Gleich schlägt’s ein: Susanne „Susa“ Schneider trifft gegen den ASV Dachau.
+
Gleich schlägt’s ein: Susanne „Susa“ Schneider trifft gegen den ASV Dachau.

ERDINGS TOP 100

Eine Altenerdinger Handball-Karriere

Susanne Schneider tourte durch Deutschland, doch die SpVgg ist ihre Heimat

VON BERND HEINZINGER

Altenerding – Der würdige Abschluss ihrer 26-jährigen Karriere blieb der besten Handballerin aus dem Landkreis wegen der Corona-Pandemie verwehrt: Nach der vergangenen Saison wollte Susanne Schneider ihren Abschied gebührend feiern, doch wegen des Lockdowns fielen alle Planungen ins Wasser – das Ende folgte von einem Tag auf den anderen. Was bleibt nach 26 Jahren im Handball? Da hat sie keine eindeutige Antwort parat: „Es waren einfach so viele schöne und lustige Dinge, die ich erlebt habe. Am meisten freuten mich die knappen und hart erkämpften Siege. Denn ehrgeizig war ich natürlich schon, verlieren musste nicht sein.“

Die heute 32-Jährige beginnt im Alter von sechs mit dem Handballsport bei der SpVgg Altenerding: Ihr Vater Stephan Rettig ist ebenfalls Handballer und schleppt die kleine Susanne schon als Baby immer mit in die Halle: „Ich bin da aufgewachsen und dann hat eines zum anderen geführt.“ Schon bei den Bambini erkennt sie: „Für mich ist Handball schnell der schönste Sport der Welt.“

In der C-Jugend trifft sie schließlich auf den für sie liebevollsten aber auch härtesten Trainer, ihren Vater: „Da war natürlich auch ein wenig Gezicke dabei, weil er zu mir mit am strengsten war. Und das gerade in meiner pubertären Phase.“ Leistungstechnisch bringt sie diese Zeit bei ihrem – rückblickend betrachtet – „größtem Vorbild“ allerdings stark voran, denn sie schafft es bei einer Sichtung erst einmal in die Altbayern-Auswahl. Dort überzeugt Susanne Schneider dermaßen, dass der Sprung in die Bayernauswahl gelingt: „Das war natürlich ein toller Erfolg. Mit der Mannschaft gab es schöne Erlebnisse, unter anderem ein Acht-Länderturnier gegen andere deutsche Verbände.“

Als die heute 32-Jährige in die B-Jugend kommt, klopft der TSV Ismaning an. Noch will sie aber ihre Heimat Altenerding treu bleiben, was sich lohnt. Denn durch einen Sieg im Qualiturnier hatte Schneider mit ihrer Biber-Truppe die Landesliga erreicht. Auch in der überregionalen Liga hält die SpVgg locker mit und wird Vierter.

„Ein Jahr später wurde ich dann aber dennoch abtrünnig und startete für Ismaning in der A-Jugend-Bayernliga“, erzählt Schneider. Sie nimmt die Herausforderung an. Bis zu viermal die Woche fährt sie zu den Übungseinheiten in die Halle: „Das war dort natürlich etwas ganz anderes. Ich habe eine neue, deutlich professionellere Trainingslehre kennengelernt. Von der individuellen Förderung war es in Ismaning schon top.“

Handballkind: Papa nahm sie immer mit in die Semptsporthalle.

In der damals besten bayerischen Mannschaft darf sie zu einem internationalen Turnier nach Vezprem, die ungarische Handballhochburg schlechthin. Schneider: „Unser erstes Spiel haben wir dann gleich gegen eine ungarische Mannschaft 9:30 verloren. Das war schon eine andere Handballwelt.“

Susanne Schneider entwickelt sich in ihrem letzten Jugendjahr weiterhin stark und verdient sich damit als 18-Jährige einen Platz im Kader des Ismaninger Frauenteams in der 3. Liga: „Auch wenn ich nur sporadisch zum Einsatz kam, war das für mich schon eine tolle Geschichte.“

Schneider tritt mit ihren Ismaningerinnen in Leipzig oder bei Vereinen in Baden-Württemberg in teils großen Hallen an: „Wir fuhren durch ganz Deutschland. Das bedeutete einen großen Aufwand, zumal ich parallel noch mein Abitur machte.“

Nach einem Jahr in der 3. Liga steigt Ismaning in die Bayernliga ab – in Bayerns höchster Klasse wird Susanne Schneider auf Rechtsaußen bald zur Stammspielerin. Die 32-Jährige überzeugt vor allem als Vorbereiterin und Gestalterin: „Ich hatte immer einen guten Blick für meine Mitspielerinnen.“ Angesichts einer Körpergröße von 1,63 Metern sei der wuchtige Wurf dagegen nie die große Stärke gewesen, meinte Schneider mit einem Lachen.

Die Zukunft: Im Januar eröffnet die 32-Jährige ihre Zahnarztpraxis.

Nach einem Jahr in der Bayernliga folgt das abrupte Ende in Ismaning, denn wegen ihres Zahnmedizin-Studiums zieht sie nach Mainz um. Mit dem Handball war dort allerdings nicht Schluss, sie findet bei der SG Bretzenheim eine neue Heimat. Sechseinhalb Jahre spielt sie dort in der Rhein-Hessen-Liga, ungefähr vergleichbar mit der bayerischen Landesliga, so Schneider: „Dort haben ich neben der neuen sportlichen Herausforderung auch viele tolle Menschen kennengelernt, mit denen ich heute noch Kontakt habe.“ Denn neben dem Sport war und ist für Schneider das Menschliche, die Gemeinschaft, stets das Wichtigste: „Ich musste mich immer wohl fühlen und fand im Handball auch meine besten Freundinnen.“ Mit der SG gibt es neben dem Ligabetrieb auch weitere tolle Erlebnisse. So fährt die Mannschaft zu Freundschaftsturnieren bis in die Schweiz.

Nach sechseinhalb Jahren Studium kehrt Schneider 2014 zurück, gibt ihr Comeback bei der SpVgg Altenerding – allerdings muss sie kurz darauf gleich einmal die schlimmen Seiten des Sports kennenlernen. Bei einem Vorbereitungsspiel reißt sie sich das Kreuzband – zehn Monate Pause: „Die Saison war leider gelaufen. Aber Verletzungen gehören zum Handball dazu, da darf man nicht zimperlich sein.“ Leichtere Bänderrisse gibt es bei ihr ab und zu: „Das zählt im Handball aber gar nicht als große Verletzung.“ Nach ihrer Rückkehr erlebt Schneider aber auch weitere schöne Jahre in Altenerding, wo sie in der Bezirksoberliga zu den Leistungsträgerinnen gehört.

Das Karriereende im März 2020 kommt einige Monate zu früh: „Das war schon komisch. In der einen Woche durften wir noch trainieren, dann folgte von einem Tag auf den anderen der Stopp.“ Neben ihr beendet mit Claudia Brückl eine langjährige Weggefährtin ihre Karriere. Ein Abschiedsspiel ist nicht möglich, aber bei einer Abschlussfahrt im August in den Bayerischen Wald wird die lange Zeit doch noch gebührend gefeiert.

Ein Team: Mit dem TSV Ismaning war Susanne Schneider am erfolgreichsten, doch ihr Herz gehörte stets der SpVgg Altenerding.

Mit dem Handball ist bei Susanne Schneider jetzt Schluss, dafür beginnt in beruflicher Hinsicht eine neue Herausforderung. Nachdem sie einige Jahre als angestellte Zahnärztin in Erding gearbeitet hat, übernimmt sie im Januar ab Januar 2021 ihre eigene Praxis. Passend dazu wurde ihr erst vor wenigen Tagen der Doktortitel verliehen: „Dafür war eigentlich eine Promotionsfeier in Mainz geplant. Aber wegen Corona habe ich die Urkunde leider nur per Post bekommen.“

Die Arbeit in der eigenen Praxis bedeutete in diesen Zeiten einen hohen organisatorischen Aufwand: „Ich hoffe, dass ich alle Materialien habe. Denn jetzt bekommt man ja nichts mehr.“ Die Hygienemaßnahmen wären aber so groß, dass jeder Patient ohne Ansteckungssorgen kommen könne: „Ich denke, dass wir trotz der Pandemie durchstarten können. Irgendwann muss sich das Leben ja wieder normalisieren.“

Neben der Praxis packt Susanne Schneider auch noch beim Bau des eigenen Heims kräftig mit an: Dort zieht sie zusammen mit ihrem Freund Tobias Koburger ein – den sie natürlich beim Handball in Altenerding kennenlernte, er spielt dort bei den Männern. Ob denn bald die Hochzeit anstehe, darauf meinte Susanne Schneider lachend: „Da müssen sie schon ihn fragen. Aber meine Mitarbeiterinnen meinten, dass ich mir schon noch Zeit lassen könnte, schließlich steht in der Praxis überall mein Name Schneider.“

Mit dem aktiven Handball ist zwar Schluss. Doch wenn es wieder möglich sein sollte, wird man sie bei den Heimspieltagen in der Semptsporthalle sehen: „Dann werde ich die Mannschaften mit lauter Stimme von der Tribüne aus anfeuern und endlich meine vielen Freunde wieder sehen.“

ERDINGS 100 GRÖSSTE SPORTLER ALLER ZEITEN

Bisher erschienen: 13. Platz: John Samanski (Eishockeyprofi aus Erding); 14. Albert Gröber (Fußballprofi FC Moosinning/FC Eitting); 15. Andreas Voglsammer (Bundesliga-Fußballer aus Dorfen); 17. Maxi Dallinger (Schütze aus Lengdorf)

20. Heinz Klupp (Kickboxer aus Erding); 21. Amelie Zachenhuber (Schwimmerin aus Reisen); 22. Hans Bruckmeier (Leichtathlet aus Altenerding); 23. Horst Soika (Boxer aus Eitting); 24. Sepp Berg (Fußballer des FC Bayern, später BSG Taufkirchen); 25. Annette Zweck (Tennisspielerin aus Erding); 26. Petra Müller (geb. Scharl, Schützin aus Taufkirchen)

27. Susie Falkenstein (Mittelstreckenläuferin aus Erding); 29. Martin Rötzer (Kickboxer aus Erding)

31. Alexandra Engelhardt (Ringerin aus St. Wolfgang); 35. Sebastian Bönig (2. Bundesliga-Fußballer aus Erding); 38. Sebastian Busch (Eishockeyprofi aus Langengeisling); 39. Heidi Schneider (Bundesliga-Volleyballerin); 43. Karl Pfeiffer (Radsportler aus Langengeisling); 44. Alexandra Mitschke (Extremsportlerin aus Erding); 48. Erwin Müller (Tennisspieler aus Erding); 51. Tuan Dang (Gewichtheber aus Erding); 56. Pascal Winter (Schwimmer aus Erding); 59. Valentin Busch (Eishockeyprofi aus Langengeisling); 67. Anton Bönig (Fußballer, u. a. beim FC Moosinning); 63. Sebastian Schwarz (Eishockey-Spieler aus Erding), 69. Philipp Michl (Eishockeyspieler, Erding); 73. Günter Krzizok (Motorsportler aus Erding); 75. Georg Schatz (Ringer aus Aufkirchen), 78. Andreas März (Schwimmer aus Wörth)80. Attila Babos (Tennisprofi aus Erding); 81. Martin Brandlhuber (Ski-Ass aus St. Wolfgang); 91. Florian Betzl/Sepp Wiesmeier (Motorsportler aus Eichenried); 93. Susanne Schneider (Handballerin aus Erding); 96. Savas Kepic (Fußballer, u.a. TSV Erding); 97. Franz Herbst (Eisschwimmer aus Pemmering, 98. Florian Maurer/Christian Zach (Highspeed-Skifahrer aus Granting).

Auch interessant

Kommentare