Am Montagabend richteten die Vereinsverantwortlichen ihre Blicke auf den Computer: Der BFV informierte über die Entwicklungen rund um den ausgesetzten Spielbetrieb.
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Via Internet berichteten die BFV-Funktionäre.

Saisonabbruch keine Option

Wie geht es im Amateurfußball weiter? 15 mögliche Szenarien

  • vonJochen Jürgens
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Am Montagabend richteten die Vereinsverantwortlichen ihre Blicke auf den Computer: Der BFV informierte über die Entwicklungen rund um den ausgesetzten Spielbetrieb.

Landkreis – Am Montagabend richteten die Vereinsverantwortlichen ihre Blicke auf den Computer: Der Bayerische Fußball-Verband (BFV), vertreten durch Vizepräsident Robert Schraudner, den Kreisvorsitzenden Florian Riepl und Geschäftsstellenleiter Wolfgang Hauke, informierte über die jüngsten Entwicklungen rund um den weiterhin ausgesetzten Spielbetrieb.

Der Vorstand beschäftige sich aktuell „mit 15 Szenarien“, wie Schraudner bekannt gab. Das Spektrum reiche von „wir fangen gleich wieder an, bis hin zum Abbruch“. Da jedoch mit Regressansprüchen zu rechnen wäre, insbesondere von Vereinen, Spielern und Trainern aber zusätzlich auch seitens der Sportheimwirte und Sponsoren, bleibe der Abbruch auch aus finanziellen Aspekten die allerletzte Lösung – und ohne staatliche Anordnung „aktuell keine Option“.

Saisonverlängerung um ein Jahr möglich

Käme es irgendwann zur Fortsetzung der laufenden Saison 2019/20, könnten also bislang erreichte Tore, Punkte und Platzierungen bestehen bleiben. Formell hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) mit einem der weitreichendsten Eingriffe in die Spiel- und Jugendordnung am vergangenen Freitag das Rechtliche geklärt: Von der 3. Liga bis runter in die untersten Amateurklassen kann bei Bedarf die aktuelle Spielzeit bis maximal zum 30. Juni 2021 verlängert werden und im Zuge dessen die reguläre Saison 2020/21 ganz oder teilweise entfallen. Das bedeutet auch: Der „berühmt-berüchtigte“ 30. Juni als Stichtag zum Vereinswechsel fiele heuer flach. Ebenso könnten Spielberechtigungen sowie Spielerverträge zeitlich angepasst werden.

„Das Maßnahmenpaket gibt vor allem den für den Amateurspielbetrieb zuständigen 21 Landes- und fünf Regionalverbänden nun statuarisch die Möglichkeit, so flexibel wie möglich auf diese Ausnahmesituation und neue Entwicklungen zu reagieren“, hatte DFB-Vizepräsident Rainer Koch bereits am Freitagabend betont. Schraudner ergänzte, dass ein Abbruch auch „immer sportliche Ungerechtigkeit“ bedeute. Für die Vereine und ihre Planungen scheint damit der Weg vorgezeichnet: Weg aus „alten Denkmustern“ mit Saisonende – ligaabhängig –im Mai oder Juni und dem Neustart im Juli oder August, hin zu geduldigem Abwarten und einem hohen Maß an Flexibilität.

BFV entgehen über eine Million Euro aus Eintrittskarten

Vorstellbar sei auch, die natürlich notwendige Sommerpause in die bayerischen Schulferien zu terminieren. Das Verreisen sei ja Ostern nicht möglich, „und Pfingsten wahrscheinlich auch nicht“, befürchtete Schraudner, der auch zur Durchführbarkeit von Vereinsfesten und Sommerturnieren Stellung nahm. „Verlegt es am Besten ins Jahr 2021“, riet er den Vereinsvertretern aus Gründen der Planungssicherheit. Bereits entstandene Schäden sollten unbedingt über das BLSV-Meldesystem angezeigt werden.

Doch nicht nur den Vereinen, auch dem BFV gingen Gelder verloren. „Alleine die Eintrittskarten-Abgaben der bayerischen Profiklubs machen in einem Zeitraum von sechs Monaten über eine Million Euro aus“, erläuterte Schraudner – von fehlenden Einnahmen aus Sportgerichtsurteilen, Spielverlegungen und Lehrgangsgebühren mal ganz abgesehen.

FC-Bayern-Verhältnisse im Amateurfußball nicht möglich

Aber wie man es auch dreht: „Es gibt eine große Unbekannte – wann geht es weiter?“, resümierte Schraudner und gab zu bedenken, dass bei den Profis ja aktuell nur mit Sondergenehmigung, in Kleinstgruppen und auf Abstand trainiert werden dürfe. Das mag mit Trainerstäben und Sportanlagen wie beim FC Bayern München darstellbar sein, hingegen auf Amateurebene sei es kaum vorstellbar.

Eine Sorge nahm Schraudner den Vereinen auf jeden Fall. „Wir entscheiden nichts im Alleingang“, versicherte der BFV-Vizepräsident, „sondern werden immer wieder Meinungsbilder einholen“.

Jochen Jürgens

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