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Kappe ab und Ende: Für Andreas März (hier nach dem Ausschwimmen in Malmö) ist die Saison beendet. Es wird schwer, die gute Laune zu behalten. Er und seine Schwimmkollegen haben sich umsonst auf Berlin vorbereitet.

Nach Malmö und Florida kommt nichts mehr

Erdings beste Schwimmer müssen die Absagen der nationalen Meisterschaften verdauen

Nach und nach werden die nationalen Meisterschaften abgesagt. Die Top-Schwimmer aus der Region verraten, wie sie mit der aktuellen Situation umgehen.

Erding Ob Formel 1, Fußball-Europameisterschaft oder die Olympischen Spiele in Tokio – viele sportliche Großereignisse pausieren oder wurden vorsorglich auf das Jahr 2021 verschoben. Auch an den Schwimmern gehen die Auswirkungen der Corona-Pandemie nicht spurlos vorbei. So sind neben den süddeutschen Meisterschaften auch offiziell die deutschen Meisterschaften (DM) Ende April, sowie die deutschen Jahrgangsmeisterschaften (DJM) vier Wochen später abgesagt worden. Die Top-Schwimmer aus der Region verraten, wie sie mit der aktuellen Situation umgehen.

Sophia Geyer, Erding (Jahrgang 2006, TSV Erding, Teilnehmerin an den DJM 2019): „Ich wollte in dieser Saison noch einige Pflichtzeiten für die DJM knacken, was nach der Absage vieler Wettkämpfe schwierig wird. Dass die DJM jetzt komplett gestrichen wurden, kann ich nachvollziehen, aber enttäuscht bin ich dennoch. Dass das Training momentan auch nicht stattfinden kann, finde ich echt blöd, aber ich versuche jeden Tag Sport und Krafttraining zu machen.“

Verdachtsfall im Schulgebäude

Andreas März, Wörth (Jahrgang 2002, SG Stadtwerke München, mehrfacher Deutscher Jahrgangsmeister):„Mein letzter Wettkampf war der Swedish Grand Prix Anfang März in Malmö. Lief durchwachsen, weil ich wegen einer Nasennebenhöhlenentzündung nicht zu 100 Prozent fit war. Glück hatte ich aber, als sich nach der Heimkehr über Kopenhagen herausstellte, dass Dänemark wenige Tage später die Grenzen geschlossen hatte. Tags drauf beim Frühtraining im Schulschwimmbad wurden die wenigen Schwimmer plötzlich aus dem Becken geholt und nach Hause geschickt, da sich im Schulgebäude ein Verdachtsfall ergeben hatte. Zunächst freuten sich die Schwimmer über die Coronaferien. Kaum zu Hause erreichte uns die Nachricht, dass der Direktor des Isargymnasiums angeordnet hätte, die Schwimmer müssten sich wieder in ihren Klassenräumen einfinden. Ich nahm das ganz gelassen, frühstückte ausgiebig und gemütlich, checkte den Stundenplan und entschied dann gegen 14 Uhr noch zwei Stunden Mathe zu absolvieren, um danach wieder trainieren zu können, allerdings im Olympiabad. Am Ende der Woche wurden dann die Schulschließungen angeordnet. Das Training im Olympiabad war zu diesem Zeitpunkt noch möglich. Dann wurde der Radius mit den weiteren Einschränkungen wie Schwimmbäder, Fitnessstudios, Sportveranstaltungen, etc. immer enger. Besonders bitter war dann die Absage der HeadTrophy. Nach vier Jahren der Renovierung des Olybades freuten sich alle auf den Wettkampf im heimischen Bad. Eine Verlegung auf den Herbst bringt mir vermutlich nichts mehr, da ich dann, wenn alles nach Plan läuft, nicht mehr im Lande sein werde.“

Von den USA zurück nach Pemmering

Sander Liebig, Moosinning (Jahrgang 2004, TSV Erding, Teilnehmer an der DJM 2018, mehrfacher Bayerische Meister):„Ich war über die Absage der DJM enttäuscht. So viel Arbeit und jetzt alles für die Katz. Aber grundsätzlich war die Entscheidung wohl richtig. Ich hätte so gerne wie vor zwei Jahren das Finale über die 50 Meter Brust erreicht. Jetzt konzentriere ich mich mehr aufs Krafttraining und halte mein Ausdauerlevel mit Laufen und Radfahren. Einfach jede Gelegenheit nutzen, um fit zu bleiben. Allerdings fehlen die Schwimmkolleginnen und -kollegen schon sehr. Man muss sich ständig allein motivieren, das ist nicht leicht.“

Anna Herbst, Pemmering (Jahrgang 2000, SG Stadtwerke München, Teilnehmerin der DM in den vergangenen Jahren):„Ich war natürlich sehr enttäuscht über die Nachricht, da ich mich ja für die DM über 50 und 100 Meter Schmetterling qualifiziert habe und nach den Nationals (Hauptwettkampf für die Universitäten in den USA, wir berichteten) viel dafür getan habe, meine Form zu halten, obwohl bei uns in Florida die Saison beendet war. Schwimmerisch gesehen ist die Saison für mich gelaufen. Ohne Wasser kein Schwimmen – ein echtes K.o.-Kriterium. Selbstverständlich versuche ich mich fit zu halten mit Joggen, Radeln und Krafttraining. Momentan lebe ich wieder bei meinen Eltern und kann mein Semester zu Hause online beenden. Wie es schwimmerisch und schulisch weitergeht, hängt davon ab, wie sich die Dinge, die ich nicht beeinflussen kann, entwickeln.“

Ins Eiswasser für das Immunsystem

Amelie Zachenhuber aus Reisen (Jahrgang 2004, SC Prinz Eugen München, mehrfache Deutsche Jahrgangsmeisterin und Dritte bei den offenen Deutschen Meisterschaften über 50 m Schmetterling): „Ich war auf die Absage der beiden nationalen Meisterschaften vorbereitet. Wenn man richtig nachdenkt, dann kann es eigentlich auch gar nicht anders sein. Aber dann war ich über das endgültige Aus doch ziemlich traurig. Ich hab mich schon sehr darauf gefreut, denn ich hab ja gut und viel trainiert und sogar meinen Lebensmittelpunkt von zu Hause nach Nürnberg und Erlangen verlegt. Außerdem wollte ich bei der DM und DJM die Qualifikation zur Junioren-Europameisterschaft in Aberdeen schaffen. Dafür zu trainieren ist allerdings momentan schwierig, auch für Mitglieder der Nationalmannschaft eine Ausnahmegenehmigung bekommen scheint bisher schwierig. Auch das dreiwöchige Trainingslager in Florida fällt leider ins Wasser. Mit meinem Bruder Simon gehe ich daher täglich mindestens eine Stunde laufen, oder wir fahren Rennrad, machen draußen Zirkeltraining, Schattenboxen, viele Liegestütze und Klimmzüge. Danach in die Eiswassertonne, um das Immunsystem zu stärken.“

Felicitas Ambros aus Moosburg (Jahrgang 2004, TSV Erding, letztjährige Teilnehmerin an den DJM):„Natürlich bin ich traurig, dass mein großes Saisonziel und auch Saisonhöhepunkt dieses Jahr vorerst ausfallen muss, ich kann die Entscheidung aber definitiv nachvollziehen. Mein Fokus geht jetzt erstmal darauf, mein Fitnessniveau möglichst hoch zu halten bis wir hoffentlich bald wieder schwimmen dürfen. Für die nächsten Wochen hat unser Trainer Ralf Alschers uns zunächst mit Krafttrainingsplänen für zu Hause, sowie Jogging- und Radfahreinheiten ausgestattet. Ich denke, ich werde besser erst einmal nur bei Krafttraining und Joggen bleiben, denn meine erste Radltour endete nach einem Bremsfehler leider mit zwei geprellten Ellbogen in der Notaufnahme. Das hätte aber noch um einiges schlimmer ausgehen können.“

Aleks Scharfe

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