Abteilungsleiter des FC Inning. Sein Verein ist Holzland-intern quasi ein wenig abgeschottet und konzentriert sich im Jugendbereich auf die Zusammenarbeit mit der BSG Taufkirchen. Derzeit haben die beiden Klubs Spielgemeinschaften von der C- bis zur A-Jugend. Davon profitiert auch die Erste. Für sie spielt mittlerweile nämlich so mancher ehemaliger BSGler, der früher in der SG gekickt hat. Genannt seien an dieser Stelle Torwart Niklas Lanzl sowie die Feldspieler Niklas Doubrawa, Benedikt Daimer, Tobias Seisenberger und Thomas Rademann.

Die weiteste Anfahrt nach Inning haben zwei Männer auf verantwortlichem Posten: Spielertrainer Armin Feckl wohnt in Buchbach, Spieler und Sportlicher Leiter Raphael Steinbrunner in Poing. Beim FSV Steinkirchen sieht es ähnlich aus: Der Vielfahrer des Teams ist Trainer Tobias Weinzierl aus Moosburg.

Der Holzland-Check:

FSV Steinkirchen

Spieler der ersten Mannschaft aus den Gemeinden Steinkirchen und Kirchberg: Dominic Kurz, Philipp Utz, Christian Obermeier, Florian Gafko, Daniel Gschlössl, Bernhard Pfanzelt, Sebastian Reiser, Tobias Obermaier, Christopher Müller, Jan Adelsberger, Christoph Hofmaier, Stefan Huber, Andreas Huber, Florian Kerschbaumer, Thomas Kieblspeck, Christoph Lanzinger, Thomas Wegmann. Auswärtige Spieler: Tobias Strobl, Martin Angermeier, Florian Gratzl, Max Mühlhuber.

FC Inning

Spieler der Ersten aus der Gemeinde Inning: Thomas Korber, Dominik Tristl, Christian Fenk, David Hauser, Christoph Schalk, Sebastian Kräutler, Mathias Hermansdorfer, Sebastian Heller, Thomas Heller, Antonio Cosic, Matthias Lex, Michael Zeidler, Niklas Unterreitmeier. – Auswärtige Spieler: Stefan De Witt, Niklas Doubrawa, Armin Feckl, Benedikt Daimer, Tobias Seisenberger, Thomas Hopf, Raphael Steinbrunner, Thomas Rademann. – Inninger, der höherklassig spielt: Alexander Reger (FC Lengdorf, Kreisliga).

FC Hohenpolding

Spieler der Ersten aus der Gemeinde Hohenpolding: Thomas Neumaier, Martin Neudecker, Thomas Hönninger, Jonas Urgibl, Andreas Ertl, Thomas Oberwallner, Vincent Numberger, Julian Urgibl, Norbert Bauer, Bernhard Nagl, Marcel Empl, Daniel Bamberger, Patrick Bachmaier. – Auswärtige: Wolfgang Stummer, Maximilian Nitzl, Matthias Bauer, Rudolf Pfrombeck, Michael Neumann, Josef Stummer, Florian Lehner.

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