+
Nächstes Jahr stiehlt uns dann hoffentlich kein Virus mehr die Show“, sagt Oliver Zeidler

Runterfahren, auftanken, angreifen!

Wie Oliver Zeidler und Maxi Dallinger mit der Olympia-Verlegung umgehen

  • schließen

Die Olympischen Sommerspiele 2020 in Tokio wurden auf 2021 verlegt. Schwaigs und Lengdorfs Spitzensportler müssen umplanen. So gehen sie mit der Situation um.

Schwaig/Lengdorf – Geplatzt sind die Olympia-Träume noch nicht. Doch die Verlegung der Sommerspiele von Tokio auf 2021 wirken sich extrem auf die Planungen der Leistungssportler aus. Für Oliver Zeidler ändert sich nahezu alles. „Ich wollte nach Olympia mit meinem Master-Studium beginnen“, sagt der 23-jährige Schwaiger. Im Gespräch sei auch ein Auslandsjahr in England gewesen. „Aber die Bewerbung muss ich jetzt zurückziehen, denn das wäre mit der Olympiavorbereitung nicht vereinbar.“

Der Welt- und Europameister im Rudern zählt zu den großen deutschen Medaillenhoffnungen. Er gewinnt der Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees aber sogar etwas Positives aus. „Ich bin froh, dass sich das IOC auf eine Verschiebung eingelassen hat, sodass ich keine Angst mehr haben muss, dass Deutschland die Spiele boykottiert und ich bis 2024 um meine Möglichkeit gebracht werde, um Medaillen mitzukämpfen.“

„So etwas gab es ja außerhalb von Kriegszeiten noch nie“

Freilich wirbelt die Absage Zeidlers Pläne völlig über den Haufen. Eigentlich sei nach den Sommerspielen ein längerer Urlaub geplant gewesen. Der Schwaiger, der beim Beratungsunternehmen Deloitte die Besteuerung von internationalen Mitarbeiterentsendungen koordiniert, wird nun bei seinem Arbeitgeber vorstellig werden, ob er seine Arbeitszeiten im kommenden Jahr ebenso kürzen kann, wie es heuer geplant war.

Auch müsse geklärt werden, was mit den bereits abgeschlossenen Sponsoringverträgen passiert. Und wie verfährt man mit einer Saison, in der es keine Regatten geben wird? „So etwas gab es ja außerhalb von Kriegszeiten noch nie“, sagt der 23-Jährige. Da gebe es also einige Unsicherheiten. „Langweilig wird’s mir bei diesen vielen To-Do’s sicher nicht.“, so Zeidler. Er versuche nun das Beste aus der Situation zu machen und neue Energie und Motivation zu schöpfen. „Im nächsten Jahr stiehlt uns dann hoffentlich kein Virus mehr die Show, und die Spiele können mit der nötigen Sicherheit und Fairness durchgeführt werden.“

Enttäuscht und erleichtert zugleich

„Du bereitest dich drei Jahre vor, dann wird es dir vor der Schnauze weggezogen“, sagt Maxi Dallinger.

Für Maxi Dallinger war die Entscheidung keine Überraschung mehr. „Ob die Verschiebung richtig oder falsch ist, steht gar nicht zur Debatte. Ein solches Event auf Kosten der Sportler auf Biegen und Brechen durchzuziehen, wäre falsch gewesen“, so der Sportschütze aus Lengdorf, der noch um die Quali kämpfte. Die Fairness im Bezug auf Trainings- und Qualimöglichkeiten wäre nicht mehr gegeben gewesen. Und Spiele ohne Zuschauer? „Was wären das für traurige Zustände für die Sportler?“, fragt Dallinger. Er bezweifelt auch angesichts der derzeit schwankenden Dopingkontrollsysteme, „ob man da noch Spiele haben will, wenn man sich danach fragen muss, ob alles mit rechten Dingen zugegangen ist“. Von der unkalkulierbaren Gefahr durch das Virus ganz zu schweigen. 

Natürlich sei er enttäuscht. „Du bereitest dich drei Jahre auf ein Event vor, auf die noch ausstehende Quali, oder bist sogar schon qualifiziert und dann wird es dir vor der Schnauze weggezogen, ohne dass du darauf Einfluss nehmen kannst.“

Der neue Trainingsplan „wird ganz sicher anders aussehen“

Der 23-Jährige spricht aber auch von einer „Erleichterung“, denn „ich hing in der Luft“. Nach den internationalen Bildern aus Italien wurden sämtliche Trainings gestrichen, dann die Absage aller nationalen Meisterschaften vom DSB, keine klaren Informationen zu Quali-Wettkämpfen wie den ausstehenden Weltcups und Grand Prix und die vage Vermutung von ausfallenden Spielen – „das alles zehrt natürlich an meiner und sicher auch an der Bereitschaft aller anderen Sportler, sich die letzten Wochen für ein sich immer mehr vernebelndes Ziel zu motivieren.“

Die Gewissheit und die damit verbundene Möglichkeit bald wieder vernünftige neue Pläne schmieden zu können „das wirkt jetzt gerade sehr entspannend“, so Dallinger weiter. Jetzt gehe es um einen neuen, zielgerichteten Trainingsplan; „und der wird ganz sicher anders aussehen wie die letzten Jahre – von Sportler zu Sportler individuell festgelegt“.

Zeit für die Lebensfelder, die während der Saison zu kurz kommen

Angesichts der aktuellen Situation werde er die nächsten Wochen sein Schießtraining zu Hause auf ein absolutes Minimum reduzieren.

„Wir haben etwas zu verdauen, werden uns eine Zeit lang regenerieren und uns anderweitig fordern, bis der Kopf frei ist für neuen Input.“ Jetzt sei mal Zeit für die Lebensfelder, die während der Saison zu kurz kommen. „Damit meine ich Beruf, Weiterbildung, Fitness und – ganz wichtig – Familie“. Erst wieder klare sportliche Ziele formuliert sind, geht’s weiter. Dallingers Plan: Runterfahren, auftanken, angreifen!

Dieter Priglmeir

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Wie geht es im Amateurfußball weiter? 15 mögliche Szenarien
Am Montagabend richteten die Vereinsverantwortlichen ihre Blicke auf den Computer: Der BFV informierte über die Entwicklungen rund um den ausgesetzten Spielbetrieb.
Wie geht es im Amateurfußball weiter? 15 mögliche Szenarien
Dance Angels auf Höhenflug – Verein ist stolz auf sein neues Aushängeschild
Die JHV der Showtanzformation Dance United in Wartenberg musste aufgrund der Corona-Krise verschoben werden. Der Vorstand übermittelte jedoch auf Nachfrage wenigstens …
Dance Angels auf Höhenflug – Verein ist stolz auf sein neues Aushängeschild
Marina Rappold und die Pause zwischen Vietnam und Budapest
Die Langstreckenläuferin aus Unterschwillach plant heuer ihren ersten Marathon. Jetzt war erst einmal Pause angesagt.
Marina Rappold und die Pause zwischen Vietnam und Budapest
Taufkirchens Senioren bleiben fleißig zu Hause
Eine schöne Überraschung flatterte den Turnerinnen der Senioren-Gymnastikgruppe des TSV Taufkirchen ins Haus. Die Übungsleiterin hatte ihnen eine sportliche Anordnung …
Taufkirchens Senioren bleiben fleißig zu Hause

Kommentare