Flugstunde: Lion Florian in Aktion (linkes Bild) . Er schwärmt von der Professionalität im WZ-Racing-Team.
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Flugstunde: Lion Florian in Aktion (linkes Bild) . Er schwärmt von der Professionalität im WZ-Racing-Team.

Jetzt hat er Heimaturlaub

Lion Florian: Eine WG mit einem Rudel Gleichgesinnter

  • Dieter Priglmeir
    vonDieter Priglmeir
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Mit großen Plänen ging Lion Florian ins Jahr 2020, dann kam aber Corona. Zu tun gab es trotzdem genug. Was genau, das erzählt der Motocrosser im Interview.

Erding – Lion Florian hatte für 2020 große Pläne: Er wollte mit seiner 250er-KTM unter Europas Top Fünf und den ADAC MX Masters Youngster Cup gewinnen. Ganz hat der Erdinger Motocrosser seine Ziele nicht erreicht. Aber Top20-Plätze bei den EMX-Läufen, zuletzt bester Deutscher im belgischen Lommel und Silber im ADAC-Cup – das war kein verlorenes Jahr für den 19-Jährigen. Zumindest nicht in dieser Hinsicht. Wie sehr ihn die Corona-Pandemie ausgebremst hat und wie es sich in einer Motocross-WG im 620 Kilometer entfernten Sassenburg lebt, erzählte er im Interview.

Erdinger Anzeiger: Herr Florian, nach vielen Monaten in Sassenburg endlich daheim. Was haben Sie besonders vermisst?

Lion Florian: Natürlich die Familie, das eigene Bett, die Freunde – und den Schweinebraten von der Oma.

Wie lange sind Sie jetzt in Erding?

Das kommt ganz darauf an, wie es weitergeht. Derzeit laufen die Gespräche mit meinem Team WZ-Racing. Wäre super, wenn es so weiter läuft. Ich fühle mich da superwohl, und ich bin dem Team und unserem Chef Waldemar Zichanowisch dankbar für dieses Jahr.

Ihnen gefällt es in dieser WG voller Rennfahrer – weit weg von Bayern?

Im Haus sind fünf Fahrer untergebracht. Wir haben praktisch Vollpension, müssen uns also nicht ums Essen kümmern. Die Wäsche wird uns – bis auf die Sportklamotten – gemacht. Wir können uns ganz auf unseren Sport konzentrieren. Und die Stimmung unter uns ist super.

Seid ihr nicht Rivalen?

Ich würde es anders ausdrücken: Man pusht sich gegenseitig und lernt von einander, aber auf der Rennstrecke sind wir natürlich Rivalen.

Was können Sie besser als vor zwölf Monaten?

Ich bin allgemein stärker geworden, komme auch mit den anspruchvollsten Strecken, zum Beispiel im Sand, zurecht. Meine Starttechnik war schon immer recht gut, aber jetzt komme ich noch besser aus dem Gatter raus. Und mit der Erfahrung erhöht sich auch der Mut, länger am Gas zu bleiben.

Aber ist man nicht als Jungspund tollkühner?

Nein, du weißt halt jetzt: Das Risiko, dass es dich schmeißt, ist immer da. Und damit lernst du umzugehen. Die Kunst ist es, am Limit zu fahren, ohne sich zu verletzen.

Was waren die Höhepunkte dieser Saison?

Die hatte ich gleich zu Beginn. In Valkenswaard in der Niederlande bin ich bei den Europameisterschaften auf Platz fünf gefahren – ein bombenstarkes Ergebnis vor 26 000 Zuschauern.

Danach hätten die ADAC Masters starten sollen. Dann kam Corona.

Die Pause hat mich völlig aus dem Rhythmus gebraucht. Die Routine am Rennplatz hat mir sehr gefehlt. Danach wieder reinzukommen, hat mich sehr viel Zeit gekostet.

Und nach der Pause ging es sehr intensiv weiter.

Das kann man wohl so sagen. Drei Rennen in einer Wochen – das ist schon Hardcore. Einerseits hat es sehr viel Spaß gemacht, weil du weniger Reisestrapazen hast, wenn mehr Rennen am gleichen Ort sind. Und es war auch nie langweilig, weil die Strecke verändert wurde. Andererseits ist es anstrengend, weil du so gut wie keine Pause hast. Du gehst aus dem Rennen, ziehst dich um, und schon wartet der nächste Start. Es bleibt keine Zeit mehr, mal zu regenerieren.

Und vermutlich erhofft sich das Team ja auch entsprechende Ergebnisse.

Natürlich sind die Erwartungen sehr hoch. Aber das ist auch gut so. Auch dass unser Teamchef Waldemar immer deutlich anspricht, wenn was nicht gut läuft. Er ist da sehr direkt, aber auch konstruktiv und sagt mir konkret, was ich besser machen kann. Es ist einfach super, in so einem professionellen Team zu sein. Da kann ganz anders gearbeitet werden als etwa in einem Familienbetrieb. Bei WZ Racing hast du einen genauen Ablauf, einen Fitnesstrainer, einen Coach und ein Rudel Gleichgesinnter.

Wie sieht denn eine Trainingswoche aus?

Wir sind in etwa drei Mal die Woche für zweieinhalb bis vier Stunden auf dem Bike. Die anderen Tage trainieren wir Kraft und Koordination im Fitnessstudio. Sehr wichtig ist natürlich auch das Ausdauertraining.

Neben dem WZ-Team werden Sie auch noch von der ADAC-Stiftung Sport gefördert.

Stimmt, ich bin inzwischen vier Jahre dabei. Länger geht eigentlich nicht. Es laufen aber Gespräche, dass die Unterstützung noch ein Jahr weiterläuft, weil man heuer wegen Corona nicht gerade von einer echten Saison sprechen kann. Wäre schön, wenn sich die Förderung verlängern lässt. Dafür muss ich Ende November nach Stuttgart für einen kompletten Check: Laktattest. Ausdauer, Übungen zur Geschicklichkeit und Reaktionszeit, Körpercheck zur Statur, Haltung, Bauch- und Rückenmuskulatur – das ganze Programm halt. Aber das ist ja auch gut so. Denn 2021 soll ja noch besser laufen. Und deshalb geht’s auch hoffentlich bald wieder nach Sassenburg.

Das Interview führte Dieter Priglmeir.

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