Eine Jubeleinheit: die Planegger Meistermannschaft mit den Ex-Erdingerinnen Franziska Feldmeier (1), Franziska Albl (2), Tabea Botthof (3) und Sonja Pleyer (4).
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Eine Jubeleinheit: die Planegger Meistermannschaft mit den Ex-Erdingerinnen Franziska Feldmeier (1), Franziska Albl (2), Tabea Botthof (3) und Sonja Pleyer (4).

Deutsche Meisterinnen aus der Semptstadt

Erdingerinnen im Eishockey-Himmel

  • Dieter Priglmeir
    vonDieter Priglmeir
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Der DM-Titel des ESC Planegg und Ingolstadts Bronze: Beides hat viel mit der Talentschmiede des TSV Erding zu tun. Zwei Erdinger Ex-Spielerinnen erzählen, wie sie das Final Four erlebt haben.

Erding – Das Final Four in Füssen hätte auch Erdinger Klassentreffen heißen können. Neun Spielerinnen, die bereits beim TSV aktiv waren, mischten nun bei der Entscheidung um die deutsche Eishockey-Meisterschaft der Frauen mit. Es war ein Playoff-Turnier der besten vier Teams der Hauptrunde. Am Ende jubelten Franziska Feldmeier, Tabea Botthof, Sonja Pleyer und Franziska Albl im Dress des ESC Planegg.

Sie feierten mit Sekt und Musik in der Kabine, „bis uns der Eismeister rausgeschmissen hatte“, erzählt Franziska Feldmeier lachend und fügt noch hinzu: „Natürlich war das nur möglich, weil wir alle negative Coronatests hatten.“ Nach der Kabinenparty ging es im Mannschaftsbus weiter. „Um ein Uhr morgens war ich daheim.“

VON DIETER PRIGLMEIR

Tamara Lan Yee Chiu, Sorsha Sabus, Bernadette Karpf, Jessica Hammerl und Celina Haider, die auch schon beim ESC Dorfen gespielt hat, brauchten dagegen noch etwas, um sich mit Platz drei anzufreunden. Sie waren schließlich mit dem ERC Ingolstadt als Erster der Hauptrunde favorisiert in dieses Finalturnier gegangen.

Doch im Halbfinale prallten sie immer wieder an der Defensive der Berliner Eisbären ab und verloren 1:2. „Die Enttäuschung war natürlich riesig“, gibt Sorsha Sabus zu. „Aber bei einem Turnier mit diesem Modus kann natürlich alles passieren. Wir sind als Favorit ins Turnier gestartet, dementsprechend waren die Erwartungen aller sehr hoch. Berlin hatte nichts zu verlieren und konnte befreit aufspielen.“ Ihr Team habe nichts unversucht gelassen, „wir haben aber nie zu 100 Prozent in unser Spiel gefunden“, analysiert Sabus. Hinzu kam, dass Berlin vor dem Turnier mit Theresa Knutson eine Importspielerin aus den USA verpflichtet hatte, die dann prompt zwei Tore schoss. „Wir trafen oft Pfosten und Latte, doch der Puck wollte nicht über die Linie“, ärgert sich Sabus: „Ein Tor reicht in so einem Spiel halt leider nicht für einen Sieg.“

Weit besser lief es für die Planegger Pinguine, die sich im Halbfinale gegen den ECDC Memmingen Indians 3:2 (0:0, 3:1, 0:1) durchsetzten. Die Allgäuerinnen hatten zuvor zweimal die Meisterschaft gewonnen und wollten unbedingt ihren Titel verteidigen. 34 Mal schossen sie aufs Tor, doch die überragende Torhüterin Franziska Albl ließ sich nur zweimal überwinden. Vor allem beim Stand von 1:1 und doppelter Unterzahl erwies sich die Ex-Torhüterin der Gladiators als unbezwingbar. Mit einem Doppelschlag in der 35. und 36. Minute stießen die Planeggerinnen das Tor zum Finale weit auf und ließen sie auch nicht mehr zufallen.

Auch im Endspiel gegen Berlin war Goalie Albl eine Bank. Beim Stand von 1:0 – den Treffer hatte Kerstin Spielberger nach einem Traumpass von Feldmeier erzielt – entschärfte sie einen Penalty. Da hätte die Partie kippen können. Kurz drauf fiel aber das 2:0, und als Justine Reyes zum Auftakt des dritten Drittel das 3:0 nachlegte, war die Partie gelaufen. Am Ende gewannen die Planegger 4:1 (2:0, 0:0, 2:1).

Für Franziska Feldmeier war der gehaltene Penalty ein Detail von vielen Kleinigkeiten, die ihrem Team letztlich die Meisterschaft bescherte. „Unsere Bandbreite an Spielerinnen von jung bis alt, die die verschiedensten Eigenschaften mitbringen, die Motivation der jüngeren, die Erfahrung der Etablierten – das alles gehört dazu“, sagt sie. Aber auch die aufmunternden Worte auf der Bank, die Bereitschaft, jeden Schuss abzublocken oder nach einem Abschluss immer nachzugehen und dann – wie etwa im Halbfinale – im Nachschuss zu treffen, seien weitere Teile des Planegger Erfolgsgeheimnisses. Und: „Bei dem Turnier hat sich rausgestellt, wer unter Druck über zwei Spiele lang die solideste Mannschaftsleistung abrufen kann.“

Überraschend kam für die Planeggerinnen der Erfolg ohnehin nicht. „Die Meisterschaft war immer unser Ziel. Wir kennen diesen Modus ja schon vom deutschen Pokal. Wir wussten, dass in nur einem Spiel alles passieren kann und dass wir es mit unseren Stärken, also Kampfgeist, Wille und Zusammenhalt, schaffen können.“ Es war übrigens Planeggs achter Titel. Feldmeier war zum dritten Mal dabei.

Bronze ging an den ERC Ingolstadt durch ein 2:1 gegen Memmingen. Sabus rückte nochmal die Gesamtleistung des Teams in den Fokus: „Wir sind super stolz auf uns. Wir haben die Hauptrunde noch nie auf Platz eins abgeschlossen. Punkte haben wir nur gegen Planegg und Memmingen liegen lassen. Und wer weiß, wie es letztendlich ausgegangen wäre, wenn wir in einem Best-of-Modus gespielt hätten, das stand kurz zur Debatte. Leider waren einige Mannschaften dagegen.“

Von ihrem Ingolstädter Team ist sie übrigens sehr begeistert: „Ich habe so einen Zusammenhalt wie in unserer Mannschaft noch nie erlebt. Jeder versteht sich mit jedem, Hierarchien gibt es nicht. Auch diejenigen, die nicht immer spielen dürfen, reisen oft mit und unterstützen uns an der Bande.“ Der ERC und die fünf Ex-Erdingerinnen werden in der nächsten Saison einen neuen Anlauf nehmen, um erstmals den DM-Titel zu holen. „Nach jetzigem Stand verlässt uns nur Solveig Neunzert, meine Verteidigungspartnerin“, erzählt Sabus. „Alles andere wird man sehen, wenn auch die Saison für die Nationalspielerinnen beendet ist.“

Im Mai findet schließlich die Weltmeisterschaft in Kanada statt. Deswegen steigt bereits nächste Woche der erste Vorbereitungslehrgang des DEB in Füssen. Dann werden die ehemaligen Erdingerinnen wieder gemeinsam auf dem Eis stehen. „Es wäre natürlich ein großer Traum. in Kanada dabei zu sein“, gesteht Sabus, verweist aber auf die starke Konkurrenz.

Denn – das hat auch dieses Final Four bewiesen – das deutsche Fraueneishockey hat ein deutlich höheres Niveau erreicht und erfährt deutlich mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. „Das freut uns schon sehr“, sagt Franziska Feldmeier, die etwas schmunzeln musste, als sie nach einer möglichen DM-Prämie gefragt wurde. „Von solchen Zahlungen sind wir noch richtig weit weg. Da hat das Frauen-Eishockey leider noch zu wenig Reichweite.“ Noch. „Es hat sich schon wahnsinnig viel gebessert“, sagt Feldmeier. Das große Interesse der Presse am Final Four und das Lob und der Zuspruch von Freunden und Bekannten – „das sind die Dinge, worüber wir uns im Frauen-Eishockey freuen.“ Und natürlich auf die WM in Kanada, denn da darf eine Franziska Feldmeier nicht fehlen.

Kabinenfeier: Kerstin Spielberger, die übrigens auch schon in Erding trainiert hat, duscht Co-Trainer Michael Lehmann.
Kampfstark: Sorsha Sabus (oben) setzt sich gegen eine Memminger Spielerin durch.

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