Dieter Priglmeir, Sportchef des Erdinger Anzeiger

Das Sportgeflüster

Die Chancen bei einem Neuanfang: Warum 2021 ein gutes Jahr wird

  • Dieter Priglmeir
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Nicht nur wegen der Fußball-EM und der Olympischen Spiele wird 2021 ein gutes Jahr. Auch wird es wohl im Regelsportbetrieb wieder unkomplizierter weitergehen.

Die Darter vom SCD Erding werden schon bald ihren ersten Einsatz haben: Als Fern- oder Zielimpfer bei der nächsten Querdenker-Demo am Volksfestplatz. Okay, den Gag haben wir uns vom Satiremagazin „Der Postillon“ geborgt. Und es ist ja auch unrealistisch. Allein schaffen die Darter das sowieso niemals. Aber wenn sich vielleicht noch die Bogenschützen aus Taufkirchen, Langenpreising und Hörlkofen zusammentun...

Aber jetzt mal wirklich im Ernst: Es könnte ein gutes Sportjahr 2021 werden. Und damit meinen wir weniger die zufällig in einem ungeraden Jahr stattfindenden Großereignisse Fußball-EM und Olympia (wobei wir natürlich Oliver Zeidler und Maxi Dallinger fest die Daumen drücken), sondern die Athleten, die auf den Sportplätzen in der Region unterwegs sind. Die Corona-Pandemie hat den seit Jahrzehnten routinierten Regelbetrieb völlig ausgehebelt. Das war erst einmal ein Schock, aber jetzt besteht die Chance, beim Wiederaufbau bereits zuvor verrostete Strukturen zu erneuern.

Warum zum Beispiel pausiert der Fußballspielbetrieb ausgerechnet im Juni und Juli, in den schönsten Monaten des Jahres, in denen man auch noch um 19 Uhr spielen kann? Funktionäre werden mich zwar mit einem Stapel Rahmenterminkalender bewerfen. Aber jetzt, da ohnehin alle Termine über den Haufen geschmissen sind, könnte man da doch Neues wagen.

Noch wichtiger aber ist die Veränderung im Nachwuchsfußball. Natürlich ist es nett anzusehen, wenn Sechsjährige im neuesten und viel zu großen Adidas-Dress Tore für ihren Verein erzielen. Aber es hilft dem Fußball nicht weiter. Endlich treibt der Verband das Projekt der neuen Spielformen für mehr Ballaktionen des Einzelnen voran. Es wird Zeit, dass sich da auch unsere Vereine ranwagen. In der G-Jugend Zwei-gegen-Zwei, in der F-Jugend Drei-gegen-Drei auf Minitore – so was hat’s noch nie gegeben? Das mag für den Vereinsfußball so gelten, aber so haben wir früher auf Straßen und Wiesen immer gekickt. Lasst es einfach die Kinder ausprobieren. Meisterschaftsrunden – und damit unweigerlich der erfolgsorientierte Kick – kommen noch früh genug. Gleichzeitig sollte aber das Problem am anderen Ende des Nachwuchsfußballs endgültig gelöst werden. A-Jugendliche im Erwachsenenfußball – vieles spricht dafür, manches dagegen. Entscheidet das endgültig!

2021 könnte das Jahr der Experimente werden. Nicht nur im Fußball werden die Klassen aufgrund großzügiger Auf- und Abstiegsregeln (Ligapokal!) bunter. Das darf man auch in den Hallensportarten erwarten. Vermutlich wird es immense Leistungsunterschiede zwischen Erstem und Letztem geben. Manche Mannschaften werden vermutlich eingeordnet sein. Aber das regelt dann der Sport schon selber.

Denn am Grundprinzip „schneller, höher, weiter“ wird sich auch 2021 nichts ändern. Und auch nicht daran, dass sich die Menschen bewegen wollen. Nach dem ersten Lockdown habe er seine Turn- und Gymnastikgruppen kaum mehr bremsen können, erzählt ein langjähriger Übungsleiter. Die Hallen waren noch gesperrt, also wurden die Gymnastikmatten eben im Freien ausgelegt – mit Abstand und stets desinfiziert. „Es waren die schönsten und angenehmsten Stunden überhaupt“, schwärmt der Trainer. Das werde man auch künftig beibehalten. Vereinsaustritte? In unserem Landkreis bisher – zumindest gefühlt – Fehlanzeige. In der größten Krise haben die Mitglieder gemerkt, was sie an ihren Clubs haben und was Ehrenamtliche zu leisten imstande sind.

Das könnte vielleicht das größte Problem werden: dass die Vereinsverantwortlichen nach einem Jahr der Hygienekonzepte, ausgefallenen Veranstaltungen, Online-Aktionen und finanzieller Sorgen (alle lukrativen Veranstaltungen wurden abgesagt) einfach müde sind. Da hilft dann nur, wenn die, die in diesem schwierigen Jahr den Laden am Laufen gehalten haben, nun die verdiente Unterstützung bekommen – dann wird das ein gutes Jahr.

Dieter Priglmeir

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