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Mittendrin im Getümmel: Lukas Kohlmüller beim WM-Spiel Slowakei (in Weiß) gegen Russland.

Eishockey-Referee Lukas Kohlmüller 

Erdinger Schiri wird zum Olympioniken

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Zwei Erdinger beim Olympischen Eishockey-Turnier in Pyeongchang: Neben Nationalspieler Felix Schütz ist nun auch Schiedsrichter Lukas Kohlmüller nominiert worden. Der 23-Jährige ist der einzige deutsche Referee, der bei den Herren zum Einsatz kommt.

Erding – Gut, dass Lukas Kohlmüller nicht auf der Autobahn unterwegs war. Zum Glück machte er gerade Station an einer Raststätte, um etwas zu essen. „Gott sei Dank“, meint er lachend. Denn bei der Nachricht hätte er vermutlich das Lenkrad verrissen. „Unser Schiri-Obmann hat mich angerufen“, berichtet der 23-Jährige, der nicht glauben konnte, was dieser ihm mitzuteilen hatte: Kohlmüller wird als einziger deutscher Schiedsrichter beim Olympischen Eishockey-Turnier der Männer im südkoreanischen Pyeongchang zum Einsatz kommen. Als Linesman wird er den Haupt-Referee unterstützen.

80 Kandidaten, 14 Glückliche

Kohlmüller war zum DEL-Spiel der Adler Mannheim gegen die Augsburger Panther unterwegs, als ihn die Nachricht auf Wolke sieben beförderte. „Ich hatte gar nicht dran gedacht, dass gerade die Entscheidung gefällt wird“, gibt er zu. „Ich wusste aber, dass ich auf der Long List mit 80 Namen stand.“

80 Kandidaten, von denen letztlich nur 14 zu Olympia reisen dürfen. Und Kohlmüller ist einer von ihnen. „Um ehrlich zu sein, habe ich mir keine großen Chancen ausgerechnet. Ich kann es nicht so ganz glauben und bin sprachlos.“ Und das, obwohl seit der Bekanntgabe mittlerweile über eine Woche verstrichen ist. „Ich kann es immer noch nicht so ganz einordnen“, sagt Kohlmüller, nach wie vor ein wenig ungläubig.

Mit seinen gerade mal 23 Jahren wird der Erdinger imFebruar dann das letzte Turnier, das ihm noch auf seiner Liste gefehlt hat, abhaken können. Es gibt in Deutschland wesentlich ältere und erfahrenere Schiedsrichter. Aber warum ist gerade die Wahl auf ihn gefallen? Kohlmüller muss überlegen: „Das ist eine schwierige Frage. Ich denke, es ist ein langer Prozess. Ich hatte zum Beispiel eine sehr gute U 20-WM in Kanada“, sagt er.

Nicht zu vergessen natürlich die seiner Meinung nach ebenfalls gut verlaufene Herren-WM in Köln und Paris im vergangenen Mai, die Inline-Hockey-WM in Bratislava und jüngst seine drei Einsätze beim Deutschland-Cup in Augsburg. Und nicht zuletzt in der höchsten deutschen Spielklasse, der DEL, wartet der Erdinger immer wieder mit überzeugenden Leistungen auf. „Was letztlich den Ausschlag gegeben hat, weiß ich nicht. Hinter so einer Entscheidung stecken viele Köpfe“, meint Kohlmüller.

Bei der A-WM war er aus deutscher Sicht noch zu zweit unterwegs. Für Hauptschiedsrichter Daniel Piechaczek vom HC Landsberg hat es diesmal aber nicht gereicht. „Das finde ich schade, dass er nicht genommen worden ist. Dafür war er aber 2014 bei Olympia in Sotschi.“ Jetzt schlägt dafür die Stunde eines jungen Erdingers, dessen Vorbereitungen auf das Highlight seiner bisherigen Karriere noch gar nicht begonnen haben: „Das ist noch zu kurzfristig jetzt. Ich bin viel in der DEL unterwegs, gerade vor Weihnachten sind da viele Spiele. Ich hoffe aber, dass ich das ganze Erlebnis Olympia mitnehmen, auch andere Sportarten anschauen kann. Es ist eine einmalige Chance, das zu nutzen. Aber ich weiß nicht, inwieweit das möglich ist.“

In Sachen Studium ist während der zwei Wochen in Pyeongchang in jedem Fall nicht viel möglich. Da heißt es dann danach: fleißig nachholen. An der Technischen Universität in München macht der Bachelor-Absolvent im Maschinenwesen gerade im dritten Semester seinen Master in Luft- und Raumfahrttechnik. Während Olympia hat er keine Zeit zum Pauken. „Das habe ich in Kanada gelernt“, sagt Kohlmüller. „Da habe ich mir auf dem Hinflug genau eine Stunde lang was anschauen können.“

Ein verspätetes Geburtstagsgeschenk

Neben dem Schiedsrichter wird voraussichtlich übrigens noch ein zweiter Erdinger südkoreanische Olympia-Luft schnuppern: Felix Schütz steht im Aufgebot der Nationalmannschaft. Für ihn und das DEB-Team wird es aber schwierig, befürchtet Kohlmüller. „Man hat beim Deutschland-Cup gesehen, wie wenige Chancen wir gegen eine zweite russische Mannschaft hatten. Für uns ist es super, nach dem verpassten Olympia 2014 wieder dabei zu sein. Vielleicht sind die Chancen aber wegen des Fehlens der NHL-Spieler leicht gestiegen.“

Egal, wie’s ausgeht: Für Kohlmüller werden die zwei Wochen so oder so unvergesslich. Und sie sind ein verspätetes Geburtstagsgeschenk: Eine Woche vor Abflug nach Pyeongchang wird er nämlich 24.

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