Günther Pauli feiert seinen 70. Geburtstag. Noch heute wohnt er in Erding. Seit über einem halben Jahrhundert ist ihm der Boxsport eine Herzensangelegenheit.
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Der richtige Mann in der Ring-Ecke: Günther Pauli sekundiert Leonhard Kern bei den oberbayerischen Meisterschaften 1983 in Ingolstadt. Seit 40 Jahren kennen sich die beiden. Deshalb war Kern auch der perfekte Autor für diesen Artikel.

Günther Pauli mischt noch immer in der Szene mit

Das kräftige Herz eines Boxers: Erdinger Legende feiert 70. Geburtstag

  • Dieter Priglmeir
    vonDieter Priglmeir
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Günther Pauli feiert seinen 70. Geburtstag. Noch heute wohnt er in Erding. Seit über einem halben Jahrhundert ist ihm der Boxsport eine Herzensangelegenheit.

Erding – Günther Pauli feiert am heutigen Freitag seinen 70. Geburtstag. Noch heute wohnt er in Erding in der Freisinger Siedlung, nur wenige Meter von seinem Geburtshaus entfernt, wo er mit fünf weiteren Geschwistern aufgewachsen ist. Das heißt aber nicht, dass er nicht in der Welt herumgekommen wäre. Das liegt vor allem an seinem Sport. Seit über einem halben Jahrhundert ist ihm der Boxsport eine Herzensangelegenheit.

Bereits als Jugendlicher schloss sich Pauli der Boxabteilung des TSV Erding an. Abteilungsleiter war damals Herbert Lihl. Trainer war Karl Liegl. Sepp Nawrotzki, Rudi Fischer und Sepp Birzer waren die sportlichen Aushängeschilder der Abteilung – es war eine der Glanzzeiten des Erdinger Boxens. Aber auch Pauli hatte Talent und Ehrgeiz und fand bei den TSV-Boxern das, was er gesucht hatte. Wie viele Kämpfe er in 1960er- und 70er-Jahren er bestritten hat, ist nicht belegbar, denn Paulis erster Startausweis ging verloren.

Günther Pauli gegen internationale Boxgrößen

Nach einer längeren Wettkampfpause kehrte der Erdinger 1979 zurück in den Boxring und absolvierte bis zum Ende seiner Laufbahn 1987 – wegen Erreichens der damaligen Altersgrenze – nochmal über 100 Kämpfe. Und da waren echte Granaten dabei. Dem späteren Profi-Europameister Jose Varela bot er ebenso Paroli wie dem mehrfachen österreichischen Meister Willi Glaser und vielen anderen internationalen Boxgrößen. 

Günther Pauli feiert seinen 70. Geburtstag.

Der Erdinger war aber auch beruflich viel unterwegs. Als Koch heuerte er auf einem Schiff an. Pauli war aber auch Lkw-Fahrer beim Raiffeisen-Lagerhaus Walpertskirchen, Kanalbauer und Sicherheitsbeauftragter bei einem Logistikunternehmen, bei dem er auch Fahrer und „der Mann für Alles“ war. Er war eben ein Tausendsassa und deshalb auch prädestiniert für eine weitere Facette des Boxsports.

Mit 47 im Kickboxring

Parallel zu seiner Kampfkarriere startete er seine Trainer- und Funktionärslaufbahn: 1982 machte der Erdinger an der Sportschule in München-Grünwald seinen Trainerschein und engagierte sich in der Boxabteilung des TSV kurzzeitig als stellvertretender Abteilungsleiter, ehe er 1983 zum BC Hausham mit dem legendären Trainer Hans Fellner wechselte.

Als Trainer war Pauli zwischenzeitlich beim Box-Club Dorfen. Als er 1989 schwer erkrankte, war es mit dem jungen Verein schnell wieder vorbei. Später agierte er sowohl als aktiver Sportler wie auch als Kampfrichter beim Kickboxen. In dieser Sportart stand er noch bis 1997 mit 47 Jahren im Ring.

Parkplatz-Ordner beim Herbstfest

Um die Jahrtausendwende kehrte er als Trainer zum TSV Erding zurück und stieg bald auch wieder als Funktionär in der Abteilungsleitung ein. Anfang 2012 wechselte Pauli als Trainer und Technischer Leiter zum SC Bavaria Landshut. Diese Aufgabe hat er noch immer inne.

Für den Bayerischen Amateur-Box-Verband (BABV) ist Pauli seit 1993 als engagierter Kampfrichter aktiv. Viele Jahre war Pauli dabei als Operator mit dem Box-Pointer für den BABV unterwegs, denn bis 2015 wurde beim Olympischen Boxen bei allen Meisterschaften mit dem Box-Pointer (Computer-Wertung) gepunktet. Beim diesjährigen BABV-Bezirkstag bekam Pauli die BABV-Ehrennadel in Gold durch BABV-Präsident Heinz-Günter Deuster überreicht.

Beim Erdinger Herbstfest ist der Vater von drei Kindern (eine Tochter, zwei Söhne) seit vielen Jahren als Ordner auf den Parkplätzen im Einsatz. Seine ältere, bereits verstorbene Schwester, die viele Jahre dem Parkplatz-Ordnungsdienst beim Herbstfest leitete, hat ihn schon vor langem dazu überredet. Jenes Herbstfest, auf dem einst große Boxkämpfe zu sehen war. Günther Pauli hat so manche davon aktiv miterlebt.

Leonhard Kern/Dieter Priglmeir

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