Der Deutsche Schwimmverband hat die DM abgesagt und auch die DJM steht auf wackeligen Beinen. Wir haben uns bei den Sportlern umgehört.
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Beeindruckt von Berlin: Andreas März genoss im Vorjahr die Titelkämpfe im Becken der Hauptstadt. Heuer fallen die Titelkämpfe aber aus.

„Abhaken und weiter trainieren“

Die Landkreis-Schwimmer über die DM-Absage und ihren Folgen

Der Deutsche Schwimmverband hat die DM abgesagt und auch die DJM steht auf wackeligen Beinen. Wir haben uns bei den Sportlern umgehört.

Landkreis – Es ist ein herber Rückschlag für alle Leistungsschwimmer des Landkreises. Nachdem Hygienekonzepte erstellt wurden und der Trainingsbetrieb wieder langsam anlief, gab es für die im Sommer gestrichenen Deutschen Meisterschaften (DM) und Deutschen Jahrgangsmeisterschaften (DJM) den Ersatztermin für Ende 2020. Nun kam vom Deutschen Schwimmverband (DSV) die offizielle Absage der DM – und auch die Durchführung der DJM steht auf wackeligen Beinen. Die Heimatzeitung hat sich unter den Nachwuchsathleten umgehört, was dies für den weiteren Verlauf ihrer Saison und Wettkampfvorbereitung bedeutet:

Andreas März

(Jahrgang 2002, mehrfacher Deutscher Jahrgangsmeister):

„Die Absage der DM ist schon sehr enttäuschend, zumal doch in fast allen Sportarten seit einiger Zeit wieder Wettkämpfe, unter Ausschluss des Publikums, stattfinden können. Wir trainieren seit Mai unter Einhaltung der entsprechenden Hygienekonzepte ohne richtige Wettkämpfe. Letzte Woche war zwar der Überprüfungswettkampf der bayerischen Kaderathleten, aber das war gefühlt eine anspruchsvollere Trainingseinheit.“

Die DM sollte nun für ihn den Höhepunkt darstellen. Darauf war der Trainingsplan ausgerichtet, unter anderem mit einem dreiwöchigen Höhentrainingslager. „Ich fühle mich auch top in Form und hätte mich gerne mit den anderen deutschen Athleten gemessen. Nun heißt es einfach abhaken und weiter trainieren. Schließlich müssen alle mit der Situation irgendwie klarkommen.“ Eine Planung sei, so März, auf Grund der unsicheren Lage derzeit aber kaum möglich. „Seitens der SG wäre noch ein großer Wettkampf im Dezember vorgesehen. Ob dieser und die DJM jedoch stattfinden werden, bzw. ich daran teilnehmen kann, hängt von der weiteren Entwicklung der Pandemie ab. Das momentane Online-Studium in Koordination mit den beiden täglichen Trainingseinheiten klappt sehr gut. Trotzdem möchte ich baldmöglichst zu meinem US-Team stoßen. Die DJM würde ich allerdings schon noch gerne schwimmen, da es meine letztmögliche Teilnahme wäre und ich zumindest meine Titel verteidigen möchte.“

Amelie Zachenhuber

(Jahrgang 2004, mehrfache Deutsche Jahrgangsmeisterin): „Die Absage ist schon sehr schade. Wir haben ja schon lange drauf hin trainiert – die bisherigen Wettkämpfe haben wir nur als Trainingswettkämpfe genutzt – und wollten unseren Fokus auf die DM und DJM heuer legen. Es waren auch sehr wenig Wettkämpfe bisher und ich bin schon sehr ,heiß’ drauf. Für die DM war ich schon gemeldet über 50, 100 und 200 Meter Freistil, sowie die 100 und 200 Meter Schmetterling. Bei der DJM wären noch die 50 Meter Rücken und Schmetterling dazu gekommen. Aber trotz allem ist die Gesundheit einfach am Wichtigsten – damit wir auch in Zukunft weiter gesund Leistungssport betreiben können.“

Emma Grichtmair

(Jahrgang 2007, bis dato für die DJM qualifiziert über 100, 200, und 400 Meter Freistil, sowie 100 und 200 Meter Rücken): „Es war eine sehr große Enttäuschung, da es die letzten Monate schwer war überhaupt trainieren zu können. Man kann derzeit froh sein, wenn man wenigstens trainieren darf. Trotz allem habe ich durchgehalten und konnte nach der Pause wieder an meine alten Zeiten anknüpfen, was ja auch schon ein kleiner Erfolg ist. Die Quali für die DJM war mein großes Ziel, nachdem die Richtlinien aufgrund Corona auf die Top 16 geändert wurden, war es eh schwieriger dies zu erreichen.“ Das könne sich ja noch bis zum Ende des Quali-Zeitraums (29. November) ändern, da jede Woche bundesweit geschwommen werde, so Grichtmair. „Grundsätzlich sind die Wettkämpfe jetzt schon anders, die Atmosphäre ohne Zuschauer ist schon sehr komisch. Es dürfen nicht mehr so viele Schwimmer teilnehmen, was die Pausen zwischen den einzelnen Strecken verkürzt. Darum kann man nicht mehr alles melden und muss sich auf seine Hauptstrecken, die man schaffen möchte, konzentrieren.“

Sander Liebig

(Jahrgang 2004, bis dato qualifiziert für die DJM über 50 und 100 Meter Brust): „Ohne die DJM wird uns Schwimmern der Saisonhöhepunkt fehlen. Auch wenn dieses Corona-Jahr eher schwierig war, wegen zum Beispiel eingeschränkter Trainingsmöglichkeiten, und mich zusätzlich eine persönliche Verletzung lange Zeit auf meinem Leistungsniveau gehalten haben, bin ich aktuell vollmotiviert und wünsche mir diesen Wettkampf sehr. Ich wollte außerdem um die Teilnahme in 200 Meter Brust kämpfen. Aber verstehen könnte ich die Entscheidung – sofern sie kommt – natürlich auch. Gesundheit geht immer vor.“

Sophia Geyer

(Jahrgang 2006, bis dato qualifiziert für die DJM über 50 Meter Schmetterling): „Über die Absage der DJM wäre ich sehr enttäuscht. Berlin war im letzten Jahr für mich ein ganz besonderes Erlebnis. Ich habe immer noch die Hoffnung, dass die DJM stattfinden wird; ich habe ja in den Sommerferien auch immer regelmäßig trainiert. Meine Bestzeit war im Vorjahr in Berlin 30,75 Sekunden, in der Bestenliste stehe ich auf Platz 24, beim Wettkampf in Plauen vorletztes Wochenende bin ich leider nur eine 31,88 geschwommen. Mein Ziel ist es aber, noch unter die Top 16 zu kommen.“ Geyer fehlen die Wettkämpfe. „Mein Trainer und ich haben aber immer noch große Hoffnung, dass ich eine Qualifikation auf die 200 Meter Freistil schaffe. Kommenden Samstag starte ich in Erfurt und da hoffe ich auf neue Bestzeiten. Schwimmen bedeutet mir trotz der schwierigen Lage mit Corona immer noch sehr viel. Ich hoffe sehr, dass die Schwimmbäder auf bleiben und ich weiterhin regelmäßig zum Training gehen kann.“

Aleksandra Scharfe

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