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Die Rock’n’Roll-Gruppe des Anne-Frank-Gymnasiums: die meisten der Tänzerinnen und Tänzer sind schon seit der fünften Klasse dabei.

30. Sportlerwahl – Die Viertplatzierten

Die Helden der Beats und Schlagzahlen

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Erdings Rock’n’Roller, die Ruderin Marie-Sophie Zeidler und Boxer Simon Zachenhuber: alles Athleten mit Taktgefühl und voller Energie. Bei der Sportlerwahl schafften sie es auf die vierten Plätze.

Erding – Andere würden von Reisestrapazen reden, „für unsere Jungs und Mädels waren die Busfahrten die Höhepunkte des Jahres“, erzählt Monika Ross. Fünf Stunden Anreise nach Bad Kreuznach – da beginnt ein Tag schon um 4.30 Uhr und endet mit der Heimfahrt nach Mitternacht. Kein Problem für die Rock’n’Roll-Gruppe des Anne-Frank-Gymnasiums.

2002 hat Monika Ross diese Gruppe aus der Taufe gehoben, doch das Jahr 2019 war ein ganz besonderes. „Wir haben zum ersten Mal das Gymnasium Lauf geschlagen“, erzählt die Hörlkofenerin.

Auf Landesebene dominieren die Erdinger und die Laufer seit Jahren die Tanzwettbewerbe. Wer besser ist? Eine knifflige Frage. „Das Gymnasium Lauf zeigt Gesellschaftstanz“, erklärt Ross. Rumba und Chachacha in die selbe Wertung mit Rock’n’Roll zu nehmen, „da vergleicht man eigentlich Äpfel mit Birnen“, meint die pensionierte Gymnasiallehrerin.

Rock‘n‘Roller wurden Bayerischer Meister

Dennoch sei der Jubel groß gewesen, bei der bayerischen Meisterschaft ganz oben zu stehen. Umso bedauerlicher, dass es im Bundeswettbewerb genau andersrum war. Ross hatte das schon geahnt, da beim nationalen Bewerb die Juroren vom Tanzsportverband kamen, und die könnten mit Rock’n’Roll halt etwas weniger anfangen.

Seis drum, für die Trainerin war es ein tolles letztes Jahr, denn sie hat zudem mit Miriam Angermair eine perfekte Nachfolgerin gefunden. Die 21-Jährige tanzte einst selbst mit und sammelte bereits in der abgelaufenen Saison gemeinsam mit Ross Erfahrung als Trainerin. Die Studentin (Ingenieurwissenschaften) schwärmt von den Erfolgen des vergangenen Jahres. Da sehe man, dass sich die ganzen Trainings lohnen, meint sie. „Der schönste aber zugleich traurigste Moment letztes Jahr war für mich aber die Verabschiedung von Frau Ross am Sommerfest. Es hat mich sehr gefreut, dass auch viele ehemalige Tänzerinnen gekommen sind. Es war sehr emotional, als Aktive und Ehemalige getanzt haben.“

Choreografie mit viel Akrobatik

Angermair rechnet ihrer Lehrerin hoch an, „dass sie so viele Jahre auch nach der Pensionierung ehrenamtlich weiter trainiert hat. Ich merke jetzt selbst, wie viel Arbeit und wie anstrengend das sein kann – insbesondere wenn vor den Wettkämpfen mehr als einmal pro Woche trainiert wird. „Wir haben in unserer Choreografie auch viel Akrobatik wie zum Beispiel Salti eingebaut, die den Tanz auch nochmal anstrengender machen“, so Angermair, die noch nicht weiß, ob heuer die geplanten Wettkämpfe stattfinden.

Die Choreo jedenfalls steht schon. Miriam Angermair hat sie gemeinsam mit ihrer Schwester Melina und Lea Stanzel-Deffner Monika Ross vorgestellt. Selbstredend, dass sie dann zu viert weiter daran gefeilt haben.

Marie-Sophie Zeidler: Mit 2019 unzufrieden

Es geht immer besser: Marie-Sophie Zeidler (hier mit Familienhund Holly) will weiter Gas geben. Archivbild.

Marie-Sophie Zeidler freute sich über die gute Nachricht. „Es ist schön zu wissen, dass es Leute gibt, die meine Leistung wertschätzen und das motiviert natürlich, so weiter zu machen“, so die 21-Jährige Ruderin aus Schwaig. Das tue gut, denn sie gibt ganz offen zu: „Das Jahr 2019 war ehrlich gesagt nicht sehr zufriedenstellend.“

Klar, sie wollte mit ihrem Bruder Oliver zur A-WM fahren. „Demnach habe ich mein primäres Ziel erreicht“, sagt die Landespolizistin, fügt aber hinzu, „allerdings bin ich mit dem vorletzten Platz bei der WM überhaupt nicht zufrieden“. Dass sie bei der DM im Ruder-Zweier eine Bronzemedaille eingefahren hat – sie wäre keine gute Leistungssportlerin, wenn sie sich damit trösten würde.

Training momentan zuhause

Für 2020 hatte sich Marie-Sophie Zeidler vorgenommen, zusammen mit Katja Fuhrmann, mit der sie 2017 bei der Junioren-WM Bronze eingefahren hatte, „im Zweier national so weit vorne wie möglich zu landen, um danach einschätzen zu können, ob es dieses Jahr schon Richtung Olympia-Quali reicht, oder eben noch zu früh ist“. Das klappte auch ganz gut. Bei der nationalen Ausscheidung im Februar in Portugal landeten sie einmal auf Platz zwei, dann auf Rang drei.

Weil einige ihrer Gegner die Priorität auf den Achter Richtung Olympia-Quali gelegt hatten, standen die Chancen nicht schlecht, an Weltcups teilzunehmen. Doch der Bundestrainer wollte sie lieber bei der U23-WM sehen. Doch nun sei ja eh wieder alles ganz anders. „Wie es weitergeht, ist ziemlich ungewiss aufgrund der momentanen Situation, aber es wird ja vielen Sportlern so gehen“, sagt die Schwaigerin. „Training ist momentan nur zuhause möglich, da die Regattastrecke inklusive Kraftraum gesperrt ist. Also beschränkt sich das Training auf das Ruderergometer im Keller und Lauftraining.“

Zachenhuber quält sich im Garagengym

Immer im Kontakt mit dem Trainer: Simon Zachenhuber (r.) und Lehrmeister Conny Mittermeier. Archivbild

Simon Zachenhuber muss sich derzeit auch andere Trainingsinhalte einfallen lassen. Also hat er sein Rennrad gepackt und ist von seiner Wahlheimat Stuttgart zur Familie nach Reisen heim gefahren. Ganz gemütlich, erzählt er. Wir reden von 240 Kilometern und 1600 Höhenmetern, die er da in zehn Stunden abgestrampelt hat. Zu sehr trödeln durfte er ja auch nicht. „Ich wollte daheim sein, bevor es dunkel wird“, erzählt der 21-Jährige Boxer, der seine weiße Weste auch im zweiten Profijahr rein gehalten hat. 

Kommenden Samstag hätte er in Karlsruhe gegen Cheikh Dioum, einen Senegalesen, der in Spanien trainiert, seinen elften Kampf gehabt. „Aber der wurde jetzt natürlich abgesagt“, bedauert Zachenhuber. Seit zehn Wochen hatte er dafür trainiert. Alles umsonst? „So darf man das nicht sehen“, sagt der Reisener. „Die Vorbereitung hat mich auf das nächste Plateau gehoben. Training ist nie verloren. Nur der Kampf als Abschluss – diese Belohnung habe ich nicht bekommen.“ Die Absage schmerzt ihn freilich finanziell. „Keine Frage, ich lebe vom Sport. Das ist schon hart. Aber momentan gibt es deutlich wichtigere Dinge.“

Fit bleiben – auch wenn „Mama einfach fantastisch kocht“

Als die Absage offiziell war, „habe ich mich aber nicht verkrochen, obwohl ich direkt am Ende der Vorbereitung war, sondern gleich wieder einen Grundlagen-Block dran gehängt.“ Es folgte die Radtour nach Erding, wo man ihn vermehrt laufen sieht. „Und unsere Garage habe ich jetzt auch zu einem Box-Gym umfunktioniert“, erzählt Zachenhuber lachend. Wann es weitergeht? „Momentan hört man von den Boxpromotern nur Niederschmetterndes“, so Zachenhuber. Vor August sei nicht an Kämpfe zu denken. Umso erfreulicher sei da die Nachricht der Heimatzeitung gewesen, „dass ich wieder unter den Top Fünf bin. Das ist eine Riesenauszeichnung, wenn man von so vielen Lesern gewählt wird“. Für ihn sei das auch Verpflichtung, weiter Vollgas zu geben. Immer in Kontakt mit Trainer Conny Mittermeier, macht Zachenhuber Sprints, schindet sich im Garagengym oder auf dem Rad. „Ich versuche einfach fit zu bleiben“, sagt der Boxer. „Auch wenn’s schwierig ist, da meine Mama einfach fantastisch kocht.“

Lesen Sie am Donnerstag: die Top Drei der Mannschaften.

Dieter Priglmeir

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