Auf die Bretter mit Psychomanics: Dominik Schien alias Don Schien (l.) wirbelt seinen Erdinger Kollegen Heiko Lang durch die Luft. Foto: Bauersachs

Das starke Stück vom Wochenende

Echtes Blut und

  • Dieter Priglmeir
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Erding – Alles Show beim Wrestling? Die Kämpfe im Sportpark Schollbach folgen einer klaren Choreographie. Doch ohne Salto oder der richtigen Falltechnik geht gar nichts.

Die Kopfschere ist eine Spezialität von Christoph Haas. Er springt vor seinem Gegner hoch, seine Beine schlingen sich um dessen Hals, und dann dreht er sich. Am Samstag wird er aber erst mal so richtig vermöbelt. Von Franz Dynamite, einem Österreicher, der auch schon in Japan und den USA gekämpft hat. Heute ist er in Erding – im Sportpark Schollbach steigt der Kampfabend des Erding Wrestling Show e.V.

Seit 2005 gibt es den Verein. Seine Aktiven, derzeit sind es acht, bestreiten landauf, landab ihre Kämpfe und freuen sich auf die jährliche Großveranstaltung zu Hause. Für Haas ist das ein Großkampftag in doppelter Hinsicht. Der 25-Jährige ist Vereinsvorsitzender und hat auch das große Ganze im Blick. Zum Beispiel das Finanzielle. „Wir haben Veranstaltungen auch schon mit einem Minus abgeschlossen“, erzählt der Erdinger. Der Sportpark stelle zwar sein Haus ohne Miete zur Verfügung, „aber wir haben auch schon Auslagen wie etwa die Reisekosten unserer internationalen Kämpfer“, erklärt Haas. Bis aus Italien sind sie diesmal angereist.

Die ersten beiden Wrestler kommen zwar lediglich aus Bad Aibling, wo die OWG ihre Heimat hat, das ist die Liga Outlaw Wrestling Germany. Die beiden begeistern mit ihrer Akrobatik. Salti und mannshohe Sprünge – mit solchen High-Fly-Aktionen startet der Wrestling-Abend furios und gibt schon eine Antwort auf die Frage: Ist das wirklich Sport? Natürlich habe jeder Kampf eine vorher ausgetüftelte Dramaturgie und Choreographie, sagt Haas. Aber so ein Kampf dauere zwischen fünf Minuten und einer halben Stunde, „das muss man erst einmal unbeschadet durchhalten“, sagt der Erdinger und deutet auf seine blauen Flecken.

Zwei seiner Vereinskameraden sind erst seit drei Monaten im Club. Im zweiten Kampf des Abends streiten sie darum, wer offiziell Mitglied der Erding Wrestling Show sein darf. Dominik Schien, alias Don Schien, schickt Psychomanics – im Pass steht Heiko Lang – auf die Bretter.

Danach drehen die dicksten Dinger durch: Maddog verprügelt erfolgreich Wendy The Lumberjack. Die beiden Catcher aus dem Schwarzwald machen finstere Miene zum abgekarteten Spiel – sie bieten eine große Show.

Stacheldraht auf den Tischen

Wie sich das noch überbieten lässt? Von einem Kampf Zwei gegen Zwei. Die beiden Lokalmatadore Ivan Dragonov (Mike Schönberger) und Don Schien wagen sich als Tag-Team gegen die Italo-Bande David Graves und Jeff Hardy (nicht der frühere WWE-Superstar). Rookie Don Schien wird von den Kolossen aus Mailand und Verona furchtbar vermöbelt. Es dauert eine Ewigkeit, bis ihn Dragonov ablösen kann. Der zweifache EWS-Champ dreht den Spieß um, stellt sich aufs dritte Seil und erledigt die beiden außerhalb des Rings stehenden Italiener mit einem Crossbody. Der 2,50-Meter-Sprung zählt zu den Highlights des Abends.

Mit Stühlen und auf mit Stacheldraht versehenen Tischen wird der Kampf zwischen Caliban (Andreas Niebler) und einem Mailänder namens Brutus ausgetragen. Ein Hardcore-Match ohne Regeln. Echtes Blut ist zu sehen. „Nicht so wild“, beruhigt Walter John, Mitorganisator der Wrestling-Nacht, „das schaut spektakulärer aus als es ist“. Die Kämpfer haben die Show drauf. Das gilt auch für den Hauptkampf zwischen dem Schweizer Diablo und dem Italiener T.G. Und auch für Christof Haas’ Fight gegen das Ösi-Dynamit.

„Nobody“ nennt sich der Erdinger, für den es lange nicht gut aussieht. Und denoch sorgen sich die wenigsten der 200 Zuschauer um den Erdinger. Gut, er hat sich schon mal die Schulter gebrochen. Aber das war auf der harten Kickbox-Unterlage im Herbstfestzelt. Diesmal kassiert er zwar üble Schläge, doch als Dynamite auch noch mit dem Klappstuhl auf ihn losgeht, mischt sich erst der Ringrichter ein. „Und dann hob i eam ei’grabn“, schildert Haas später den siegbringenden Schulterwurf. Alles gut, der Richtige hat gewonnen.

Haas hat doppelten Grund zur Freude. Für 150 Zuschauer hatten sie die Arena hergerichtet. Weitere 50 Stühle mussten sie nachträglich ranschaffen. Neben den Auslagen kann er den Wrestlern auch noch eine kleine Gage bezahlen. Jetzt geht’s um den nächsten Kampf. „Wir benötigen einen Platz zum Traininieren“, erzählt er. Derzeit stehe der Wrestling-Ring bei ihm im Garten. Aber selbst der wildeste Kämpfer ist nicht winterhart.

Infos:

Wer sich für Wrestling in Erding interessiert oder eine Trainingsmöglichkeit für die Aktiven weiß, wendet sich an erding-wrestling@gmx.de, Tel. (01 52) 05 73 84 13

Dieter Priglmeir

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