Jubeltraube: Die Ei´ttinger Kicker bedanken sich beim Dreifach-Schützen Tobias Herrmann (2. v. r.). Foto: kbr
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Jubeltraube: Die Ei´ttinger Kicker bedanken sich beim Dreifach-Schützen Tobias Herrmann (2. v. r.). Foto:

Das starke Stück vom Wochenende

Die Eittinger Explosion

  • Dieter Priglmeir
    vonDieter Priglmeir
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Eitting – Tief im Kreisliga-Keller blühte ein Stürmer auf. Tobias Herrmann schoss den FC Eitting zum 5:4 gegen den TSV St. Wolfgang – nach zehn Spieltagen Ladehemmung.

Über 900 Minuten musste Tobias Herrmann auf ein Tor warten, am Sonntag schlug der Stürmer des FC Eitting gleich dreimal zu. Es waren für ihn untypische Treffer: ein Kopfballtor („erst das vierte meines Lebens“), eine Volleyabnahme mit rechts („dabei bin ich ein Linksfuß“) und einen mit der Außenrist-Pike („da hatte ich mir eigentlich den Ball zu weit vorgelegt“).

Am Ende hieß es jedenfalls 5:4 im Kreisliga-Kellerduell zwischen dem FC Eitting gegen den TSV St. Wolfgang. Und neben dem Dreier hat Herrmann auch die Hoffnung mitgenommen, „dass bei uns nun endlich die Pechsträhne beendet ist“.

Eine schwere Saison hatten viele dem Bezirksliga-Absteiger prophezeit. Aber Tabellenletzter nach zehn Spieltagen? Die Gründe: viele Langzeitverletzte, die Integration von elf teilweise sehr jungen Spielern, mangelnde Entschlossenheit in entscheidenden Zweikämpfen. „Irgendwann fehlt dir das Selbstvertrauen“, sagt Herrmann. „Das hat man ja auch am Sonntag gesehen. Denn wir haben vier Tore kassiert.“

Das habe nicht allein an der Abwehr gelegen, meint Herrmann. „Wenn wir vorne die Bälle verlieren und nicht gut nach hinten arbeiten, hat auch die Offensive schuld.“ Jene Offensive, die am Sonntag aber vorne so ziemlich alles richtig gemacht hat.

Laut Herrmann war das kein Zufall. Der 28-Jährige ist froh, dass Trainer Daniel Rieplhuber das Spielsystem auf 4-4-2 umgestellt hat. „Als Einzelkämpfer im Sturm war ich aufgeschmissen, weil ich mir kaum Chancen erarbeiten konnte.“ Jetzt aber habe er mit Florian Hornauer einen Sturmpartner, mit dem er der gegnerischen Abwehr mit ihrer Schnelligkeit das Leben schwer macht. Seinen Treffer zum 3:2 gegen St. Wolfgang hält Herrmann für den besten Beleg dafür: „Florian hat schnell gekontert und mir den Ball perfekt an den Fünfer geschlagen.“ Und dann grinst der Marzlinger: „Gut, dass ich nicht lange überlegen konnte.“ Deshalb hielt er seinen schwachen rechten Ffuß hin – drin das Ding.

„Wir haben uns schon gegen Neufahrn Chancen erarbeitet. Vielleicht ist ja jetzt wirklich der Knoten geplatzt“, hofft Herrmann, der sich nicht erinnern kann, bei den Herren jemals schon drei Tore erzielt zu haben. „Zwei waren es mal gegen Allershausen“, erzählt er von den goldenen Zeiten mit dem damaligen Spielertrainer Michale Stiller. Dieser hatte ihn einst aus Marzling nach Eitting geholt. Später spielten beide gemeinsam beim SV Sulzemoos, „weil ich gern einmal in der Landesliga gespielt hätte“, erzählt er.

Im Winter vergangenen Jahres kehrte Herrmann zurück zu dem Verein, „bei dem meine Freunde spielen und zu dem ich höchstens zehn Minuten Fahrtzeit habe“. Herrmann ist beruflich sehr eingespannt. Zuhause in Marzling betreibt er mit seinem Vater eine Versicherungsagentur und ein Park & Fly.

Das heißt aber nicht, dass er deshalb im Fußball eine ruhige Kugel schieben will. Im Gegenteil: Neben den Trainingseinheiten in Eitting hält er seinen Körper mit Kraft-, Ausdauer- und Stabilitätsübungen fit. Vielleicht ist das der Grund, warum der 27-Jährige noch keine ernsthafte Verletzung hatte. „Vielleicht ist das aber auch nur Veranlagung“, sagt er.

Dass Herrmann nicht nur physisch fit ist, sondern auch mental, hat auch etwas mit Stefan Lex zu tun. „Er hilft uns in diesem Bereich sehr“, schwärmt Herrmann von dem Ingolstädter Fußballprofi. „Er hat uns immer wieder gesagt, dass wir schon irgendwann mal wieder treffen.“

Am Sonntag war es so weit. Und es wird noch besser werden, glaubt Herrmann. Dann nämlich, wenn das Team Rieplhubers Ideen („schnelles Umschalten, frühes und Konsequentes Pressing“ noch besser umsetzt. Und wenn der derzeit verletzte Frede Neudecker ins Team zurückkehrt. Dass ihm dieser den Platz im Angriff streitig machen kann, stört Herrmann nicht. „Konkurrenz belebt das Geschäft. Und ich habe auch kein Problem, nach einer Stunde rauszugehen.“ Den Wolfgangern wäre das am Sonntag wohl auch sehr recht recht gewesen.

Dieter Priglmeir

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