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Sie halten zusammen (v. l.): Roland „Rolli“ Böller, Amelie Zachenhuber ud Elvir Mangafic.  

Da braut sich was zusammen

Erdinger Schwimmtalente vor ungewisser Zukunft

Der Verband bootet Amelie Zachenhubers Trainer aus. Ärger gab es auch am Münchner Stützpunkt.

Nürnberg/ReisenNeue Stadt, neue Schule, neuer Trainer – Schwimmtalent Amelie Zachenhuber hat vergangenes Jahr im September mit dem Wechsel an die „Eliteschule des Sports“ in Nürnberg alles auf eine Karte gesetzt. Nun ist das Schuljahr fast vorbei, und die Reisenerin fühlt sich mächtig wohl. Doch all das steht nun auf der Kippe. Der Grund: Ihrem Trainer Roland Böller wurde der Vertrag als Landesstützpunkttrainer vom Bayerischen Schwimmverband (BSV) nicht verlängert, und der Landesstützpunkt in Erlangen, wo sie bisher trainiert hatte, wird am 1. Januar 2021 nach Nürnberg verlegt.

Der Bayerische Schwimmverband unter Präsident Harald Walter begründet die Verlegung des Landesstützpunktes damit, dass das die Entfernung der Sportschule und des Internats zu den Trainingsstätten auf ein Minimum reduzieren würde, was den Sportlern schließlich zu Gute käme.

In der Tat hat Zachenhuber aktuell durchaus Fahrtzeiten von rund einer Stunde von Nürnberg nach Erlangen, wenn sie dort am Stützpunkttraining teilnimmt. Diese nehme sie allerdings gerne in Kauf, da sie sich inzwischen sehr gut eingelebt hat und mit viel Freude und Engagement am Training teilnimmt, wie ihre Mutter Rosi erzählt. Dass Amelies dortiger Trainer, Roland „Rolli“ Böller ab nächster Saison nicht mehr ihr Trainer sein soll, möchte sie allerdings nicht wahrhaben.

In der Pressemitteilung des BSV wurde auch schon die neue Leiterin des Stützpunktes in Nürnberg, Jill Becker, vorgestellt. Sie habe versucht, Kontakt mit ihr aufzunehmen, sagt Rosi Zachenhuber, um zu erfahren, was für die nächste Saison geplant sei, da Becker ihre Stelle ab dem 1. September antritt und somit genau in die Vorbereitungen für die offenen Deutschen Meisterschaften (DM) im Oktober einsteigt. Allerdings habe man hier keine konkreten Aussagen zu Konzept, Trainingsgruppen, Trainingszeiten oder Ähnlichem erhalten. Es sei nur bekannt, dass Becker die bisherige 1. Mannschaft mit vielen Landes- und Bundeskaderathleten, zu denen auch Amelie Zachenhuber gehört, nicht selbst trainieren wird. Zwei weitere neue Trainer wurden genannt, die abwechselnd das Training für die Bundeskaderathleten übernehmen würden.

Für die gesamte 1. Mannschaft stehe fest, dass sie dies nicht akzeptieren wollen, berichtet Rosi Zachenhuber. Auch die Aussicht auf eine per Antrag zu stellende Ausnahmegenehmigung mit ausführlicher sportfachlicher Begründung, die jederzeit widerrufen werden kann, macht wenig Hoffnung auf harmonische Verhältnisse.

Am Münchner Stützpunkt herrscht ebenfalls dicke Luft. Ende 2019 stellten die dort verantwortlichen Trainer ihr neues Nachwuchskonzept vor. Demnach gebe es ganz klare Vorgaben, dass von „Eliteschülern des Sports“ nur noch das dortige Training, und nicht mehr das des Heimatvereins besucht werden soll, da ansonsten Sanktionen wie Trainingsausschluss drohen und auch schon erlassen wurden.

Davon berichtet Katrin Liebig. Ihr Sohn Sander, Schwimmer des TSV Erding, nahm bis Anfang diesen Jahres ebenfalls am Stützpunkttraining teil und hat genau aus diesem Grund seine Konsequenzen gezogen, da er sich nicht erpressbar machen wollte, und seinen Trainingsschwerpunkt nach Erding zurückverlegt. Außerdem habe er mitbekommen, dass am Stützpunkttraining, welches schon im Mai und somit zur heißen Corona-Phase stattfand, nicht nur Kaderathleten teilnahmen, sondern auch viele Schwimmerinnen und Schwimmer der SG Stadtwerke München ohne Kaderstatus. Warum dies so sei, könne er sich nicht erklären. Da ihn das aber nicht mehr weiter betrifft, freue er sich umso mehr über seine Freiheiten und das Training in Erding, erzählt seine Mutter.

Vor ähnlichen Sanktionen wie in München fürchtet sich auch Amelie Zachenhuber in Mittelfranken. Die 16-Jährige bangt, dass sie einerseits ebenfalls vom Stützpunkttraining ausgeschlossen werden könnte, wenn sie weiterhin bei Böller trainiert. Noch schlimmer wäre es, wenn ihr die finanzielle Unterstützung gestrichen würde, mit der anteilig der Verband das Internat mitfinanziert. Aus diesem Grund hält sich die Familie der Bundeskaderschwimmerin zurück, auch wenn für sie die Situation insgesamt alles andere als zufriedenstellend ist.

Allerdings haben sie in dieser Sache auch die Verantwortlichen des Deutschen Schwimmverbandes mit eingebunden, die sich der Sache annehmen wollen. BSV-Präsident Walter hat wohl auch bei Amelie Zachenhubers Heimtrainer vom SC Prinz Eugen München, Elvir „Elli“ Mangafic, angerufen und geraten, dass Amelie doch nach Heidelberg an den Bundesstützpunkt wechseln solle bei all dem Chaos in Nürnberg und Erlangen. Doch ein erneuter Wechsel kommt für die mehrfache Sportlerin des Jahres der Heimatzeitung auf keinen Fall in Frage, und auch Mangafic lehnt diese Option strikt ab. Es kommen also unsichere Zeiten auf Amelie Zachenhuber zu, die in den Sommerferien zwei Wochen frei haben wird, ehe sie sich schon wieder auf die deutsche Meisterschaft in Berlin vorbereiten wird. Für sie steht aber auch fest, dass sie ab dem 1. Januar 2021 weiterhin bei Roland Böller trainieren und für dieses Recht kämpfen wird.

VON ALEKS SCHARFE

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