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Nach seinem Umzug in den Schwarzwald ging Hammerdinger für den SV Winzeln auf Torejagd.

Coachte Spiele gegen den VfB und Grasshoppers Zürich

Peter Hammerdinger: Ein Bayer im Schwarzwald

  • Dieter Priglmeir
    vonDieter Priglmeir
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Er war dabei als der FC Erding von der C-Klasse in die Bezirksliga durchmaschierte: Peter Hammerdinger. 2001 zog er dann in den Schwarzwald.

Erding – Peter Hammerdinger mag es gern in der XXL-Packung. Als er im Jahr 2001 von Erding in den Schwarzwald zog, wären seine neuen Vereinsmitglieder mit einem Tragl Bier zum Einstand durchaus zufrieden gewesen. Und was schlug er vor? „Am besten, wir fahren alle zusammen nach Erding, und da geb ich Euch einen aus.“ Daraus sei schließlich ein Vereinsausflug mit 60 Leuten geworden. „Wenn ich bloß nicht so vorlaut gewesen wäre“, sagt er lachend. Heute ist Hammerdinger 45 Jahre alt, hat Spiele gegen den VfB Stuttgart, den SC Freiburg und Grasshoppers Zürich mitgemacht und ist in seiner neuen Heimat längst eine Nummer.

Mit Hans Rasp fing alles an

Das hätte er sich wohl einst nicht träumen lassen, als er in der F-Jugend beim TSV Erding unter den Trainern Hans Rasp und Rainer Hoffmann das Kicken begann. „Mit 17 habe ich erstmals in Ersten gespielt“, erzählt er. Weil sein Pass nicht unterschrieben war, wurden dem TSV damals Punkte abgezogen. Ansonsten habe er aber nur die besten Erinnerungen. Er habe an der Seite der Erdinger Größen Anderl Faltermaier, Ralf Sandner‚ Richi Brandhuber, Wolfgang „Uwe“ Unterreiner, Hans „Leines“ Leininger, Savas Kepic, Karl „Manke“ Strohmair und Otto Simon spielen dürfen. Er war dabei, als Erding von der damaligen C-Klasse (heute A-Klasse) in die Bezirksliga durchmarschierte. Er erlebte Trainer wie Ralf Sandner („Er hat immer an mich geglaubt und mich spielen lassen.“), Rudi Böck („Er legte alles auf Disziplin und Kondition. Leider waren wir da uns nicht immer einig.“) und Günther Weiß („Dass er Profi beim FC Bayern war, hat er sich nie raushängen lassen. Aber taktisch, mental und menschlich gibt es keinen besseren.“). In 192 Spiele erzielte Hammerdinger 79 Tore für seinen Heimatverein.

Keine Frage, Hammerdinger war durch und durch ein Erdinger. Das hat er ja sogar in seinem Namen stehen. Wie aber wurde dann aus dem Hamm-Erdinger ein Hamm-Schwarzwälder? 

Der junge Peter Hammerdinger (r.) lobt Coach Günther Weiß: „Taktisch, mental und menschlich gibt es keinen Besseren.“

Es war „der Liebe wegen“, erzählt er. Privat war es offensichtlich keine schlechte Entscheidung. Er ist verheiratet, hat eine 14-jährige Tochter. Beruflich war es auch keine Verschlechterung. „Ich habe bei Siemens in München den Beruf als Industriemechaniker erlernt und bin noch heute in der Metallbranche tätig“, erzählt er. Und sportlich gesehen? War es auch ein Volltreffer.

Auch wenn seine neue Heimat erst einmal einen ganz anderen Kracher erwartet hatte. „Als ich als Neuzugang aus München vorgestellt wurde und dann mein erstes Tor in der Bezirksliga geschossen habe, stand in der Zeitung: ,Bayernimport erzielt Siegtreffer‘. Dann hieß es, ,Oh, einer vom FC Bayern spielt jetzt beim SV Winzeln’“, erzählt er lachend. „Dabei bin ich halt nur aus dem kleinen Erding.“ Aber er machte der Bierstadt gleich alle Ehre: „Als ich nach einem der ersten Trainings bei gefühlt 40 Grad ein Bier in zwei Zügen getrunken habe, starrten mich alle an wie einen Außerirdischen.“

243 Tore in 455 Spielen

Nicht von einem anderen Stern, aber durchaus sehenswert war aber dann doch seine Torausbeute für seinen neuen Verein. Hammerdinger hat Buch geführt: „ In insgesamt 455 Spielen für die Erste und Zweite habe ich 243 Tore erzielt. In einer Saison sind mir 40 Treffer gelungen.“ So wie einst dem großen Gerd Müller in der Bundesliga. Hammerdinger ist übrigens großer FC Bayern-Fan und hat für die Roten eine Base im Schwarzwald aufgebaut – als Fanclubvorsitzender vom Bayern Fanclub Black Forest Winzeln. 

Seine Frau Manuela und Tochter Svenja hat Hammerdinger zu Bayern-Fans erzogen.

Nebenbei machte er die B-Lizenz in der Sportschule Ruit, gewann als Trainer mit seinem Team die Stadtmeisterschaft, um dann beim SV Zimmern in den Jugendleistungsbereich zu gehen. „Das war eine Riesenchance. Ich übernahm die B-Jugend, die in der Verbandsliga Süd gegen den VfB‚ den SC Freiburg, die Stuttgarter Kickers und den SSV Ulm spielte.“ Mindestens drei Mal die Woche wurde trainiert, „und zu den Auswärtsspielen war eine Reise von mindestens zwei Stunden ganz normal“, erzählt Hammerdinger. Gern denke er auch an ein Testspiel gegen Grasshoppers Zürich zurück. „Einmal konnten wir sogar ein Vorbereitungsspiel gegen den SC Freiburg 4:0 gewinnen. Unser Torwart hielt alles, und wir hatten vier Sonntagsschüsse. Auch gegen den VfB Stuttgart haben wir mal ein 2:2 geschafft. Aber ansonsten bekamen wir von denen schon auf den Sack. Wenn die ernst machen, hast du keine Chance“, meint er und schwärmt von der Kooperation seines Vereins mit dem SC Freiburg, gegen den er schon mal 0:7 untergegangen ist. „Unsere besten Spieler konnten es mal beim SC versuchen. So ist mein ehemaliger Spieler Kai Brünker über den SC Freiburg nun bei Sonnenhof Großasbach gelandet. Serhat Ilhan kam über Freiburg zu Heidenheim.“ 

Gern erinnert er sich auch noch an das Champions-League-Finale zwischen Manchester United und Barcelona, das er sich mit dem damaligen Trainer Marcus Sorg anschaute. „Damals war Christian Streich noch U 19-Trainer und Assistent von Marcus Sorg.“ Nach zwei Jahren Leistungssport wechselte Hammerdinger wieder zu den Aktiven. Derzeit trainiert er die SpVgg Leidringen in der Kreisliga A und kickt selbst noch in der AH des SV Winzeln.

Die sprachlichen Kommunikationsprobleme von einst („Die verstanden mich nicht, und ich verstand sie nicht.“) sind inzwischen weitgehend ausgeräumt. „Ich spreche weiterhin bairisch. Aber ab und zu rutschen mir ein paar schwäbische Ausdrücke durch“, sagt er und legt los: „,A geh!‘ heißt schwäbisch ,A wa‘, und die Marmelade ist ,a Gselz‘ – da wusste ich anfangs echt nicht, was die meinen.“

Sein Traum: Trainer beim FC Erding

Anfangs habe er Erding schon sehr vermisst, gibt Hammerdinger zu. „Vor allem natürlich das gute Bier. Im Schwarzwald brauen sie auch nicht schlecht, aber es kommt halt nicht an uns heran.“ Auch das Herbstfest habe ihm anfangs sehr gefehlt. Im Großen und Ganzen war halt alles fünf Nummern kleiner, wie er es aus Erding kannte. „Aber da ich ja ein sehr lockerer, geselliger und lustiger Typ bin, war die Umstellung für mich kein Problem. In Winzeln wurde ich überragend aufgenommen.“

Drei- bis viermal pro Jahr kommt er nach Erding. Dieses Wochenende ist es wieder so weit. „Ich werde Erding immer lieben“, sagt er und fügt hinzu. „Vielleicht komm ich irgendwann mal als Trainer des FC Erding zurück. Das wäre mein Lebenstraum.“

Dieter Priglmeir

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